Korruption im Marktamt

Die Berufslaufbahn eines Prüfers des Wiener Marktamts dürfte am Donnerstag im Straflandesgericht ihr Ende gefunden haben. Der 54-Jährige war auf Lachs, Kaviar und Jumbo-Garnelen „ausgerutscht“, mit denen er sich jahrelang beschenken hatte lassen.

Im Gegenzug sicherte er den betroffenen „Nordsee“-Filialen zu, keine Beanstandungen vorzunehmen. Das Urteil – drei Monate bedingte Haft wegen Geschenkannahme durch Beamte – ist rechtskräftig.

Das Gericht bescheinigte dem Mann „besondere Rücksichtslosigkeit“ und „Unverfrorenheit“: Demnach war es üblich, dass er regelmäßig zur Essenszeit in den Filialen erschien und Speis und Trank verzehrte, ohne dafür zu bezahlen. Mit Vorliebe verschlang er Kaviar und Lachs.

Der Prüfer habe sich „wie selbstverständlich hingesetzt“, schilderte eine Angestellte. Als sie später zur Filialleiterin aufstieg, habe er ihr zugezwinkert, sie geduzt und gefragt, wann sie denn frische Ware erwarte. Er werde dann vorbei schauen und Proben ziehen. Für sein Entgegenkommen verlangte der Beamte „einen Sack Jumbo-Garnelen oder Lachs.“

Ruchbar wurde das Ganze, weil bei „Nordsee“ bemerkt wurde, dass in den betroffenen Filialen ein nicht erklärbarer Engpass bei den Jumbo-Garnelen und anderen, teuren Speisen auftrat. Die Rechtsabteilung ging diesem Problem nach und stolperte über den Prüfer, der sich nun vor Gericht völlig schulduneinsichtig zeigte und von Verleumdungen sprach. Er räumte ein, hie und da ein Brötchen und ein Gratis-Getränk genommen zu haben. Das sei allerdings „normal“.

Kommentar des Staatsanwalts: „Wenn das in dieser Stadt und in diesem Land normal sein sollte, widert mich das an.“

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