Kritik: Diesel ist dem VCÖ in Österreich zu billig

Der Verkehrsclub wertete die EU-Zahlen zu Nachbarländern aus.
Der Verkehrsclub wertete die EU-Zahlen zu Nachbarländern aus. ©bilderbox.com (Sujet)
Laut VCÖ kostet Diesel in Österreich angesichts der Klimakrise deutlich zu wenig. Der Preis für einen Liter des Treibstoffs sei in allen Nachbarländern höher.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hält die Spritpreise in Österreich für zu günstig. Das führe zu unnötigem Transitverkehr und schade dem Klima, so die Kritik. “Als die Spritpreise höher waren, wurden mehr Fahrgemeinschaften gebildet, es stiegen mehr auf öffentliche Verkehrsmittel oder bei kürzeren Distanzen auf das Fahrrad um”, sagte VCÖ-Experte Markus Gansterer am Donnerstag in einer Aussendung.

VCÖ hält Spritpreise in Österreich für zu günstig

Ein Liter Diesel sei heute um 26 Cent billiger als beim Höchststand im September 2012, bei Eurosuper seien es 33 Cent, rechnete die Verkehrsorganisation vor. Der VCÖ wertete Zahlen der EU-Kommission aus, demnach kostet ein Liter Eurosuper in der Slowakei neun Cent mehr als in Österreich, in Deutschland 14 Cent mehr, in der Schweiz umgerechnet 15 Cent mehr und in Italien sogar 34 Cent mehr.

Der Preis für Diesel sei in allen Nachbarländern höher, in Italien um 29 Cent pro Liter und in der Schweiz um 31 Cent pro Liter. Selbst in Staaten mit deutlich niedrigerem Lohnniveau, wie Tschechien, Slowakei und Ungarn, sei für Diesel mehr zu zahlen als in Österreich.

In Österreich wird Diesel geringer besteuert als Benzin. Der VCÖ fordert, dass das Steuersystem auf die Klimakrise reagiert. “Dass Österreich den Lkw-Transit mit billigem Diesel belohnt, löst zu Recht bei vielen Kopfschütteln aus”, kritisiert Gansterer.

Ein Drittel der Tankstellen bereits ohne Personal

Wer in Österreich Sprit kauft, muss zunehmend auf das Plaudern mit dem Tankwart verzichten. Über ein Drittel der öffentlich zugänglichen Stationen sind inzwischen reine Automatentankstellen (956 von 2.699), teilte der Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) mit. Dafür hat das Angebot an Tankstellen insgesamt wieder leicht zugenommen.

Vor der Finanzkrise von 2008 gab es in Österreich über 2.800 Tankstellen, 2012 waren es nur mehr gut 2.500. Seither gibt es aber wieder einen kontinuierlichen Anstieg auf jetzt wieder fast 2.700. 72 davon waren an Autobahnen in Betrieb, 48 boten auch E-Autos eine Lademöglichkeit. Was wenig erscheint, bedeutet doch einen Sprung nach oben, denn Ende 2017 boten erst 29 Standorte Stromtanken an. Erstmals waren damit 2018 sämtliche Bundesländer abgedeckt.

Der FVMI unterscheidet zwischen Tankstellen seiner Mitglieder (BP, Eni, JET, OMV mit Avanti, Shell), auf die etwa die Hälfte des Angebots entfällt, und allen anderen. Die Tankstellen der FVMI-Mitglieder haben über die letzten zehn Jahre deutlich abgenommen, dafür haben die anderen Unternehmen zugelegt. 2018 gab es allerdings entgegen dem Trend auch bei den FVMI-Mitgliedern wieder einen Anstieg bei den Tankstellen.

(APA/Red)

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