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Kräftige Gehaltsforderung: Metaller wollen fünf Prozent mehr Lohn

Von den Arbeitnehmervertreten wird eine Lohnerhöhung von 5 Prozent gefordert.
Von den Arbeitnehmervertreten wird eine Lohnerhöhung von 5 Prozent gefordert. ©APA/ROBERT JAEGER
Am Donnerstag starteten die KV-Verhandlungen der Metaller mit einer kräftigen Gehaltsforderung nach fünf Prozent mehr Lohn. "Wir wissen das ist eine stolze Forderung, aber diese kommt von stolzen Arbeitnehmern", so PRO-GE-Chef Rainer Wimmer.

Die KV-Verhandlungen der Metaller sind am Donnerstag mit einer kräftigen Gehaltsforderung der Gewerkschaften an die Metallindustrie losgegangen. Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) fordern von den Arbeitgebervertreten eine Lohnerhöhung von 5 Prozent sowohl für die Mindestlöhne wie auch die Ist-Löhne bzw. -gehälter oder mindestens 100 Euro mehr.

Metaller-KV: Arbeitnehmer fordern fünf Prozent mehr Lohn/Gehalt

“Wir wissen das ist eine stolze Forderung, aber diese kommt von stolzen Arbeitnehmern. Wir treten sehr selbstbewusst in die Verhandlungen”, sagte PRO-GE-Chef Rainer Wimmer, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) nach der Übergabe der Forderungen an die Arbeitgeberseite in der Wirtschaftskammer. Die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe würde mit einem Lohn-/Gehaltsplus von 5 Prozent nicht gefährdet. Man befinde sich “in der besten wirtschaftlichen Lage seit der Krise, seit zehn Jahren”.

Es gehe darum, Maßnahmen der Bundesregierung abzufedern, so Wimmer wegen der neuen Arbeitszeitregeln. “Wir müssen Sorge tragen, dass die Menschen nicht zu Zwölfstundentagen gezwungen werden können. Also treten wir für höhere Überstundenzuschläge als bisher ein. Es ist gerechtfertigt, dass wenn man länger als 10 Stunden arbeite, einen Zuschlag von 100 Prozent bekommt”, so Wimmer. Die Forderungen seien gerechtfertigt, betonte auch der Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), Karl Dürtscher.

Die Forderungen der Arbeitnehmer im Detail

Das Forderungsprogramm der Arbeitnehmervertreter umfasst nicht nur die Erhöhung der Mindestlöhne und -gehälter um 5 Prozent oder mindestens 100 Euro mehr. Besonders berücksichtigt werden müssten die Bezieher niedriger Einkommen. Es gehe vor allem nach der Umsetzung des neuen Arbeitszeitgesetzes – Stichwort: Zwölfstundentag – aber auch um einen “Interessensausgleich”, so die Gewerkschaftsseite.

Demnach soll für die Arbeit nach der neunten Arbeitsstunde – auch für Mitarbeiter mit Gleitzeitvereinbarungen – an einem Wochentag ein Zuschlag von mindestens 75 Prozent gewährt werden. Für Arbeit nach der 10. Arbeitsstunde an einem Wochentag gebühre ein Zuschlag von mindestens 100 Prozent und eine auf die zulässige Arbeitszeit anzurechnende bezahlte Pause von 15 Minuten.

Bei allen Überstunden sollen die Arbeitnehmer entscheiden können, ob diese in Freizeit oder Geld abgegolten werden. Ebenso auf Wunsch sollen Schicht- und Nachtarbeitszulagen in Form von zusätzlicher Freizeit verbraucht werden können.

Für den Verbrauch erworbener Zeitguthaben soll es gesicherte Antrittsrechte geben, um längere Freizeitblöcke und die Viertagewoche zu erreichen. Werden Zuschläge in Geld ausbezahlt, könne jeder selbst entscheiden, wann und wofür er das Geld vewendet. Bei Zeitzuschlägen sei das bisher nicht der Fall – etwa, wann der Arbeitnehmer zusätzliche Freizeit konsumiert oder ob er sich für eine Viertagewoche entscheidet.

Zudem geht es der PRO-GE und der GPA-djp darum, dass es künftig eine klare, rechtssichere, branchen- und praxisgerechte Gewährleistung des Freiwilligkeitsprinzips bei Überstunden geben soll.

Ebenso gefordert wird eine Verkürzung der kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit, vor allem für Mitarbeiter mit “besonders belastender” Arbeit. Auch eine Mindestabgeltung für Rufbereitschaften soll kollektivvertraglich festgelegt werden.

Nicht zuletzt soll auch die sechste Urlaubswoche leichter erreicht werden. Nach 25 Jahren soll es die sechste Woche auch geben, wenn der Arbeitnehmer nicht durchwegs dem gleichen Betrieb angehört hat.

Die Zulagen und Aufwandsentschädigungen sollen im Ausmaß der Erhöhung der Mindestlöhne und -gehälter erfolgen. Zulagen für Schicht- und Nachtarbeit hingegen sollen “wesentlich stärker erhöht werden”.

Die Lehrlingsentschädigungen sollen fürs erste Lehrjahr von 619 auf 700 Euro, fürs zweite Lehrjahr von 830 auf 900 Euro, fürs dritte Lehrjahr von 1.124 auf 1.200 und fürs vierte Lehrjahr von 1.520 auf 1.600 Euro erhöht werden.

Die Gewerkschaften wollen auch die Aufrechterhaltung der Vertragsgemeinschaft aller fünf Fachverbände. Neben der Metalltechnischen Industrie sind das die Metaller-Sparten Bergbau-Stahl, Fahrzeugindustrie, Gießereiindustrie (Verhandlungen gemeinsam mit Metalltechnischer Industrie), Nichteisen-Metallindustrie sowie Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen. Die einzelnen Arbeitgeberverbände der Metallindustrie verhandeln seit 2012 zwar in getrennten Runden mit den Gewerkschaften den KV Metallindustrie, der einheitliche KV soll aber wie in den Jahren zuvor weiter bestehen bleiben.

Arbeitgeber können Forderung “nicht nachvollziehen”

Die Arbeitgeberseite hat die Forderung nach einem Lohn- bzw. Gehaltsplus von 5 Prozent seitens der Arbeitnehmer als “nicht nachvollziehbar” bezeichnet. “Wir bekennen uns zu einem fairen Abschluss. Aber wir sind der falsche Adressat, wenn die Gewerkschaft mit der Bundesregierung unzufrieden ist”, sagte Christian Knill, Obmann und Sprecher des Fachverbands Metalltechnische Industrie in der WKÖ.

Selbst wollte Knill heute, Donnerstag, auf Nachfrage keine Prozentzahl nennen, in deren Höhe die Löhne und Gehälter für die Metaller steigen könnten. Er sprach davon, dass die Arbeitgeber gerne einen “KV 4.0” verhandeln wollten. Ein solcher könnte auch über mehrere Jahre gehen oder zumindest mehr als zwölf Monate umfassen, solle “fair und transparent”, “einfach”, “planbar” und nicht zuletzt wegen der Digitalisierung “zukunftsorientiert” sein. Die Planbarkeit für die Unternehmen sei besonders wichtig, so Knill.

Im Zusammenhang mit der 5-Prozent-Forderung der Gewerkschaften sei auch zu berücksichtigen, dass ein Fünftel der Betriebe in der Metalltechnischen Industrie Verluste schrieben und diese auch zu berücksichtigen seien. Zudem kühle sich die wirtschaftliche Lage ab, der Höhepunkt sei bereits überschritten. Knill betonte auch, dass “der Personalkostenanteil in unserer Branche bei rund 25 Prozent liegt”.

Arbeitgeber stoßen sich an jährlicher Diskussion über Grundlagen

Die Arbeitgeber stoßen sich Knill zufolge daran, jedes Jahr über die Daten diskutieren zu müssen, die als Grundlage für die Verhandlungen herangezogen werden. So sei für die Metalltechnische Industrie beispielsweise die gesamtwirtschaftliche Produktivitätssteigerung (heuer plus 1,4 Prozent, kommendes Jahr plus 1,1 Prozent) wichtig, nicht nur jene der Branche. “Wir versuchen, auf eine seriöse gemeinsame Datenbasis zu kommen und dann einen fairen und vernünftigen Abschluss zu schaffen”, sagte Knill vor Journalisten nach der Forderungsübergabe durch die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp in der Wirtschaftskammer in Wien-Wieden. Die Gewerkschaften sprechen von 2,1 Prozent Inflation, die WKÖ von rund 2 Prozent.

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Zu den geforderten Überstundenzuschlägen von 100 Prozent ab der elften Arbeitsstunde sagte Knill auf Nachfrage, man müsse noch “erörtern, was damit gemeint ist”.

Grundsätzlich sei die Ausgangsbasis für die heurigen Verhandlungen “nicht ganz so leicht. Es wurde viel in den Wald gerufen, was uns schon sehr überrascht hat. Auch Unwahrheiten wurden verbreitet. Außerdem ist es eine mutige Aussage der Gewerkschaft, zu sagen, man sehe keine Verantwortung mehr für die Gesamtwirtschaft”, kritisierte der Wirtschaftskammer-Vertreter.

(APA/Red)

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