AA

Kultursprecherin der Grünen, Marie Ringler sagt Adieu

Kultursprecherin Marie Ringler hat genug von der Politik und stellt sich nicht als Kandidatin für die Wien-Wahl auf.

Marie Ringler (34) sagt Adieu: Die renommierte Kultursprecherin der Wiener Grünen kündigt im APA-Interview an, nicht mehr für den nächsten Gemeinderat kandidieren zu wollen. “Es ist eine persönliche Entscheidung. Fünf weitere Jahre will ich nicht – ich will was Neues machen in meinem Leben”, unterstrich die Noch-Politikerin. Sie strebe nach ihrem Ausscheiden aus dem Landtag, dessen Legislaturperiode bis Oktober 2010 läuft, eine Tätigkeit im nicht-öffentlichen Sektor und nicht im politiknahen Bereich an: “Mein derzeitiger Fokus geht sehr stark in die Richtung ‘Ethische Finanzmärkte’ und der Frage, wie die Wirtschaft die Gesellschaft zum Besseren verändern kann – das sind meine Themen für die Zeit danach.”

Sie scheide jedenfalls nicht im Streit mit den Grünen und werde bei der Landesversammlung im November eine Solidaritätskandidatur abgeben. “Ich gehe nicht wie ältere Herren, wenn sie gehen – indem sie Türen knallen und ihren ganzen Grant loswerden. Ich bin nicht grantig auf die Grünen. Die Grünen sind meine politische Heimat und ich habe hier wirklich schöne Jahre erlebt – mit allen Aufs und Abs”, betonte Ringler.

Ihre Entscheidung zu gehen, sei auch keine definitive Entscheidung gegen die Politik, sondern eher ein vorläufiger Abschied von Freunden: “Wenn die nächsten Jahre Interessantes bringen, dann können wir gerne darüber reden.” Sie habe sich jedenfalls schon vor Monaten entschieden, bei der Listenerstellung im November keinen wählbaren Platz mehr anzustreben. Es sei eine Frage der Glaubwürdigkeit, dass Menschen in der Politik sich immer wieder beruflich verändern müssten, um ihren Horizont zu erweitern.

“Ich und die Grünen haben eine Zeit gebraucht, um uns aneinander zu gewöhnen”, erinnerte Ringler daran, dass sie bei ihrer ersten Landesversammlung nicht auf ein sicheres Mandat gewählt wurde. Die Beziehung habe sich aber über die Jahre hinweg immer mehr vertieft. Und so sei es in den Folgejahren gelungen, grüne Kulturpolitik auf die Landkarte zu bringen. In ihrem letzten Jahr als Wiener Mandatarin wolle sie einen Schwerpunkt im Bereich der Kontrolle setzen, wobei hier Pars pro Toto der Dauerbrenner der Vereinigten Bühnen Wien zu nennen sei. Zum anderen wolle sie eine Initiative im Feld der Musik- und Filmdownloads als neue kulturelle Praxis setzen.

Namen möglicher Nachfolger für die Kulturagenden bei den Wiener Grünen nach ihrem Abgang hat Ringler zwar im Kopf, möchte diese jedoch nicht aussprechen: “Bei den Grünen ist es ja so, dass man, wenn man Namen nennt, den Leuten das Leben schwermacht.” Für ihre eigene berufliche Zukunft gebe es derzeit noch nichts Konkretes. Sie diskutiere aber Angebote und Projekte: “Ich will jetzt auch was Anderes und was Neues machen. Ich bin ein wahnsinnig neugieriger Mensch.”

Ringler ist gebürtige Wienerin, die in der Bundeshauptstadt am 31. August 1975 das Licht der Welt erblickte. Parallel zu einem Studium der Soziologie, Politikwissenschaft und Frauenforschung an der Universität Wien begann sie 1994 bei der Netz-Kulturinitiative Public Netbase zu arbeiten, wo sie zwischen 1998 und 2000 auch als Geschäftsführerin fungierte.

Ihre politische Laufbahn begann 2001 als Gemeinderätin der Wiener Grünen, wo sie sich schnell im Kultur- und Kontrollbereich einen Namen machte. Der Versuch, einen aussichtsreichen Listenplatz für die Nationalratswahl 2006 zu erlangen, scheiterte allerdings.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Kultursprecherin der Grünen, Marie Ringler sagt Adieu
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen