Klasnic: Erste Zahlungen voraussichtlich im Herbst

Die von der katholischen Kirche eingesetzte Opferschutzanwaltschaft geht von ersten freiwilligen Zahlungen an Missbrauchsopfer im Herbst aus. Dann sollte auch die von Kardinal Christoph Schönborn angekündigte "Stiftung Opferschutz" eingerichtet sein, so Kommissions-Mitglied Brigitte Bierlein am Freitag.

Kommissions-Mitglied Brigitte Bierlein betonte auch, dass eine Inanspruchnahme der Leistungen der Anwaltschaft keine Verzichtsklausel für weitere gerichtliche Schritte beinhalte.

Bereits “etwas mehr als 200” Betroffene würden derzeit von der Opferschutzanwaltschaft betreut, berichtete die Vorsitzende Waltraud Klasnic. Das Entschädigungsmodell habe sich erst bei der Sitzung am Freitag herauskristallisiert, bei der auch einer der Rechtsvertreter der Opfer anwesend gewesen sei. Werner Schostal, der die Plattform “Betroffene kirchlicher Gewalt” vertritt und bereits eigene Entschädigungsforderungen (sie sehen Zahlungen von bis zu 130.000 Euro vor) an die Diözesen gerichtet hat, sei der Gesprächs-Einladung der Kommission bis jetzt nicht gefolgt.

Wer nun Geld von der Kirche für erlittenes Leid annimmt, muss allerdings nicht auf weitere rechtliche Schritte verzichten. “Es gibt keine Verzichtsklausel”, so Bierlein. Allerdings müsse der bereits erhaltene Betrag von einer gerichtlichen Entschädigung wieder abgezogen werden, ergänzte Kommissions-Mitglied Udo Jesionek.

Klasnic betonte, dass ihr vierstufiges Modell für die Entschädigungen der Missbrauchopfer noch kein Thema bei ihrem Besuch der Bischöfe in Mariazell diese Woche gewesen sei. Sie vertraut darauf, dass die Kirche auch zahlen werde: Wir wissen das, dass es auch so sein wird.” Kommissionsmitglied Kurt Scholz betonte, dass es sich bei den nun vorgeschlagenen Summen nicht um eine “Wiedergutmachung” handle, da entstandenes Leid nicht wiedergutzumachen sei. Die Leistungen seien lediglich eine “Geste” an die Opfer.

Jesionek übte erneut Kritik an der Regierung, dass diese nicht zumindest eine Koordinationsstelle für Missbrauchsfälle – auch im weltlichen Bereich – einrichte. “Sich total aus der Verantwortung zu schleichen wäre nicht sehr fair.” Dem stimmte Scholz zu: “Ich halte diesen Totstellreflex für unklug, weil eine solche staatliche Stelle profilaktisch wirken könnte.”

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