Kopten-Demo gegen Gewalt mit Kardinal Schönborn

Kardinal Schönborn bei Kopten-Demo in Wien.
Kardinal Schönborn bei Kopten-Demo in Wien. ©APA
Kardinal Christoph Schönborn und der koptische Bischof in Österreich, Anba Gabriel, werden am 21. Oktober, laut Kathpress gemeinsam gegen die Unterdrückung der Kopten in Ägypten demonstrieren.

Sie stehen an der Spitze einer Kundgebung, die um 15 Uhr vor der Wiener Oper beginnt. Die Demonstration führt zum Stephansdom, wo ein abschließendes Trauergebet stattfinden wird. Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich hat alle Christen aufgerufen, Solidarität mit den Kopten zu zeigen und an der Demonstration teilzunehmen.

Kopten-Demo in Wien

Aktueller Anlass sind die jüngsten blutigen Unruhen am 9. Oktober in Kairo, die mindestens 27 Kopten das Leben kosteten, mehr als 300 wurden verletzt. Laut staatlichen ägyptischen Medien wurden auch drei Soldaten getötet. Mehrere tausend Kopten hatten gegen die Zerstörung einer koptische Kirche in der Provinz Assuan durch radikale Muslime und gegen die koptenfeindliche Berichterstattung des staatlichen Fernsehens protestiert.

Vertreter der koptischen Kirche in Österreich forderten am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien von der ägyptischen Regierung die lückenlose Aufklärung des Massakers, die Verfolgung und Bestrafung der Täter, eine offizielle Entschuldigung des Militärs und Entschädigungen für Opfer und Angehörige.

Kardinal Schönborn bei Kopten-Demo

Bischof Gabriel kritisierte einmal mehr die massive und systematische Unterdrückung der Kopten in Ägypten. Nach dem Sturz des Mubarak-Regimes habe man große Hoffnung auf eine Besserung der Situation gehegt, doch diese habe sich in keinster Weise erfüllt, so Bischof Gabriel. Der Militärrat verfolge gegenüber den Kopten die gleiche Politik wie das frühere Regime.

Vonseiten der koptischen Vertreter wurde einmal mehr betont, dass die Demonstration am 9. Oktober in Kairo völlig friedlich begonnen hatte. Die Kopten seien unbewaffnet gewesen; von angeheuerten Schlägertrupps und dem Militär selbst sei dann die Gewalt ausgegangen. Dass das ägyptische Militär das Gegenteil behaupte, sei eine krasse Lüge, so die Vertreter. Die Kopten seien bewusst attackiert und getötet worden. Bisher seien 27 Opfer amtlich. Sieben davon wurden erschossen, 14 von gepanzerten Fahrzeugen überfahren und die anderen erstochen. Die Dunkelziffer der Toten dürfte aber noch höher liegen, denn laut den koptischen Vertretern in Wien wurden einige Leichen unmittelbar nach den Ausschreitungen in den Nil geworfen.

Scharf gingen die Kopten-Vertreter mit den staatlichen ägyptischen Medien ins Gericht, die wesentlich zur Aufhetzung der muslimischen Bevölkerung gegen die Kopten beitragen würden und falsch informierten. Zu allem Überdruss sei die unrichtige staatliche Berichterstattung über das Massaker in Kairo dann auch noch von westlichen Medien unhinterfragt übernommen worden.

Angesichts der massiven Unterdrückung in Ägypten ortete Bischof Gabriel auch Missstände im österreichischen Asylwesen. So würden Dolmetscher bei den heimischen Asylverfahren nicht korrekt übersetzen und Kopten deswegen kein Asyl bekommen. Hier herrsche dringender Verbesserungsbedarf, forderte der koptische Bischof. 100.000 christliche Kopten hätten in diesem Jahr bereits Ägypten verlassen, weitere 250.000 könnten ihrem Beispiel bis Jahresende noch folgen, sagte der Bischof. Die westlichen Staaten und damit auch Österreich seien aufgefordert, diesen Menschen zu helfen.

Freie Wahlen in Ägypten?

Bischof Gabriel dankte einerseits Außenminister Michael Spindelegger (V) für seine klaren Worte gegen das Massaker in Kairo. Zugleich appellierte Gabriel an die österreichische Regierung, sich noch viel stärker als bisher für einen Umschwung in Ägypten einzusetzen.

Dass es im November in Ägypten tatsächlich zu fairen demokratischen Wahlen kommen wird, wollte kein Vertreter der Kopten in Wien glauben. Das Militär werde die Macht sicher nicht abgeben, so der einhellige Tenor.

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