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Kunsthalle Wien: Ausstellung über das Wendejahr 1989

"Das historisch wichtigste Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges" steht im Mittelpunkt einer Ausstellung , die am Freitag, den 9. Oktober 2009, in der Kunsthalle Wien eröffnet wird.
“Utopien wurden begraben, neue Zukunftsszenarien taten sich auf”, als “die längste Grenzziehung des 20. Jahrhunderts aufgehoben wurde”, führte Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle, bei der Pressekonferenz am Donnerstag in das Thema der Ausstellung, das Wendejahr 1989, ein. Gezeigt werden Werke von 35 Künstlern aus 20 Nationen. Die laut Matt “erlebten Erinnerungen von Künstlern”, in denen “Facetten der Lebenswirklichkeit aufgearbeitet wurden” entstanden ab den späten 1960ern.

Die Ausstellung über den Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs verfolge auch ein didaktisches Ziel, wie der Museumsdirektor betonte. Junge Menschen hätten “sehr wenig Ahnung von diesen Vorgängen” und wie sehr “Ökonomie, Politik und Gesellschaft unser Leben mitbestimmen”. Die Kuratorin Catherine Hug verwies ebenfalls auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem historischen Jahr. “Die Generation der heute unter 40-jährigen faszinierte die Welt jenseits des Eisernen Vorhangs”. Vieles sei heute noch ein “Mysterium” und müsse daher erforscht werden.

Der Historiker Oliver Rathkolb gestaltete mit seinem Team die didaktische Einführung der Ausstellung, die im Vorraum zu sehen ist. Rathkolb sieht die Besonderheit des Jahres 1989 darin, dass es “das einzige Jahr im 20. Jahrhundert” sei, in dem die politischen Entscheidungsträger “jede Kontrolle über die Ereignisse verloren hatten”. Die nach 1989 geborene Generation sehe die Zeit davor “durch die rosarote Brille der Großeltern”, weshalb in der Ausstellung die “Gegengeschichte” gezeigt wird, ein “Aufriss des kulturellen Gedächtnisses”. “Das Verständnis der Vorgeschichte des Jahres 1989 ist eine zentrale Voraussetzung, um die Gegenwart auch politisch deuten zu können”, so Rathkolb unter Verweis auf den Aufstieg populistischer Parteien seit den 1990ern.

In der Ausstellung sind Videos, Installationen, Gemälde und Fotografien zu sehen. Die Künstler haben sich mit unterschiedlichen Themen auseinandergesetzt, darunter die Perestroika, die vom ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow eingeleiteten politischen und wirtschaftlichen Reformen, die nach der Wende erfolgte Entfernung von politischen Symbolen aus der Öffentlichkeit in Ostberlin, die Niederschlagung der Proteste von 1989 am Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) in Peking, das Schüren von Angst in der Bevölkerung während des Kalten Krieges, die heutige russische Oberschicht, die sozialistische Bürokratie sowie die Solidarnosc-Bewegung.

 ”1989. Ende der Geschichte oder Beginn der Zukunft?”, Ausstellung in der Kunsthalle Wien, Halle 1
Eröffnung: Donnerstag, 19:00, von 9.10.-7.2., tgl. 10-19 Uhr, Do. 10-22 Uhr, www.kunsthallewien.at.
Parallel zur Ausstellung läuft ein umfassendes Begleitprogramm mit Vorträgen, Gesprächsrunden mit Künstlern, Diskussionen und Buchpräsentationen
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