Kunststoffverpackungen: Firmen möchten weg von Wegwerfwirtschaft

Der Abfall umfasst zunehmend mehr Plastik.
Der Abfall umfasst zunehmend mehr Plastik. ©APA/Barbara Gindl (Symbolbild)
Die Plattform "Verpackung mit Zukunft" möchte in Österreich die Etablierung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft für Verpackungskunststoffe schnell nach vorne bringen.

Ziel sei es, dass in Zukunft kein Wertstoff mehr verloren gehe, betonten Vertreter des losen Zusammenschlusses aus 20 Unternehmen aus den Branchen Rohstoffverarbeitung, Recycling, Verpackungs- und Konsumgüterherstellung am Freitag bei einem Pressetermin in Anif bei Salzburg.

Mehr Plastik im Abfall

Die Menge an Plastik im Abfall steigt. Um die Folgen für die Umwelt zu reduzieren, hat die EU zuletzt etwa Einweg-Kunststoff-Sackerln oder Einwegplastik wie Kunststoffbesteck oder Wattestäbchen verboten. Während die Zielvorgaben des EU-Kreislaufwirtschaftspakets 2025 für Papier, Glas und Metall in Österreich bereits heute erfüllt werden, gibt es bei Kunststoffverpackungen noch Aufholbedarf. Und das beschert der Branche mitunter ein schlechtes Image.

Die 2020 gegründete Plattform will darum mit effektivem Sammeln, Trennen und Recyceln das Ziel der Kreislaufwirtschaft verwirklichen - auch dank gegenseitiger Zusammenarbeit, Forschung und Entwicklung und moderner Technologien. Richtig eingesetzt, seien Kunststoffe sogar hilfreich für das Erreichen der Klimaneutralität. Man baue dabei auf die "vier R" Reduce, Replace, Reuse und Recycle - Reduzieren, Ersetzen, Wiederverwenden und Recyclen.

Stanek spricht intelligente Verpackungen an

Zunächst gelte es, den Bedarf an Neuware zu reduzieren und mehr Regranulat - das Endprodukt des Kunststoffrecyclings, das für neue Kunststoffprodukte Verwendung findet - einzusetzen, betonte am Freitag Manfred Hackl, Geschäftsführer der oberösterreichischen EREMA Group. "Das führt zu einer CO2-Einsparung von 20 bis 40 Prozent." Als Rohstoff gelte der gesammelte Kunststoffabfall. Dafür seien aber homogene - sprich gut getrennte - Verpackungen notwendig.

Ein weiterer Schritt sei der Einsatz intelligenter Verpackungen, erklärte Manfred Stanek, CEO von Greiner Packaging. Es gelte Produkte und Verpackungen so zu gestalten, dass sie möglichst gut recyclingfähig sind. So habe man etwa einen Joghurtbecher entwickelt, der mit 30 Prozent weniger Kunststoff als ein herkömmlicher Becher auskommt, weil er mit Karton ummantelt ist. "Das muss derzeit noch vom Konsumenten daheim getrennt werden. Das machen einer Umfrage zufolge aber nur 35 bis 40 Prozent." Man arbeite darum an Verpackungen, wo sich im Müllwagen durch den mechanischen Druck der Müllpresse Papier und Kunststoff voneinander lösen.

"Wichtig ist, dass der Kunststoff in den Kreislauf fließt"

Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft müssten schließlich auch die Konsumenten mitspielen, sagte Josef Scheidl, CEO bei Brantner Environment. "Unsere Sortieranlagen arbeiten dank künstlicher Intelligenz weitgehend automatisiert. Dennoch ist es entscheidend, dass beim Entsorgen vom Müll mehr auf das Trennen geachtet wird." Es brauche dazu einfach kommunizierte und einheitliche Regeln, wie getrennt werden müsse.

Die drei Plattform-Vertreter befürworteten am Freitag auch die als fix geltende Einführung eines Pfandsystems für PET-Flaschen in Supermärkten ab 2025. "Wichtig ist, dass der Kunststoff in den Kreislauf fließt. Wenn das Material einen Wert hat, kommt es eher zurück und wird nicht weggeworfen", sagte Stanek. Dennoch gibt es vereinzelt Bedenken. "Dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne wird durch das Einwegpfand das wertvolle PET entzogen", erklärte Scheidl. Das was übrig bleibe - andere Kunststoffe - sei aber nicht mehr so attraktiv. Hier gelte es noch Lösungen zu entwickeln.

Lidl: Meinung zu Einwegpfand

Auch beim Lebensmitteldiskonter Lidl - das Unternehmen ist kein Mitglied der Plattform - zeigte man sich am Freitag vom Einwegpfand überzeugt. "Wir wollen bis 2025 alle Eigenmarken mit 100 Prozent recycelbarer Verpackung ausstatten", sagte Lidl-Österreich-Chef Alessandro Wolf. Das gelte besonders für recycelbares PET. "Dafür ist es aber notwendig, dass der Rohstoff den richtigen Preis bekommen - egal ob das jetzt 20, 25 oder 30 Cent pro Flasche sein werden." Das gewonnen Regranulat solle dabei auch nicht in Textilien oder Schuhe fließen: "Aus alten Falschen sollten neue Flaschen gemacht werden."

Man dürfe auch nicht vergessen, dass Kunststoffverpackung für eine längere Haltbarkeit von Lebensmittel beitragen. "Durch optimierte Verpackungen können Lebensmittelabfälle um bis zu 75 Prozent reduziert werden", betonte Wolf. Der Umweltnutzen durch vermiedene Abfälle sei damit in den meisten Fällen klar höher als der Umweltaufwand für die Verpackung selbst.

(APA/Red)

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