Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Kopftuchverbot an Schulen: "Verhüllungszwang geht nicht weg"

Das Kopftuchverbot stellt für die Theologin keine Lösung dar.
Das Kopftuchverbot stellt für die Theologin keine Lösung dar. ©AP (Sujet)
Die Theologin Andrea Lehner-Hartmann von der Uni Wien warnt davor, dass das Kopftuchverbot an Schulen den Verhüllungszwang der Mädchen nicht lösen werde.

Das von der Regierung geplante Kopftuchverbot an den Volksschulen birgt die Gefahr, dass betroffene Mädchen von öffentlichen an Privatschulen abwandern und damit erst Recht keinen Zugang mehr zu anderen kulturellen Vorstellungen haben, warnt Theologin Andrea Lehner-Hartmann von der Uni Wien. “Der Zwang ist dann einzementiert”, sagt sie vor einer Konferenz zum Thema am Samstag in Wien.

Theologin warnt vor Kopftuchverbot: “Zwang ist dann einzementiert”

Auch ein eventueller Druck auf die Mädchen, sich zu verhüllen, gehe durch ein Verbot nicht weg. “Dann gehen sie bis zur Schule mit dem Kopftuch und nehmen es davor ab”, so Lehner-Hartmann im Gespräch mit der APA im Vorfeld der Tagung “Verhüllungsverbot an österreichischen Volksschulen: Hintergründe, Risiken, Nutzen” an der Universität Wien. Die Mädchen würden dann genötigt, zwischen verschiedenen Welten zu wechseln.

Wenn Kinder von den Eltern, einer Religionsgemeinschaft oder ihrer Community zu etwas gezwungen werden, müsse man handeln, betont Lehner-Hartmann. “Doch hier will man gegen eine Fremdbestimmung vorgehen und antwortet mit Fremdbestimmung durch den Staat.” Die geplanten Strafen von bis zu 440 Euro findet sie dabei “absolut nicht adäquat”.

Gesellschaft radikalisiere sich

Aus Lehner-Hartmanns Sicht wäre ein Kopftuchverbot nicht nur keine Hilfe für Betroffene, von denen es zudem nur wenige Fälle gebe. “Es geht dabei um das Agieren gegen eine bestimmte Religion und dagegen verwehre ich mich. Welche Konsequenzen soll das haben als Radikalisierung, Parallelgesellschaften und Ausgrenzung?”

Selbst wenn die Intention der Einzelpersonen hinter dem Gesetz kein “Islambashing” sei, werde es von der Gesellschaft so aufgegriffen. “Anders kann ich mir das Bespucken von kopftuchtragenden Frauen nicht erklären, das im Zuge dieser Debatte erfolgt. Ich vermute, dass es manchen auch ganz recht ist, dass sich das in der Gesellschaft radikalisiert.”

Aufklärungsgespräche mit Eltern gefordert

Lehner-Hartmann plädiert für pädagogische Lösungen anstelle von Verboten. Man müsse mehr mit den Eltern reden, die ihren Töchtern bereits im Volksschulalter ein Kopftuch anlegen, und ihnen gegebenenfalls auch vermitteln, dass Zwang in der Erziehung – egal ob beim Kopftuch oder anderswo – in Österreich verboten ist.

Die Lehrer dürften hier allerdings nicht allein gelassen werden, betont Lehner-Hartmann. “Manchmal reicht ein aufklärendes Gespräch, beim nächsten braucht es vielleicht sozialarbeiterische Unterstützung in der gesamten Familie – und das können einzelne Lehrer natürlich nicht leisten. Aber zu meinen, das mit einem Verbot zu beheben, halte ich für blauäugig.”

Scharfe Kritik an “Islambashing”

Außerdem müsse man die Kinder darin bestärken, dass Zwang nicht zulässig ist und ihnen zeigen, dass es Ansprechpersonen für sie gibt, falls sie sich zu etwas gezwungen fühlen. “Das Wichtigste ist es, den Kindern zu zeigen, dass sie dazugehören, auch wenn sie eine andere Religion haben.” Auch bei den Eltern müsse man ein Gefühl von Zugehörigkeit und Anerkennung unabhängig von Religion, Hautfarbe und kulturellem Hintergrund bewirken. Erst auf dieser Basis könne man gemeinsam Konfliktfragen verhandeln, so die Theologin.

In Österreich passiere seit Jahren das Gegenteil: Es werde politisch Stimmung gemacht gegen Muslime, die das Gefühl bekämen, ohnehin keine Chance auf Zugehörigkeit zu haben. “Wer gibt denn den Jugendlichen eine Orientierung, wenn sie nur in einer Parallelgesellschaft aufwachsen können?”

Lehner-Hartmann für mehr Kontrollen

An islamisch-konfessionellen Volksschulen tragen laut Islamischer Glaubensgemeinschaft weniger als 15 Prozent der Mädchen Kopftuch. Dass Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren sich aus eigenem Antrieb für das Tragen des Kopftuchs entscheiden, glaubt auch Lehner-Hartmann nicht. Hier müsse der Staat “genau hinzuschauen, welche Ideologien von den Betreibern oder Religionslehrern mit dem Kopftuchtragen verbunden werden”.

Unabhängig von der Kopftuchfrage appelliert sie für stärkere staatliche Kontrollen an den Privatschulen – und zwar bei allen Konfessionen. “Man fragt sich immer wieder, wieso manche Schulen überhaupt aufsperren durften. Den Schulen gilt es durchaus auf die Finger zu schauen.” Dadurch könne man Schüler wesentlich besser schützen vor religiöser Indoktrinierung als mit “Symbolpolitik” wie dem Kopftuchverbot.

(APA/Red)

Fill 1Created with Sketch. zurück zur Startseite
  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Kopftuchverbot an Schulen: "Verhüllungszwang geht nicht weg"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen