Klagenfurter Innenstadt mit zwei Gesichtern

Die Stadt Klagenfurt, im besonderen die Fanmeile hatte am Donnerstagnachmittag zwei Seiten.

Einerseits waren Hunderte oder Tausende lachende Gesichter zu sehen in einem Meer aus Bier-Glückseligkeit. Bei manchen von ihnen war bereits um 16.00 Uhr klar, dass sie den Anpfiff des Spiels Deutschland gegen Kroatien zwei Stunden später nie und nimmer erleben würden.

Doch es gab auch eine andere Seite: Einige kroatische Fans sahen in den für die Fanmeile zuständigen Polizisten aus Nordrhein-Westfalen einen Reibebaum und bedachten sie mit Flaschenwürfen und Bierduschen. Verletzte Polizisten oder Festnahmen gab es zunächst nicht.

Gegen 16.00 Uhr rückte die Exekutive auch mit einem Lautsprecherwagen an: In deutscher und kroatischer Sprache sagte sie den Fans durch, dass die Fanzone am Neuen Platz bereits voll sei und in Kürze geschlossen werde. Die Fußball-Verrückten sollten sich zur zweiten Fanzone am Messegelände begeben, wo kurz zuvor das Konzert der Sportfreunde Stiller begonnen hatte. Gegen 15.00 Uhr hielten sich laut Polizei rund 20.000 vor allem kroatische Fans in der Innenstadt auf – Tendenz stark steigend

Für die quasi zum kroatischen Territorium erklärte Fanmeile war das aber ohnehin egal. Kaum jemand saß auf den Bänken. Auf den Tischen tanzten die Fans und peitschten sich mit Schlachtgesängen auf das Match ein, darunter auch solche, in denen die faschistische Ustascha bedacht wurde: “Komm, komm Ustascha” hieß es in einer sinngemäßen Übersetzung.

Immer wieder blieben deutsche und kroatische Schlachtenbummler stehen, um sich zu verbrüdern. Ein Fan aus Kroatien drückte seinem deutschen Kollegen für ein Foto einen dicken Schmatz auf die Wange.

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