Krankenhauskeime: Hygiene darf nicht unterschätzt werden

Hygienemaßnahmen sind essenziell gegen Krankenhauskeime.
Hygienemaßnahmen sind essenziell gegen Krankenhauskeime. ©pixabay.com (Sujet)
Die Umsetzung von Hygienemaßnahmen sind essenziell gegen Krankenhauskeime. Experten fordern eine verbindliche, einheitliche Umsetzung der Hygienestandards.

Die verbindliche, bundesweit einheitliche Umsetzung von Hygienestandards fordern Experten zur Vermeidung von Infektionen mit Krankenhauskeimen (nosokomiale Infektionen). Eine konsequent und richtig durchgeführte Händehygiene sei dafür eines der wichtigsten Elemente, betonte Elke Poßegger von der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Jährlich 95.000 Infektionen während Spitalaufenthalt

Nach Angaben der ÖGKH kommt es in Österreich jedes Jahr bei 95.000 Patienten während eines Spitalaufenthaltes zu einer Infektion mit solchen Bakterien. Davon sei jede fünfte Infektion schwer, sagte ÖGKH-Präsident Ojan Assadian. Bis zu 5.000 Menschen sterben jährlich an diesen nosokomialen Infektionen. Häufig weisen die Erreger zudem eine Antibiotikaresistenz auf und seien nicht mehr angemessen behandelbar. Dagegen helfen würden die Umsetzung von Hygienerichtlinien und die korrekte Verwendung von Antibiotika, so Assadian.

"Das Instrumentarium ist vorhanden, wir brauchen keine neuen Gesetze. Aber eine Verordnung des Sozialministeriums, dass die Qualitätsstandards auch verpflichtend umgesetzt werden", appellierte auch der niederösterreichische PatientInnen- und Pflegeanwalt Gerald Bachinger an die zukünftige Regierung. Bei den aktuellen Verhandlungen seien Gesundheitsthemen allerdings sehr unterbelichtet, kritisierte er. "Neben all den Studien und Zahlen sind es immer noch Menschen, die betroffen sind."

Rechtsposition der Patienten eher schlecht

Wichtig sei in diesem Zusammenhang eine Stärkung der Rechtsposition der Patienten. Diese stünden derzeit recht hilflos da, wenn sie geschädigt aus dem Krankenhaus kommen, denn sie müssten die Beweislast tragen, erklärte Bachinger. Hier seien das Recht und das Sozialministerium gefordert. Weiters sei eine Mitfinanzierung der Patienten-Entschädigungsfonds durch die Krankenhausträger wünschenswert. Außerdem sei eine "innere und äußere" Transparenzoffensive zur Information der Bürger notwendig. Diese müssen etwa darüber aufgeklärt werden, wo es welche Anzahl an Keiminfektionsfällen gibt.

Hygiene darf nicht unterschätzt werden

Viele nosokomiale Infektionen wären mit der Umsetzung der Hygiene-Qualitätsstandards - darunter richtige Händedesinfektion und Flächendesinfektion in medizinischen Einrichtungen - im Grunde leicht zu vermeiden. "Bei einer um 20 Prozent verbesserten Händehygiene kommt es zu einer Reduktion von 50 Prozent bei der Übertragung von Keimen", zitierte Assadian eine britische Studie zum Thema. Aber: Jede zweite Händedesinfektion wird in Österreich unterlassen, kritisierte Bachinger. Es gibt derzeit in Österreich zwar Standards und Empfehlungen, aber davon ist nichts verpflichtend - eine fehlende Umsetzung wird nicht exekutiert, bemängeln die Experten.

Dabei sei eine Umsetzung der Maßnahmen auch ökonomisch sinnvoll: "Ein Händedesinfektion kostet pro Person ein bis zwei Cent", rechnete Gabriele Jaksch von der Plattform Patientensicherheit vor. Große Ausgaben fließen hingegen ins Gesundheitssystem zur Behebung der durch die vermeidbaren Infektionen entstandenen Schäden, sagte Bachinger. Jaksch bekräftigte zudem die Forderung nach einem biomedizinischen Analytiker für jedes Hygiene-Team, hob aber auch die Eigenverantwortung des Gesundheitspersonals hervor.

Image der Hygienefachkräfte in Österreich schlecht

Zielführend im Kampf gegen Krankenhauskeime sei die Bündelung der verschiedenen Hygienemaßnahmen von einem professionellen Team, sind die Experten einig. Leider sei das Image der Hygienefachkräfte in Österreich aber schlecht. "Es geht darum klarzumachen, die Hygieneprofession als wichtig und wertschätzend anzusehen", sagte Poßegger, "im Sinne von Patientensicherheit und Arbeitnehmerschutz".

(APA/Red)

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