Kinder durch Feinstaubbelastung gefährdet

Luftmessstation &copy Bilderbox
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Feinstaub kann, selbst unterhalb der geltenden Grenzwerte, Erkrankungen der Atemwege verursachen. Mediziner fordern daher von der Politik ihrer Ansicht nach längst fällige Maßnahmen für einen besseren Schutz der Bevölkerung.

„Die Problematik ist schon seit 13 Jahren wirklich gut publiziert und der Zusammenhang mit Lungenerkrankungen ist nachgewiesen. Es besteht Handlungsbedarf“, sagte Dr. Sylvia Hartl, Oberärztin an der Lungenabteilung im Wiener Otto Wagner-Spital, im APA-Gespräch.

Was ist Feinstaub?

Feinstaub ist ein Mix aus extrem kleinen, mit freiem Auge nicht sichtbaren Substanzen, die für die Atemwege chemisch irritierendes bis toxisches und Krebs erregendes Potenzial haben, erläuterte die Lungenfachärztin. Das Gemisch stammt aus Kraftfahrzeugemissionen inklusive Brems-, Gummi- und Straßenabrieb, Industrie- und Hausbrand (Kohleverbrennung, Holzverbrennung), Streusplitt und Salzstreuung. Darin enthaltene Aerosole (feine flüssige, feste oder gasförmige Teilchen) und winzige Partikel werden über die Atemluft bis tief in die Lunge inhaliert.

Saurer Regen für Lunge

„Stickoxide und Schwefelabgase führen zu Schleimhautreizungen. Sie sind wie saurer Regen für die Lunge“, warnte die Medizinerin. Gefährdet sind vor allem Menschen mit einer entsprechenden Vorschädigung, wie Asthmatiker und Patienten mit chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen. „Aber auch eine gesunde Lunge wird reagieren“, so Hartl. Mit fortgesetzter Belastung drohten langfristig Dauerschäden: Bronchospasmen und klassisches Asthma, bronchitische Symptome wie erhöhte Schleimproduktion und Husten; außerdem könnten sich Keime leichter ansiedeln.

Bei Kleinkindern werde die Entwicklung der Lunge negativ beeinflusst. „Die steigenden Asthmaraten bei Kindern hängen unter anderem mit Feinstaub zusammen“, erläuterte die Ärztin.

„Man geht davon aus, dass alle Teile, die kleiner als zehn Mykrometer sind, so tief in die Atemwege gelangen, dass sie bis zu den Lungenbläschen vordringen“, sagte Hartl; im Gegensatz etwa zu Pollen, die vergleichsweise viel voluminöser sind und deswegen in den größeren Atemwegen „hängen“ bleiben. „Die Partikel können sich auf den Schleimhäuten der kleinen Atemwege chemisch lösen und werden dort zu Säuren und aggressiven, radikalen Substanzen, die die Schleimhaut entzündlich verändern.“ Lungenbläschen würden „wie in einem Chemikalienbad“ aufgelöst. Weitere Folgen seien eine Verengung und Verkrampfung der Atemwege.

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