Korridorzüge bringen Pflegerinnen von Rumänien nach Österreich

33.000 Personen sind in Österreich auf 24-Stunden-Pflege angewiesen.
33.000 Personen sind in Österreich auf 24-Stunden-Pflege angewiesen. ©APA/BARBARA GINDL
Ab Mai stellt Österreich Korridorzüge für 24-Stunden-Betreuerinnen aus Rumänien zur Verfügung. Bei Bedarf sind drei Züge pro Woche denkbar. In Österreich sind 33.000 Personen auf 24-Stunden-Betreuung angewiesen.

Ab Mai können rumänische 24-Stunden-Personenbetreuer per Korridorzug durch Ungarn zu ihren pflegebedürftigen Klienten nach Österreich reisen bzw. zurück in ihre Heimat. Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) verkündete am Donnerstag diese gemeinsam mit Ungarn und Rumänien ausgehandelte Lösung. Auch die Ausreisebeschränkungen für 24-Stunden-Betreuerinnen aus Rumänien wurden gelockert.

Bisher war eine Einreise von Rumänien aus nach Österreich aufgrund der strengen Grenzregelungen in Ungarn nur per Flugzeug möglich. Außerdem galten für Arbeitskräfte aus dem medizinischen sowie sozialen Bereich Ausreisebeschränkungen aus Rumänien, die nun gelockert wurden, so das Ministerium.

Zu viert im 6er-Liegewagen

Die ÖBB werden nun - im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich - ab 2. Mai Sonderzüge nach und von Rumänien anbieten. Die Fahrgäste werden zu maximal viert in 6er-Liegewagen untergebracht sein, womit der nötige Sicherheitsabstand gut einzuhalten sein soll. Und die Reisenden müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen, hieß es aus dem Büro Edtstadlers. Zielort des Sonderzuges, der ohne Zwischenstopp fährt, wird im rumänischen Timisoara sein.

Die Züge können durch die jeweiligen Organisationen in Österreich gechartert werden, etwa durch die Bundesländer, die Kammern oder die Vermittlungsagenturen für PersonenbetreuerInnen. Die Auftraggeber kommen auch für die Reisekosten auf. Einzeltickets werden für die Fahrten nicht verkauft. Verkehren wird der Zug wöchentlich. Vorerst weiterhin gilt die Verpflichtung für Einreisende aus Rumänien, nach ihrer Ankunft in Österreich entweder eine 14-tägige Quarantäne anzutreten oder einen Corona-Test durchführen zu lassen (PCR-Test).

Drei Züge pro Woche denkbar

"Es freut mich, dass wir trotz Grenzschließungen eine gemeinsame Korridorlösung für Arbeitskräfte aus Rumänien erarbeiten konnten und dass so bereits Anfang Mai erste Pflegekräfte per Nachtzug nach Österreich reisen können", zeigt sich Edtstadler in einer Stellungnahme gegenüber der APA erfreut. Ihren Dank für die Umsetzung richtete sie Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Infrastruktur-Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP) wie auch den ÖBB und der WKÖ aus - "sowie unseren europäischen Partnern Ungarn und Rumänien, die diese Lösung trotz strengen Ein- und Ausreisebestimmungen ermöglicht haben".

Gewessler wies darauf hin, dass die Bahn-Lösung die Einhaltung gesundheitlicher Empfehlungen ermögliche und das noch dazu "klimafreundlich". Brunner betonte, bei Bedarf könne das Angebot angepasst werden, das Ministerium sei dazu "in ständigem Austausch mit den zuständigen Kammern" - bei entsprechender Auslastung ist eine Aufstockung auf drei Züge pro Woche denkbar.

33.000 Personen auf Betreuung angewiesen

Die ÖBB könne "gemeinsam mit unseren ungarischen und rumänischen Partnern MAV & CFR" einen Pendelverkehr zwischen Österreich und Rumänien "über mehrere Wochen hinweg" anbieten, sagte Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä. Erfreut zeigte sich auch Andreas Herz, Obmann des Fachverbandes der Personenbetreuung in der WKÖ: Das System der 24-Stunden-Betreuung werde durch die gefundene Lösung "wesentlich entlastet".

