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Kroaten hofften vergeblich auf Tickets

Es war heiß und entsprechend kochten auch die Gemüter jener rund 400 Kroaten über, die am Donnerstagvormittag hofften, Tickets für das Viertelfinale gegen die Türkei zu ergattern.  | Kroaten werden aus Türken nicht schlau

Vier Karten pro Person würden bei einem Container beim Wiener Volkstheater ausgegeben, hieß es, manche hatten deswegen seit Mitternacht ausgeharrt. Entsprechend groß war die Enttäuschung, als es klar wurde, das nur diejenigen Karten bekommen würden, die diese schon vorbestellt hatten.

Je 6.000 Karten für Türken (am Messegelände) und Kroaten (im Weghuber Park) könnten am Donnerstag und Freitag abgeholt werden. Diese wurden von den Verbänden bereits zugeteilt und würden nur gegen Vorlage der entsprechenden Voucher abgegeben. So die offizielle Information der UEFA.

Doch unter den kroatischen Fans hatte sich das Gerücht verbreitet, es stünden Karten frei zum Verkauf, vier pro Besitzer eines kroatischen Passes. Ein heimischer Polizist berichtete, diese Information wäre auch über das kroatische Konsulat und auf der Homepage dessen Fußballverbandes verbreitet worden. Im Internet war tatsächlich eine irreführende Darstellung zu lesen.

Auch der 37-jährige Nedo, der extra aus Sisak angereist war, hatte mit einem Freund zehn Stunden an den Absperrgittern ausgeharrt und bis zuletzt gehofft. Am Sieg über die Türkei gab es keine Zweifel. Ebenso wenig bei Anton, der aus der Umgebung Wiens gekommen war, um vier Karten zu ergattern: 3:1 lautete sein Tipp. Sein Namensvetter aus Split glaubte auch an die Chance, erstmals bei einem Match live dabei zu sein.

Zur angekündigten Zeit – um 10.00 Uhr – war von einem Verkauf nichts zu sehen, dafür umso mehr von Security und das Polizeiaufgebot wurde laufend verstärkt, da man befürchtete, dass die Situation eskalieren könnte. So ließ man die Fans vorerst in der prallen Sonne braten. Bierdosen, die vereinzelt durchgegeben wurden, konnten zwar den Durst löschen, aber nicht die Frustration dämpfen, als per Lautsprecher die bittere Wahrheit verkündet wurde.

Ein Pfeifkonzert, Sprechchöre und wüste Flüche waren die Reaktion. Heftige, aber fruchtlose Diskussionen mit den Polizisten, Kopfschütteln und pure Verzweiflung ließen einige Zeit Ausschreitungen befürchten. Doch die Kroaten zeichneten sich letztlich wieder als vorbildliche Fans aus, schluckten ihre Enttäuschung sowie Verbitterung hinunter und machten sich langsam aus dem Staub.

Zwischen den abziehenden Fans schlängelnde sich Carina durch, der einen der begehrten Voucher schwenkte. Der 63-Jährige gehört zu einer 20-köpfigen Fangruppe aus Zagreb, die zu allen Spielen der Nationalmannschaft anreist. Den Gutschein für das Spiel gegen die Türkei habe man um den 12. Juni bekommen – und man werde die weiteren Matches ebenso live sehen wie die bisherigen in Wien und Klagenfurt. Wie weit die Kroaten kommen, hängt laut Carina vom Gegner ab: Sollte sich Deutschland durchsetzen, sieht er gute Chancen, weiter zu kommen. Doch gegen Portugal wäre wohl Endstation.

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