Kraftvolles Wien-Konzert von Korn

Die Wut ist zurück: Die US-Band Korn verwandelte das Gasometer am Sonntag in gewohnter Manier in ein Tollhaus.
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Korn galten als abgeschrieben. Selbst hartgesottene Fans wollten nach zwei mutig experimentellen, aber über weite Strecken uninspirierten Alben kaum noch an eine Rückkehr zur alten Form glauben. Aber das aktuelle Album “Korn III – Remember Who You Are” war bereits ein gutes Omen und das Konzert der US-Formation, Mitbegründer der mittlerweile abgeflauten Nu-Metal-Welle, am Sonntagabend in Wien ein weiteres kraftvolles Lebenszeichen: Die Wut ist zurück, die Halle im Gasometer verwandelte sich in ein Tollhaus.

Korn haben sich auf ihre Stärke besonnen und aufgesetzte Sounds wie Bühnenposen weggelassen. Mit weniger Gastmusikern als auf der “Bitch We Have A Problem Tour” 2008 und vor allem ohne Bodyguards, die vor zwei Jahren grimmig von der Bühne geblickt hatten, wirkte die US-Formation kompakt, glaubwürdig und sehr dynamisch, brachial fast wie Slayer und mit spürbarer Spielfreude. Die Gründungsmitglieder Jonathan Davis, mehr Shouter als Sänger, “Rhythmus-Maschine” Reginald “Fieldy” Arvizu (beide in Adidas-Outfits) und der – egal ob stehend oder am Boden mit seinem Instrument kugelnd – stets coole Gitarrist James “Munky” Shaffer schienen die Töne aus ihren zuckenden Körpern zu schleudern.

Gekonnte Aggression

Mit einem zweiten Gitarristen, einem Keyboarder, der die richtige Dosis an elektronischen Klängen beisteuerte, und einem ausgezeichneten Drummer hatte das Trio perfekte Unterstützung. Der Opener “4U” gab die Richtung vor: aggressiv, aber nicht geholzt. Auf Selbstfindungstrips wurde verzichtet, Korn brachten eine funktionierende Setlist mit ihren Klassikern wie “Freak On A Leash” und “Blind” mit, zwischen die sich neue Stücke (etwa “Pop A Pill” und “Let The Guilt Go”) nahtlos einfügten. In die erste Zugabe “Shoots & Ladders” integrierte die Gruppe Metallicas “One”. Nun gilt es zu beweisen, ob der Rückzieher zum ureigenen Sound auch nach dieser Tournee Zukunft hat.

Im direkten Vergleich mit Korn wirkten Dimmu Borgir im Vorprogramm wie ein Kinderfasching. Gehabe und Stil der norwegischen Metalband im Outfit einer marodierenden Oger-Horde machten einen aufgesetzten Eindruck, die Ankündigung des Grunzers am Mikro – “we are here to take your fucking soul apart” – verhallte in der überzuckerten Mischung aus harten Klängen und bombastischen Keyboards.

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