Insgesamt sind laut Edtstadler rund 33.000 Personen in Österreich auf die 24-Stunden-Betreuung angewiesen. Viele Pflegerinnen und Pfleger kommen aus Rumänien. Durch die derzeit bestehenden Restriktionen bei der Reisefreiheit hätten diese derzeit keine Möglichkeit, durch Kollegen abgewechselt zu werden.

Korridorzüge und Tests werden über Wirtschaftskammer gebucht

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) wird voraussichtlich schon ab Freitag eine Buchungsplattform für jene rumänischen 24-Stunden-Betreuer online stellen, die via Korridorzug durch Ungarn nach Österreich kommen wollen. Die Kosten für eine Zugfahrt inklusive Test in einem Wiener Hotel plus Aufenthalt für diese Zeit werden bei circa 230 Euro liegen, so die WKÖ auf APA-Anfrage.

Alle Informationen dazu werden auf der WKÖ-Webseite https://www.daheimbetreut.at gesammelt abrufbar sein. Die Wirtschaftskammer garantiert, dass die Züge fahren, derzeit ist der 2. Mai als erstes Datum fix, die Uhrzeit werde noch geklärt. "Die Buchung wird morgen möglich sein", hieß es am Donnerstag seitens der WKÖ zur APA.

Für jene Pflegebedürftigen, deren 24-Stunden-Betreuungskräfte über eine Agentur vermittelt werden, ist die Agentur für die Buchung bei der WKÖ zuständig. In Fällen ohne Vermittlungsagentur können die Klienten oder die betroffenen Personenbetreuer selbst buchen. Auch die Buchungsplattform wird über die WKÖ-Webseite erreichbar sein. Alternativ soll auch eine Hotline und eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet werden, Details dazu folgen in den kommenden Tagen.

Zu den Kosten hieß es seitens der WKÖ, dass das Angebot einen Mischpreis vorsehen wird. Bei den Tickets nach Österreich (um ca. 230 Euro) ist die Zugfahrt sowie eine Corona-Testung (CPR-Test) enthalten. Dieser wird in einem Hotel in Wien-Schwechat durchgeführt; sobald das Ergebnis vorliegt, können die Kräfte dann zu ihrer betreuten Person weiterreisen. Die Dauer dafür wird einen Tage betragen. Auch dieser Aufenthalt (inkl. Verpflegung) ist im Preis enthalten.

Betreuer werden über Agentur oder Klienten über Prozedere informiert

All jene rumänischen Personenbetreuer, die ihren Turnus in Österreich beenden, können mit dem Zug in ihre Heimat zurückfahren. Der Preis wird hier pro Person bei zirka 50 Euro liegen, so die WKÖ. In der Wirtschaftskammer empfiehlt man den betroffenen Betreuungsbedürftigen (an die die Kosten ja weitergereicht werden), bei den Ländern dann um Förderungen anzusuchen. In der Steiermark etwa wurde bereits kundgetan, dass das Land die Kosten für die Tests der einreisenden Betreuungskräfte übernehmen wird.

Die Personenbetreuer, die sich derzeit in Rumänien aufhalten und nach Österreich kommen wollen, werden über ihre Klienten direkt oder die Agenturen über das Prozedere informiert, so die WKÖ. Derzeit habe man rund 1.500 Anmeldungen von Vermittlungsagenturen für die Fahrten, hieß es seitens der Kammer.

Erfreut über die Schaffung der Korridorzüge zeigte sich ÖVP-Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec: Dies sei "ein großer Schritt, um die Betreuung sicherzustellen". Rumäninnen würden rund 46 Prozent der mehr als 60.000 ausländischen 24-Stunden-Betreuerinnen ausmachen, sagte sie in einer Aussendung.

(APA/red)

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