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Kevin Gaudet: "Bin nächstes Jahr wahrscheinlich nicht mehr Caps-Trainer"

Leser fragen – Vienna Capitals Trainer Kevin Gaudet antwortet. Im Gespräch mit Thomas Muck erklärt der Kanadier Entscheidungen im sportlichen Bereich. Weiters spricht Gaudet über das bevorstehende Weihnachtsfest und über eine mögliche Vertragsverlängerung!

Vienna Online: Coach Gaudet, wir haben wieder viele Mails mit Fragen bekommen. Die Fragen unserer Leser haben sich dieses Mal praktisch von selbst ergeben. Die sportliche Hauptsorge dabei ist die zweite Angriffslinie der Mannschaft. Wie siehst du die Situation – was wirst du tun damit diese Linie bald produktiver spielen wird?

Kevin Gaudet: Das ist eine sehr gute Frage. Wenn eure Leser eine Idee haben können sie mich ja vielleicht anrufen oder ansprechen. (schmunzelt)

Es ist wie bei jeder Mannschaft der Welt. Manchmal hat eine Reihe einfach Probleme Tore zu erzielen. Bei David und Marcel haben wir in der letzten Saison gesehen, dass sie im Stande sind gute Leistungen abzuliefern. Im Spiel gegen Linz haben sie schon eine deutliche Leistungssteigerung gezeigt, die mich positiv stimmt.

Vienna Online: Die Formkurve der Rodman-Brüder sorgt für heftige Diskussionen. Für viele sind sie von ihrer Hochform weit entfernt. In den letzten Jahren hat ihre Formkurve ab dem Beginn der Playoffs nach unten gezeigt. Warum könnte es heuer anders sein? Was stimmt dich in diesen Bereich positiv?

Kevin Gaudet: Wie gesagt es ist es eine sehr gute Frage. Ich habe mit den beiden viele Einzelgespräche geführt. Dabei haben wir über mögliche Lösungen gesprochen. (legt eine kurze Pause ein)

Die Leistungskurve zeigt aber in die richtige Richtung. Ich habe in den letzten drei Wochen besonders bei Marcel eine Steigerung gesehen. Das stimmt mich positiv. David hat mir im Spiel gegen Linz gut gefallen. Ich hoffe, dass das jetzt der Anfang eines positiven Laufs ist.

Vienna Online: Momentan spielt Christian Dolezal mit beiden Brüdern in einer Linie. Aus deiner Sicht die ideale Zusammensetzung? Planst du Änderungen in der zweiten Linie? Ist die Trennung der beiden Brüder aus der gleichen Linie für dich ein Thema?

Kevin Gaudet: Es ist immer ein Thema. Als Trainer musst du deine Spiele gewinnen. Wenn etwas nicht funktioniert dann musst Änderungen durchführen. Wenn du sieben Spiele in Folge gewinnst dann funktioniert die Mannschaft als Gesamtes. Also sind Änderungen nicht zwingend erforderlich.

Christian Dolezal hat sich in den letzten drei Monaten toll gesteigert. Er hatte zum Beginn einige Probleme. Er steigert sich jede Woche. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Entwicklung.

Vienna Online: Cory Larose war bislang der große Verletzungspechvogel in dieser Saison. Viele Leser sind von ihm positiv überrascht. Er liefert starke Leistungen ab. Wie ist das trotz praktisch keiner Vorbereitung möglich? Wie siehst du seine Leistungen bisher?

Kevin Gaudet: Die Leser haben Recht. Er hatte keine Vorbereitung und kaum Möglichkeit sich in Form zu spielen. Cory hat alle Vorbereitungsspiele verpasst. Dann nach zwei Spielen kam die nächste Verletzung und wieder eine lange Pause.

Logischerweise braucht er noch Zeit um in Hochform zu kommen. Aber ich sehe jede Woche eine Steigerung bei ihm. Er wird uns heuer noch viel Grund zur Freude bereiten.

Sportreport.at: Wenn ein Spieler aus der dritten oder vierten Linie eine überragende Leistung abliefert und ein Spiel entscheidet. Wie gehst du damit um? Bekommt dann der Spieler im nächsten Spiel mehr Eiszeit oder wertest du die Linie auf?

