Königlich übernachten im Schloss von Versailles

Eines der Nebengebäude des Prachtbaus nahe Paris soll bis Ende 2011 restauriert und in ein Luxushotel umgewandelt werden.
In dem im 17. Jahrhundert errichteten “L’Hotel du Grand Controle”, wo einst die Finanzprüfer des Sonnenkönigs und anderer französischer Herrscher wirkten, sollen 23 Komfort-Zimmer entstehen, erläutert Jean-Jacques Aillagon, der Direktor des staatlichen “Château de Versailles”.

Das Nutzungsrecht erhielt das belgische Familienunternehmen Ivy International AG, das bereits ein Luxushotel in der Bretagne betreibt. Dem Vertrag zufolge kann das Unternehmen das neue Hotel 30 Jahre lang betreiben. Im Gegenzug muss es die Renovierungskosten von schätzungsweise 5,5 Millionen Euro übernehmen und dem französischen Staat jährlich einen bestimmten Prozentsatz seines Umsatzes als Pacht zahlen.

Dank dieses “Pionier-Vorhabens” solle das Gebäude vor dem Verfall gerettet werden, betont Aillagon. Das ist nach seinen Angaben auch dringend notwendig: Denn nach der französischen Revolution, die 1789 die Monarchie abschaffte, wurde das um 1680 erbaute “Hôtel du Grand Contrôle” von der Armee genutzt – die es immer weiter verkommen ließ. Zuletzt beherbergte das Gebäude ein Restaurant für Offiziere, seit 2006 steht es leer.

Der Bau sei jahrelang nicht unterhalten worden, berichtet Aillagon. Die Armee habe es in einem “sehr heruntergekommenen Zustand” hinterlassen. Dem rund 1.700 Quadratmeter großen Bau steht nun eine gründliche Renovierung bevor. Überwacht werden die Arbeiten vom Chefarchitekten des französischen Amtes für Denkmalschutz, Frederic Didier.

Das Hotel-Projekt von Versailles ist nur eines von mehreren Vorhaben dieser Art, auf die sich das Pariser Kulturministerium mit dem Staatssekretariat für Tourismus geeinigt hat. Ziel ist es, das reiche Kulturerbe Frankreichs verstärkt für den Fremdenverkehr zu nutzen. Ein Nobel-Hotel könnte auch in den königlichen Reitställen des Schlosses Fontainebleau 70 Kilometer südlich von Paris entstehen. Noch werde allerdings nach potenziellen Investoren gesucht, erläutert der Leiter des Etablissements, Jean-François Hebert. “Wir wollen verhindern, dass dieses Gebäude zu einer Ruine wird.”

Das französische Zentrum für Baudenkmäler (CMN) hat rund 20 weitere historische Gebäude aufgelistet, in denen Hotels eingerichtet werden könnten. Mit einer Machbarkeitsstudie wurde mittlerweile die staatliche Behörde für Fremdenverkehrsförderung, “Atout France”, beauftragt.

Mangel an Interessenten dürfte es wohl kaum geben: Schließlich war Frankreich laut Welttourismusorganisation der UNO (UNWTO) auch 2010 das Land, das weltweit die meisten Touristen anzog. Im Jahre 2009 hatte die UNWTO in Frankreich gut 74 Millionen Touristen gezählt. Die genaue Bilanz für 2010 will die Agentur in Kürze bekanntgeben.

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