Kindergarten - Lob für Quereinsteiger-Modell als Übergangslösung

Wer im Kindergartenbereich arbeiten will, kann die Ausbildung dazu nun auch als Quereinsteiger beginnen
Wer im Kindergartenbereich arbeiten will, kann die Ausbildung dazu nun auch als Quereinsteiger beginnen ©APA (Sujet)
Innovation im Kindergarten-Bereich: Neben den Absolventinnen der Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (Bafep) sollen künftig auch Quereinsteiger in Kindergärten Gruppen leiten dürfen.
Hochschullehrgang für Quereinsteiger ab Herbst
Die Regierungspläne für Kindergärten

Ab Herbst starten Lehrgänge an den Pädagogischen Hochschulen, neben Absolventen der Bildungswissenschaften stehen sie auch Volks- und Sonderschullehrern offen. In den Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf wird dieses neue Modell zwar generell begrüßt - vielfach aber nur als Übergangslösung zu einer "echten" Hochschulausbildung.

Derzeit müssen Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen (nur rund zwei Prozent Männer arbeiten laut Statistik Austria in diesem Bereich) entweder die Langform der Bafep besuchen (Abschluss mit Matura und Berufsberechtigung) oder nach Matura bzw. Berufsreife- oder Studienberechtigungsprüfung ein Kolleg abschließen. Die aktuellen Hochschulangebote zu Elementarpädagogik fallen alle nur in den Bereich Weiterbildung.

Personalmangel in der Elementarpädagogik

Seit Jahren kämpfen die elementarpädagogischen Einrichtungen mit Personalmangel, vor allem weil ein großer Teil der Absolventinnen der Bafep-Langform nicht in den Beruf einsteigt. Ab Herbst sollen nun an vier PH-Standorten jeweils bis zu 25 Quereinsteiger ihre Ausbildung (Umfang: 60 ECTS, das entspricht einem Jahr Vollzeitstudium) beginnen können.

Quereinsteiger-Modell wird durchwegs prositiv gesehen

Dieses neue Angebot wird in den Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) zwar fast ausnahmslos positiv gesehen. Allerdings könne es nur die Übergangslösung zu einer tertiären Ausbildung für Elementarpädagoginnen und - pädagogen sein, so der Tenor. So fordert etwa die Industriellenvereinigung, endlich ein Grundstudium für Elementarpädagogik einzurichten. Auch für die Kirchliche Pädagogische Hochschule (KPH) Wien/Krems kann der Lehrgang "lediglich eine erste Maßnahme zur Akademisierung des Berufsfeldes" sein. Sie und die PH Kärnten fordern eine Hochschulausbildung für Elementarpädagogik an den PHs, die FH Campus Wien will deren Einführung zusätzlich auch an den Fachhochschulen. Österreich sei nämlich im internationalen Vergleich Schlusslicht bei der Akademisierung der Elementarpädagoginnen.

Quereinsteigerausbildung soll auch an FHs und Unis kommen

Die Sektion Elementarpädagogik der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB) plädiert dafür, dass die Quereinsteigerausbildung neben PHs auch an FHs und Unis angeboten können werden soll. Gleichzeitig betont auch sie, dass der Lehrgang kein Ersatz für ein grundständiges Bachelorstudium sein könne. Für Leitungsfunktionen solle zusätzlich ein Master notwendig sein.

Ganz anders die Stoßrichtung des Gemeindebundes: Dieser begrüßt in seiner Stellungnahme zwar den künftig flexibleren Zugang zum Beruf, "da vor allem die überaus strikten Berufsvoraussetzungen einen massiven Personalmangel nach sich ziehen". Für ihn sind allerdings diverse Bachelorabschlüsse auch ohne Absolvierung des neuen Elementarpädagogik-Hochschullehrgangs schon als gleichwertig mit einem Bafep-Abschluss anzusehen und sollten deshalb auch unmittelbar zur Anstellung als Elementarpädagogin berechtigen.

Gemeindebund sieht diese Abschlüsse schon als Zugangsoption

Neben Lehrerausbildungen nennt der Gemeindebund etwa Instrumental- und Gesangspädagogik, Sozialarbeit oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sollte das Ministerium den Lehrgang als unabdingbar ansehen, müssten zumindest weitere Ausbildungen als Zugangsvoraussetzung zum Hochschullehrgang gelten, so die Forderung des Gemeindebundes. Neben den vorhin erwähnten nennt er etwa die Ausbildung zur Hebamme, Logopädie oder Kinderintensivpflege.

Vor zu engen Zugangsvoraussetzungen für die Quereinsteiger-Ausbildung warnt auch die Industriellenvereinigung und appelliert, vergleichbare Ausbildungen bzw. Betätigungen in gesellschaftlich relevanten Handlungsfeldern ebenfalls zu berücksichtigen. Sonst steige nämlich das Risiko, zu wenig geeignete Personen für den Beruf zu gewinnen bzw. mögliche Quereinsteiger vom Beruf auszuschließen.

60 ECTS: Zu geringer Umfang bei Quereinsteiger-Ausbildung?

Für die IV ist zudem fraglich, ob der Umfang der Quereinsteiger-Ausbildung mit 60 ECTS nicht zu kurz ist, um genug Praxisanteil sicherzustellen. Auch die Arbeiterkammer (AK) pocht in ihrer Stellungnahme auf ausreichend Praxisstunden. Die PH Kärnten tritt in diesem Zusammenhang für eine Induktionsphase zum besseren Einstieg in den Beruf ein.

Keine Freude mit dem neuen Lehrgang hat die Berufsgruppe der elementaren Bildungseinrichtungen Kärntens: Aus ihrer Sicht braucht es für die Arbeit im Kindergarten eine umfassende Grundausbildung für einen fachgerechten Quereinstieg, der allerdings "in der momentan geplanten Form nicht gewährleistet" sei. Sie fürchtet "einen Versuch, zeit- und geldsparend mehr Personal für das elementarpädagogische Berufsfeld unter dem Deckmäntelchen des 'Personalmangels' zu generieren". Um den Personalmangel zu beheben, brauche es allerdings keine Personalrekrutierungsoffensiven, sondern attraktivere Arbeitsbedingungen.

(APA/Red)

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