Kevin Gaudet: Ein Spieler in der vierten Reihe besser als in der dritten wird er dort spielen usw. Fällt einer aus der zweiten Reihe zurück und einer aus der dritten ist überragend wird gewechselt. Ich denke das ist ein logischer Schritt.

Wenn du aber – so wie wir nach der ersten Länderspielpause – viel gewinnst wirst du eher wenig wechseln und die Mannschaft so zusammen lassen.

Sportreport.at: Die Linienzusammenstellung war in den Fragen unserer Leser ein sehr bestimmendes Thema. Hältst du diese Frage für überbewertest?

Kevin Gaudet: Ich denke die Zuschauer lieben das! Natürlich macht es auch Spaß zu diskutieren wie es laufen würde wenn sich die Linien ändern. Das ist Teil des Sports!

Unsere erste Linie ist unglaublich – die zweite kommt in Schwung – die dritte um Larose kommt auch besser in Fahrt und mit der vierten bin ich auch zufrieden. Also es wird keine großen Änderungen geben.

Sportreport.at: Wie zufrieden bist du mit der dritten und vierten Linie im Moment?

Kevin Gaudet: Wie schon gesagt die dritte Reihe verbessert sich in jeden Spiel. Kevin Kraxner wird von Woche zu Woche stärker. Er ist heuer gesund und das siehst du am Eis. Über Larose haben wir schon gesprochen. Ich bin im Moment zufrieden mit den Jungs.

Vienna Online:: Verstärkungen sind immer ein Thema. Letztes Jahr haben die Capitals vor dem Playoff Beginn zwei neue Spieler verpflichtet. Wie sieht es heuer aus? Werden die Capitals neue Spieler verpflichten?

Kevin Gaudet: Zuerst muss ich eines festhalten. Wir haben keine freien Punkte mehr. Das heißt die Mannschaft die wir jetzt haben mit der werden wir auch in die Playoff gehen. Obwohl wenn wir Spieler mit einer schweren, längerfristigen Verletzung hätten würden dann würden wir einen Spieler verpflichten.

Aber diese Mannschaft – mit Adam Hauser – wird die Mannschaft sein mit der wir in die Playoff gehen werden. Vorausgesetzt es gibt keine schweren Verletzungen.

Vienna Online: Also gehen die Capitals von einem Trend ab und heuer kommt ein Spieler nur im Fall einer schweren Verletzung.

Kevin Gaudet: Genau, das ist richtig!

Vienna Online: Kapitän Gratton hat schon über 110 Strafminuten gesammelt. Er ist einer der Strafbankenkönige der Mannschaft. Du hast vor dem Saisonstart angekündigt, dass du vermehrt auf die Strafen sehen willst. Wie siehst du die Entwicklung auf dem Strafensektor und wie gehst du mit einem Spieler um der zu häufig auf der Strafbank sitzt?

Kevin Gaudet: In der ersten Hälfte der Saison war ich nicht mit den Strafen zufrieden. In den letzten sechs Spielen haben wir aber die wenigsten Strafen in der ganzen Liga bekommen. Ich hoffe, dass dieser Trend weitergeht. Denn das ist der Weg zum Erfolg. Auf der Strafbank gewinnst du keine Spiele. Ich weiß, dass ist eine Phrase. Aber es ist die Wahrheit.

Wenn ein Spieler zu viele Strafen nimmt ist bei mir und wir führen ein Einzelgespräch. Wir gewinnen kein Spiel auf der Strafbank und das erkläre ich ihm noch einmal.

Vienna Online: Eishockeyspieler haben eine höhere Schmerztoleranz als ein „Normalsterblicher“. Sie spielen mit größeren und kleineren Verletzungen. Hattest du schon einen Moment als Capitals Trainer wo du dir nach dem Spiel gedacht hast, dass es nicht die beste Idee war diesen Spieler trotzdem spielen zu lassen?

