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Kompetenzzentrum (KAP) soll Beamte bei Suche nach Vermissten unterstützen

Johanna Mikl-Leitner stellte das neue Kompetenzzentrum vor
Johanna Mikl-Leitner stellte das neue Kompetenzzentrum vor ©APA
Zwischen 700 und 800 Personen werden Jahr für Jahr in Österreich als vermisst gemeldet. Um die Suche nach Abgängigen künftig zu verbessern bzw. schon im Vorfeld Präventionsarbeit zu leisten, wurde im Bundeskriminalamt das  "Kompetenzzentrum für abgängige Personen" (KAP) eingerichtet.
Fahndung über Facebook

Das KAP wird selbst zwar nicht operativ tätig sein, aber soll die Ermittler als “internationale und nationale Drehscheibe” unterstützen sowie Datenmaterial sammeln und aufbereiten, sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Dienstag bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

Abgängige in Österreich: Der Status Quo

Die Zahl der Vermissten ist in Österreich nur schwer genau festzumachen, da 90 Prozent binnen ein, maximal zwei Wochen wieder auftauchen und laufend neue Fälle hinzukommen. Mit Stichtag 27. August waren in Österreich 779 Personen abgängig, 267 davon waren minderjährig. Abseits der blanken Zahlen wie etwa des Geschlechts (516 weiblich/218 männlich) weiß man aber erstaunlich wenig über die Betroffenen.

Was sind die Motive der Vermissten?

Zwar werden, wie die Leiterin des KAP, Regine Wieselthaler-Buchmann erklärte, Motive wie Missbrauch, schulische oder berufliche Schwierigkeiten, aber auch Abenteuerlust genannt, doch untersucht wurde dies noch nicht. In der Regel ist die Polizeiarbeit nämlich beendet, sobald die abgängige Person wieder aufgetaucht ist.

Eine der Aufgaben des KAP wird – nicht zuletzt um besser vorbeugend arbeiten zu können – sein, genau dieses Datenmaterial zu gewinnen. Dafür wird laut Wieselthaler-Buchmann jeder Vermisstenfall automatisch dem Kompetenzzentrum gemeldet, das dann eine wissenschaftliche Aufbereitung der Daten in die Wege leiten wird. In rund zwei bis drei Jahren soll die Frage “Warum verschwinden Menschen?” besser beantwortet werden können.

Die Arbeit im Kompetenzzentrum

Neben der Datenaufarbeitung soll das KAP auch nationale und internationale Behörden, die an einem Vermisstenfall beteiligt sind, besser miteinander vernetzen. Die Palette reicht dabei von Erziehungseinrichtungen über NGOs bis hin zu Verbindungsbeamten in den einzelnen Ländern, in denen die abgängige Person vermutet wird.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Präventionsarbeit. Dabei soll nicht nur das gewonnene statistische Wissen, sondern besonders extra geschulte Beamte dafür sorgen, dass es erst gar nicht zu einer Abgängigkeit kommt. In Linz gelang es etwa bei einem Pilotversuch, die Zahl von Mehrfachausreißern aus einer Bildungseinrichtung zu halbieren.

KAP ermittelt nicht

“Das KAP ist aber keine operative Einheit und erfüllt keine Ermittlungstätigkeit im Einzelfall”, präzisierte Mikl-Leiter. Die Ermittlungsarbeit wird weiterhin von den Polizeiinspektionen und Landeskriminalämtern erledigt.

(apa/red)

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