Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien schwelt weiter

Zarif: "Iran würde Dialog mit den Nachbarländern immer begrüßen"
Zarif: "Iran würde Dialog mit den Nachbarländern immer begrüßen"
In der Krise zwischen Riad und Teheran zeichnet sich keine Entspannung ab. Alle iranischen Diplomaten verließen am Mittwoch Saudi-Arabien, wie die saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA am Mittwoch meldete. Irans Regierung zeigte sich unversöhnlich und warf Riad vor, "Spannungen zu schüren".


Während der ostafrikanische Küstenstaat Dschibuti seine diplomatischen Beziehungen zum Iran abbrach, protestierten schiitische Milizen im Irak gegen Saudi-Arabien. Das Personal der iranischen Botschaft in der Hauptstadt Riad sowie des Konsulats in Jiddah sei an Bord eines iranischen Privatflugzeugs ausgereist, berichtete SPA. Das iranische Staatsfernsehen zeigte Bilder, wie die Botschaftsmitarbeiter das Flugzeug in Teheran verließen. Demnach waren 54 Diplomaten mit ihren Familien an Bord der Maschine. Saudi-arabische Diplomaten hatten den Iran bereits am Dienstag verlassen.

Auslöser der jüngsten Spannungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitisch dominierten Saudi-Arabien war die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr Baker al-Nimr. Der Gegner des Königshauses in Riad war am Samstag zusammen mit 46 anderen Menschen exekutiert worden. Als es daraufhin zu Angriffen auf die saudi-arabische Botschaft im Iran kam, brach Riad seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Auch Bahrain, der Sudan und Katar vollzogen diesen Schritt. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait gingen ebenfalls auf Distanz zum Iran.

Am Mittwoch brach dann auch der ostafrikanische Küstenstaat Dschibuti seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab, während Jordanien den iranischen Botschafter einbestellte. Im Irak protestierten indes die mächtigen schiitische Milizen gegen Saudi-Arabien. Zweitausend Kämpfer und Unterstützer zogen durch das Zentrum der Hauptstadt Bagdad. Sie verurteilten die Hinrichtung des Geistlichen al-Nimr.

Der Iran und Saudi-Arabien ringen seit Jahren um die Vormachtstellung am Golf. Beide Staaten verfolgen gegensätzliche Interessen in der Region. Teheran unterstützt etwa in Syrien Machthaber Bashar al-Assad, Saudi-Arabien seine sunnitischen Gegner. Im Jemen ist es umgekehrt. Dort stützt Teheran die schiitischen Houthi-Rebellen, die von einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition bekämpft werden, die den Präsidenten stützt.

Die iranische Regierung erneuerte am Mittwoch ihre Kritik an Saudi-Arabien. “Seit zweieinhalb Jahren stellt sich Saudi-Arabien den diplomatischen Bemühungen des Iran entgegen”, sagte Außenminister Mohammed Javad Zarif. Er verwies unter anderem auf das im vergangenen Jahr getroffene Atomabkommen seines Landes mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland. Neben Israel habe sich auch Saudi-Arabien gegen die Einigung gewandt, kritisierte Zarif. “Dieser Trend, Spannungen zu schüren, muss aufhören”, forderte er.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan stellte sich am Mittwoch hinter die Führung in Riad. Die Hinrichtungen seien eine “interne Angelegenheit” des Landes. Die Beziehungen der Türkei zum Iran sind schwierig, insbesondere, weil Teheran den syrischen Staatschef Assad unterstützt. Ankara fordert wie Riad dessen Entmachtung.

Der irakische Außenminister Ibrahim al-Jaafari warnte bei einem Besuch im Iran vor einem “Krieg in der Region, der keinen Sieger haben kann”. Sein Land werde sich dafür einsetzen, die Spannungen zwischen Riad und Teheran abzubauen.

Der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten wirkte sich auch auf den Ölpreis aus, der auf den niedrigsten Stand seit mehr als elf Jahren sank. In London fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent am Mittwoch erstmals seit Juli 2004 unter die 35-Dollar-Marke; auch in New York sank der Preis für ein Fass der Sorte Light Sweet Crude kurz nach Börsenöffnung auf 34,58 Dollar.

  • VIENNA.AT
  • Politik
  • Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien schwelt weiter
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen