"Kindergrundsicherung" würde Kinderarmut in Österreich abschaffen

Das Modell der Volkshilfe verspricht eine bessere Umverteilung.
Das Modell der Volkshilfe verspricht eine bessere Umverteilung. ©APA/dpa/Wolfram Steinberg
Eine nach dem Einkommen gestaffelte "Kindergrundsicherung" könnte laut Volkshilfe die Kinderarmut in Österreich abschaffen. Kosten soll das Ganze weniger als der neue Familienbonus.

Die Volkshilfe will mit einem Grundsicherungsmodell Kinderarmut “abschaffen”. Alle in Österreich lebenden Kinder unter 18 sollen monatlich 200 Euro erhalten. Kinder aus Haushalten mit weniger als 20.000 Euro jährlichem Familieneinkommen sollen zusätzlich 425 Euro bekommen. Für Einkommen darüber bis maximal 35.000 Euro jährlich ist eine Einschleifregelung vorgesehen.

Kosten zwischen 600 Millionen und 2 Milliarden

Die Kosten für die Umsetzung bezifferte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger bei einer Pressekonferenz in Wien mit rund zwei Milliarden Euro: Alle rund 1.536.000 unter 18-Jährigen würden die “Kindergrundsicherung” erhalten. Der Grundbetrag sei mit den jetzigen universellen Familienleistungen vergleichbar. Rund 45 Prozent bekämen mehr als die 200 Euro, und etwa ein Fünftel davon den vollen zusätzlichen Maximalbetrag von 425 Euro. Würde die einkommensabhängige Variante nur armutsbetroffenen Kindern gewährt, würde das Modell Kosten von 600 bis 700 Millionen Euro verursachen.

Rund 290.000 Kinder und Jugendliche seien armutsgefährdet. “Kinderarmut kann in Österreich abgeschafft werden. Das klingt sehr utopisch, ist es aber nicht”, warb Fenninger für das vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung durchgerechnete System.

“Sozial erstaunlich treffsicher”

“Das Modell wäre bei vertretbaren Kosten sozial erstaunlich treffsicher”, sagte Studienautor Michael Fuchs. Zum Vergleich führte er den ab 2019 neuen “Familienbonus” an, der bei voller Inanspruchnahme Nettokosten von 1,5 Milliarden Euro verursachen werde. Die “Kindergrundsicherung” würde mit der deutlichen Umverteilung zu benachteiligten Gruppen zu einer gleichmäßigeren Einkommensverteilung beitragen, so Fuchs.

Bestehende Systeme wie die Familienbeihilfe samt Mehrkinderzuschlägen, Absetzbetrag oder Schulstartgeld wären durch die “Kindergrundsicherung” obsolet. “Der Staat tut viel”, betonte Fenninger, aber die Vielfalt an Leistungen mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen sei intransparent, bürokratisch und könne dem Anstieg von Kinderarmut nicht entgegenwirken.

Beispiele vorgerechnet

Der Direktor der Wohlfahrtsorganisation rechnete zwei Beispiele vor. Eine Alleinerzieherin mit sechsjährigem Kind und einem Einkommen plus derzeitigen Familienleistungen von 1.774 Euro netto pro Monat würde den Maximalbetrag von 625 Euro erhalten und 414 Euro mehr zur Verfügung haben. Einem Elternpaar mit zwei schulpflichtigen Kindern und 7.977 Euro Einkommen inklusive derzeit 411 Euro Familienleistungen blieben monatlich 7.903 Euro – “eine sehr geringe Abweichung”, so die Volkshilfe.

(APA/red)

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