Kongo: Über 200 Opfer

Die Besatzung der Maschine in Kongo hat sich offenbar über Warnungen hinweggesetzt und dadurch den Tod von möglicherweise über 200 Passagieren verschuldet.

Die Besatzung der Unglücksmaschine in der Demokratischen Republik Kongo hat sich offenbar über Warnungen von Technikern hinweggesetzt und dadurch den Tod von möglicherweise über 200 Passagieren verschuldet. Flugzeugmechaniker hätten Probleme bei der Ladeklappe bemerkt, sagte ein Vertreter des Militärs am Samstag in Kinshasa.

Dennoch habe sich die Besatzung für den Start entschieden. Als sich die Klappe während des Fluges am Donnerstag öffnete, seien möglicherweise mehr als 200 Menschen in den Tod gestürzt, sagte ein Vertreter des Flughafens in Kinshasa der Nachrichtenagentur AFP. Militärs hatten die Zahl der Toten zuvor mit 160 angegeben. In anderen Meldungen war von bis zu 130 Opfern die Rede.

Die Mechaniker, die für die von der Ukraine gecharterte Iljuschin 76 zuständig seien, hätten eine Stunde lang versucht, die Ladeklappe zu reparieren, sagte der Militär, der seinen Namen nicht nennen wollte. Da sich der Start dadurch bereits verzögert hatte, habe sich die Besatzung dennoch zum Abflug entschieden.

Auf halbem Weg von der Hauptstadt Kinshasa nach Lumbumbashi im Südosten des zentralafrikanischen Landes fiel die etwa zwei Meter mal zwei Meter große Ladeklappe auf und durch den entstehenden Sog wurden die Passagiere 2.000 Meter in die Tiefe gerissen. Die von Militärs genannte Zahl von 160 Toten sei zu niedrig gegriffen, sagte der Flughafenmitarbeiter.

Bei Truppentransporten wie diesem seien üblicherweise bis zu 300 Passagiere an Bord. Neben den etwa hundert Polizisten und ihren Familien seien vermutlich noch viele blinde Passagiere mitgenommen worden. Lediglich 23 bis 50 Passagiere hätten den Flug bisherigen Erkenntnissen zufolge überlebt.

Ein Militärsprecher sagte AFP, die genaue Opferzahl könne nicht geklärt werden, da die Zahl der Passagiere an Bord der Iljuschin nicht bekannt sei. Die Regierung in Kinshasa äußerte sich bis Sonntag nicht zu dem Unglück. Nachdem Informationsminister Kikaya bin Karubi am Freitag von lediglich sieben Toten gesprochen hatte, verwies sein Sprecher am Samstag auf das Militär, das eine offizielle Erklärung zu dem Vorfall herausgeben wolle. Die staatliche Zeitung „L’Avenir“ berichtete nicht über das Unglück.

Alle Überlebenden wurden am Wochenende in Militärkrankenhäuser verlegt. Drei von ihnen erklärten sich bereit, anonym von dem Unglück zu erzählen. „Außer ein paar Klappsitzen an der Bordwand gab es keine Sitze. Die Menschen drängten sich deshalb auf dem Boden“, sagte ein Überlebender. „Als die Klappe dann aufging, wurden die Leute zunächst nach rechts und dann nach links geschleudert und viele flogen durch das Loch.“ Er habe sich gerettet, indem er sich mit Armen und Beinen an das Netz klammerte, das Kisten mit Munition und Uniformen im Laderaum sicherte. Deshalb sei er nicht wie die anderen vom Sog in die Tiefe gerissen worden.

Eine junge Polizistin berichtete, sie habe sich an den Befestigungsriemen eines Lasters festgehalten. „Der Laster war für die meisten der Überlebenden eine Barriere, der verhinderte, dass sie durch das klaffende Loch fielen“, sagte ein anderer Polizist. Nach Angaben eines AFP-Reporters, der das Flugzeug nach dem Unglück betreten konnte, war der Innenraum voller Blut, der abgerissene Arm eines Kindes lag herum.

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