Kevin Gaudet: Das ist eine sehr gute Frage! Es stimmt mehrmals haben angeschlagene Spieler gespielt. Ich stelle mir immer eine Frage bevor wir gemeinsam die Entscheidung treffen: Kann die Verletzung schlimmer
werden? Wenn das der Fall ist, kommt der Spieler nicht zum Einsatz. Wenn mir der Arzt sagt, dass es kein Risiko mit der Verletzung zu spielen dann kannst du einen Einsatz riskieren. Natürlich aber nur in Absprache mit dem Spieler und dem Arzt. Wenn es aber ein Risiko gibt, dass sich die Verletzung verschlimmern könnte dann ist es keine Frage – Nein, dann
spielt der Spieler nicht!

Vienna Online: Die Capitals haben noch einen Langzeitverletzten. Josi Riener fällt seit dem Saisonbeginn aus. Er hat im Interview gemeint, dass es ihm sehr schwer fällt nicht mit der Mannschaft trainieren zu dürfen. Wie gehst du mit einem solchen Spieler um. Was sagst du ihm?

Kevin Gaudet: Ich bin seit über 20 Jahren Trainer und es ist sehr selten, dass es einen Spieler so schwer erwischt. Er war schon in der letzten Saison verletzt. Leider ist Riener ein Pechvogel was Verletzungen angeht.

Josi ist aber ein sehr positiver Mensch. Er hat einen super Charakter. Es ist leider sehr hart für ihn. Ich versuche in unseren Gesprächen sehr positiv zu sein. Aber er geht mit der Situation sehr gut um und er wird bald zurück sein!

Vienna Online: Coach, unsere Leser haben unser erstes Interview mit Leserbeteiligung sehr positiv aufgenommen. War es für dich – rückblickend betrachtend – ein anderes Gespräch weil die Fragen von unseren Lesern und nicht von Journalisten gekommen sind?

Kevin Gaudet: (überlegt kurz) Ja, aber bis zu einen Teil sind die Fans auch Sportjournalisten. Die Fragen die sie gestellt haben waren zum Teil auch „übliche Pressefragen“. Natürlich waren auch einige persönliche Fragen dabei. Vielleicht machen sie euch ja bald Konkurrenz! Ich war von der Qualität und der Intensität der Fragen doch etwas überrascht.

Die Fragen die an mich persönlich gerichtet waren – die waren am Ende doch deutlich anders!

Vienna Online: Laut einer Leserfrage gibt es in Österreich etwa sieben Millionen Teamchefs im Fußball. Wien hat etwa zwei Millionen Einwohner. Wie viele „Capitals-Trainer“ machen dir Konkurrenz?

Kevin Gaudet: (lacht) Das ist eine tolle, aber auch unterhaltsame Frage! Die Trainerarbeit ist schwierig. Zuschauer und Fans haben unterschiedliche Meinungen. Es ist nicht einfach. Du hast viele verschiedene Charaktere in der Mannschaft. Aber am Ende wollen alle in Wien gewinnen! Ich verstehe andere Meinungen – ich akzeptiere sie weil
es auch mein Job ist!

Vienna Online: Der Aktion von Laibach-Spieler Hebar war natürlich auch bei unseren Lesern ein Thema. Wie ist deine Meinung zu diesem Thema?

Kevin Gaudet: Das Spiel war schon vorbei zu diesem Zeitpunkt. Es hat begonnen mit dem Check von Kevin Puschnik. Der war schmutzig und hätte eine Strafe geben müssen. Aus meiner Sicht war es eine Strafe wegen
unkorrekten Körperangriffs. Also zwei Minuten hätten ausgereicht. Hebar hat im Anschluss daran einfach seinen Kopf verloren und seine Sicherung ist durchgebrannt. Was er gemacht hat war nicht in Ordnung. Ein Check wäre vertretbar gewesen – aber der Rest ist nicht zu akzeptieren.

Wenn du die Situation im Fernsehen siehst wirst du sehen, dass diese Situation wirklich übel ist. Am Ende denke ich geht die Sperre in Ordnung!

Vienna Online: Am Sonntag gab es einen Vorfall mit Rafael Rotter. Wirhaben unmittelbar nach dem Spiel viele Mails bekommen die nach deiner Meinung fragen. Wie hast du die Situation gesehen?

