Kopf-an-Kopf-Rennen bei Stichwahl in El Salvador

98 Prozent der Stimmen ausgezählt
98 Prozent der Stimmen ausgezählt
Angespannte Stimmung in El Salvador: Auch nach Auszählung aller Stimmen, wollte die Wahlkommission in El Salvador am Montag noch keinen Sieger bei den Präsidentschaftswahlen bekannt geben. Laut dem vorläufigen Ergebnis erhielt der Kandidat der regierenden Linken, Salvador Sanchez Ceren, 50,1 Prozent der Stimmen, sein rechter Gegenkandidat Norman Quijano 49,9 Prozent.


Ceren erklärte sich umgehend erneut zum Sieger, Quijano sprach allerdings von “Wahlfälschung”. Die Wahlkommission proklamierte ihrerseits noch keinen Sieger und ordnete eine Nachzählung per Hand an.

Die erste Runde der Wahl hatte der derzeitige Vize-Präsident Sanchez Ceren Anfang Februar mit 49 Prozent der Stimmen klar gewonnen. Der knappe Ausgang des zweiten Durchgangs am Sonntag kam deshalb als große Überraschung. In Meinungsumfragen hatte der Politiker der regierenden Linkspartei Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) klar in Führung gelegen. Der 69-Jährige ist ein ehemaliger Kommandant der einstigen Guerillaorganisation FMLN.

Der Linkspolitiker und ehemalige Minister erklärte sich vor tausend jubelnden Anhängern zum Sieger der Wahl. El Salvador müsse “den Willen des Volkes respektieren” rief er inmitten von Sprechchören wie “Ja, wir konnten!” und “Vereint wird das Volk niemals besiegt”.

Angesichts des äußerst knappen Vorsprungs von 6448 Stimmen bat der Vorsitzende der Wahlkommission die beiden Kontrahenten, sich nicht zu Wahlsiegern zu erklären. Sie sollten vielmehr das Ergebnis der manuellen Auszählung der Stimmzettel abwarten. Dieses wird für Mittwoch erwartet.

Der 67 Jahre alte Bürgermeister der Hauptstadt San Salvador, Quijano, warf der Regierung vor, zusammen mit den Wahlbehörden einen “Betrug” inszeniert zu haben. Der ehemalige Zahnarzt und glühende Antikommunist von der rechtsnationalen Arena-Partei fügte vor hunderten Unterstützern hinzu, “Schwindeleien” wie im links regierten Venezuela werde es in El Salvador nicht geben.

Quijano war in der ersten Runde mit rund 39 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz gelandet. Sowohl Sanchez Ceren als auch Quijano hatten im Wahlkampf versprochen, die in El Salvador grassierende Armut und Kriminalität zu bekämpfen. Quijanos Glaubwürdigkeit hatte gelitten, als bekannt wurde, dass sein politischer Berater, der ehemalige Arena-Staatschef Francisco Flores, während seiner Amtszeit von 1999 bis 2004 zehn Millionen Dollar von der taiwanischen Regierung erhalten haben soll. Der Verbleib des Geldes ist ungeklärt.

Zu den Wahlen waren 4,9 Millionen Menschen aufgerufen. Der als gemäßigt geltende FMLN-Amtsinhaber Mauricio Funes durfte gemäß der salvadorianischen Verfassung nicht wieder kandidieren. Der Journalist war 2009 zum Staatschef gewählt worden und hatte damit einer 20 Jahre währenden Arena-Herrschaft ein Ende gesetzt.

Sanchez Ceren versprach, die von der bisherigen Regierung ins Leben gerufenen Sozialprogramme fortzusetzen. Mit ihrer Hilfe konnte nach Angaben des UN-Entwicklungsprogramms UNDP die Armutsrate in dem zentralamerikanischen Land um sechs Prozentpunkte herabgesetzt werden. Es leben aber noch immer 40 Prozent der Bevölkerung in Armut.

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