Kunsthalle 2008: Mythos, Punk und Realismus

Mit dem Mythos hebt das Jahr 2008 in der Wiener Kunsthalle an, mit dem Realismus endet es. Zwischen den urtümlichen Bildwelten im Frühjahr und der realen Darstellung im Herbst sorgt der Punk über den Sommer für Kontraste.

“Die Fragen nach existenziellen Erfahrungen gehen weiter”, erklärte er die “programmatische Kontinuität” mit 2007 – einem Jahr, auf das er zufrieden zurück blickte.

Zwei Künstler erforschen im Frühjahr den Mythos als “Ort jenseits von Verwertbarkeit und Zwecksetzung”. Beide bedienen sich dabei des Films, den Matt als “erweitertes Medium für die bildende Kunst” verstanden wissen will. Matthew Barney, dessen Serie “Drawing Restraint” von 7. März bis 8. Juni zu sehen sein wird, ist zum zweiten Mal in der Kunsthalle zu Gast – “seit 1997 hat er große internationale Bedeutung erlangt”, verwies Matt auf die Aufgabe der Kunsthalle, spätere Shooting Stars früh vorzustellen. So sind auch im Werk Hans Jürgen Syberbergs, dessen Monolog “Die Nacht” als große Installation von 22. Februar bis 30. März gezeigt wird, für Matt noch viele spannende Entdeckungen zu machen.

Eine Fortsetzung der “Erschließung populärkultureller Welten durch die Kunst” begeht die Kunsthalle im Sommer mit der “letzten, großen künstlerischen und gesellschaftlichen Protestbewegung” – dem Punk. Im Zentrum der Ausstellung (16. Mai bis 8. Juni) stehen dabei die Städte New York, Berlin und London, deren “Widerstände gegen den Pop-Mainstream” in vielfältigen Medien – von Plattencovers über Mode zu Flyern – dokumentiert werden. Parallel werden von 27. Juni bis 5. Oktober Arbeiten des englischen Filmemachers Derek Jarman gezeigt, die unter anderem die Einflüsse des Punk auch auf die spätere künstlerische Produktion veranschaulichen sollen.

Gegen Ende des Jahres widmen sich zwei prominente Schauen der Frage “nach der Darstellung, Rückgewinnung und Konstruktion von Wirklichkeit”. Um die Leihgaben für die von 3. Oktober bis 15. Februar stattfindende Ausstellung “Western Motel – Edward Hopper und die zeitgenössische Kunst” zu erhalten, musste Matt tief in die Trickkiste greifen. Vor allem für das Titelbild der Ausstellung, dass in der Yale University zu Hause ist, habe er nur mit Argumenten wie seinem eigenen Geburtstag, der mit dem Datum der Ausstellungseröffnung zusammenfällt, oder mit seiner Leidenschaft für den auf dem Bild abgebildeten Oldtimer überzeugen können. Während Hopper verdeutliche, “wie nahe der Realismus an der Abstraktion ist”, gilt die Schau “Lovers, Friends, Still Lifes, Landscapes and Some Dogs” (24. Oktober bis 25. Jänner) den (foto)grafischen Werken David Hockneys.

Intensivieren will Matt 2008 die Positionierung der Kunsthalle “als Ort des Know Hows und der Produktion, als Ort des Austausches von Lehre und Praxis und als Ort des öffentlichen Diskurses”. Letzteres soll wie schon bisher vor allem im Project Space am Karlsplatz Raum erhalten. Nach dem jüngsten Vandalenakt an der Statue “Turkish Delight” werde dort an ihrer Stelle eine Tafel aufgebaut, die die gesamte Diskussion dokumentiert. Mit der Ausstellung “Mahrem”, in der sich der türkische Kurator Emre Baykal von 24. Jänner bis 16. März dem Thema “Kunst der Verschleierung” annimmt, soll die Debatte “um Orient und Okzident aber auch um die Rechte der Frauen” weiter angetrieben werden.

Den Karlsplatz zieren wird während der EURO 2008 eine ganz andere Statue, die von einer bisher ungenannten Künstlerin gestaltet und dann vom Siegerland als Trophäe mit nach Hause genommen wird. Im Project Space wird dann außerdem eine Ausstellung zu “Gegenwart und Politik des Spiels” zu sehen sein.

Auf 2007 sah der Kunsthallen-Direktor zufrieden zurück. Mit 180.000 bis 190.000 Besuchern, die man bis Jahresende verzeichnen wird, habe man die Rekordmarke von 2006 wieder erreicht, doch weniger an den Besucherzahlen, als am “Wettbewerb um Aufmerksamkeit”, sowie an der internationalen Reputation der Ausstellungen will Matt seinen Erfolg gemessen haben. Vor allem das Interesse anderer Häuser in Italien, Deutschland oder Spanien, wohin Kunsthallen-Ausstellungen wie “Chen Zen”, “True Romance” oder “Viva la Muerte” hinwandern, wertet er als Zeichen, dass die Kunsthalle “ein Ort des Exports” sei, an dem “Ideen generiert werden”.

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