Klagenfurt - ein Meer im rot-weißem Karo

Ein Meer in kariertem Rot-Weiß war die Innenstadt von Klagenfurt am Donnerstag, wenige Stunden vor dem brisanten Spiel Kroatien gegen Deutschland.

“Jetzt sind sie noch laut”, meinte einer der wenigen deutschen Fans, der den Gang durch die Fanmeile nicht gescheut hatte. “Croatia is the champion” brüllten hingegen Hunderte Fans vom Balkan in voller Inbrunst.

Eines war schon vor der abendlichen Begegnung klar: “Wir wollen keinen Wirbel, wir haben Angst”, versicherte ein Fan aus Nordrhein-Westfalen im Gespräch mit der APA. “Am liebsten wäre uns ein Unentschieden, dann gibt’s keinen Wirbel”, sekundierte sein Kollege. “Ich habe Angst”, sagte auch ein Gastronom in der Innenstadt.

Die eigentliche “Heimat” der Kroaten sollte aber nicht Klagenfurt, sondern das 16 Kilometer entfernte Pörtschach am Wörthersee sein. Dort hatte die größte kroatische Brauerei einen – schon bei ähnlichen Großereignissen erprobten – “Karlovacko Korner” installiert. Bürgermeister Franz Arnold (B) ist begeistert: “Sa was gibt es auf der ganzen Welt nicht: Die Kroaten bringen alles mit, angefangen von privaten Sicherheitsleuten und Polizei über die besten Bands und Discjockeys bis hin zum Bier.” Alles, was die Gemeinde an Kosten zu tragen habe, seien die Aufräumarbeiten, sagte der Kommunalchef.

Allerdings, so ein Lokalaugenschein, war Mittwochnachmittag am legendären Monte-Carlo-Platz noch wenig los. “Auch in der Nacht war tote Hose”, erklärte ein Security-Man aus Erfurt der APA. “Das ist kein Vergleich mit unseren Veranstaltungen in Deutschland oder sonst wo”, versicherte er. Glücklich war aber ein Gruppe vom Niederrhein: “Wir sind in eurer Badewanne um fünf Uhr geschwommen.”

Begeisterung herrschte auch in Klagenfurt, wo in den vergangenen Tagen in drei Fanzonen und der für das große Fest drapierten Fan-Meile die große Ruhe geherrscht hatte. “Gott sei Dank, jetzt passt die Stimmung”, sagte die Chefin eines Lokals zur APA. Allerdings, so gab sie – wie einige ihrer Kollegen – zu bedenken, “gibt’s das Geschäft nur an einem Spieltag”. Wenn die Fans der in Klagenfurt antretenden Mannschaften weg seien, habe man “absolut nichts zu tun”.

Enormen Andrang gab es am frühen Abend beim – bisher gemiedenen – Messegelände: Hunderte Fans wollte sich beim Auftritt der Kultband “Sportfreunde Stiller” die besten Plätze sichern. Polen fand man allerdings wenige, die tobten sich in der – nahezu ihnen allein gehörenden – Fanmeile Richtung Neuer Platz aus.

Jedenfalls, so eine Umfrage der APA, besuchen seit Dienstag bei weitem mehr Einheimische die Fanzone als in den Tagen zuvor. “Es ist so schön, dass hier das Leben ist”, sagte eine über 90 Jahre alte Klagenfurterin, die von ihrem Ehemann im Rollstuhl durch die Fanmeile geschoben wurde. Und etwas ganz Schönes: Deutsche und kroatische Fans begrüßten die alten Dame ganz höflich.

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