Kevin Gaudet: Rafael Rotter ist ein junger Österreicher und ein Star in der Liga. Er ist ein Spieler, der wenig in der Kühlbox sitzt. Rafael hat einen Schläger an oder in das Auge bekommen. Er hat nach dem Vorfall nichts gesehen und hat Blut gespürt. Rafael hatte Angst, dass sein Auge schwer verletzt ist. Der Schiedsrichter ist daneben gestanden und hat keine Strafe angezeigt (schüttelt mit dem Kopf). Leider hat er seinen Kopf verloren und sich zu einer Reaktion verleiten lassen.

Ich denke, dass Rafael den Schiedsrichter nicht berühren wollte. Das hat er aber leider gemacht. Rafael wird eine Strafe bekommen. Er wird gesperrt! Ich hoffe aber, dass der Strafsenat hier fair sein wird. Denn das, was der Schiedsrichter gemacht hat war auch nicht in Ordnung. Du hast zwei Schiedsrichter und keiner hat die Situation geahndet. Das darf
nicht passieren. Schon im ersten Drittel des Spiels war die Leistung nicht in Ordnung. Du musst das Spiel so pfeifen wie es passiert. Das ist nicht passiert! Wie gesagt ich hoffe auf eine faire Behandlung durch den Strafsenat und das sie auch auf diese Fakten blicken.

Vienna Online: Coach, dein Vertrag läuft zum Saisonende aus. Viele Leser wollen wissen, ob es schon Gespräche über eine Verlängerung gegeben hat. Hast du vielleicht schon verlängert? Kannst du uns hier ein Update zur Situation geben?

Kevin Gaudet: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in der nächsten Saison wieder Trainer bei den Capitals bin ist nicht groß. Ganz ehrlich – ich verstehe das! Denn wir müssen ins Finale oder die Meisterschaft gewinnen für eine mögliche Vertragsverlängerung. Im Semifinale hast du entweder den KAC oder Salzburg. Das wird eine schwierige Aufgabe für uns werden. Die Entscheidung wird aber erst nach der Saison fallen.

Vienna Online: Coach, wie hoch würdest du die Wahrscheinlichkeit sehen, dass wir in einem Jahr wieder gemeinsam ein Interview mit dir als Capitals Trainer führen?

Kevin Gaudet: Sehr klein!

Vienna Online: Wir sind in der Weihnachtszeit. Für viele Nordamerikaner ist Weihnachten in Wien ein besonderes Erlebnis. Wie wirst du es mit deiner Frau verbringen – Wirst du Weihnachtsmärkte besuchen?

Kevin Gaudet: Weihnachten ist etwas Besonders. Wien ist einfach eine unglaubliche Stadt für dieses Fest. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, diese Zeit hier erleben zu dürfen. Meine Frau liebt die Weihnachtsmärkte und Glühwein – manchmal auch zuviel (lacht). Wir sind dort wenn es unser Zeitplan erlaubt und versuchen zu den tollen
Weihnachtsmärkten in der Stadt zu fahren.

Vienna Online: Also können dich und deine Gattin die Fans am Spittelberg und vor dem Rathaus durchaus antreffen?

Kevin Gaudet: Ja, die sind wunderschön!

Vienna Online: Es gibt so einen kleinen Kulturkampf wer die Weihnachtsgeschenke bringt: Das Christkind oder Santa Claus? Wer bringt die Geschenke im Haus Gaudet?

Kevin Gaudet: Santa Claus, natürlich! Wer ist das Christkind? (schmunzelt) Nein, ich kenne es natürlich! Bei uns ist es Santa Claus!

Vienna Online: Letzte Frage. Was wünscht sich der Privatmensch Kevin Gaudet zu Weihnachten – was wünscht sich der Trainer?

Kevin Gaudet: (blickt zu seiner Gattin und fragt sie nach den Wünschen). Also Trainer wünsche ich mir, dass die Mannschaft gesund bleibt. Sonst? (überlegt) Keine Konflikte in der Welt und unseren Fans wünschen wir
viele Geschenke unter dem Christbaum!

Das Gespräch führte Thomas Muck

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