Keine Kündigungen bei geschützten Werkstätten

Gegen die Kündigung von zehn nicht behinderten Mitarbeitern der Wiener Geschützten Werkstätten (WGW) haben am Dienstag Vertreterinnen aller drei Rathaus-Oppositionsfraktionen protestiert.

Man habe sie hinters Licht geführt, empörten sich Heidrun Schmalenberg (F), Ingrid Korosec (V) und Sigird Pilz (Grüne) in einer Pressekonferenz: Wären sie von den Kündigungen informiert gewesen, hätten sie im Vorstand des Psychosozialen Dienstes (PSD) niemals dem „Konzept 2005“ für die WGW zugestimmt.

Missstände in den WGW
Einig waren sich die drei Oppositionsabgeordneten, dass es – wie vom Kontrollamt aufgezeigt – Missstände in den WGW gegeben habe. Auch der Schließung von Tischlerei und Druckerei habe man zugestimmt, weil ein Übernahme von Personal bzw. Unternehmensteilen durch das Beschäftigungsprojekt „Wien Work“ oder zumindest ein Sozialplan für die freigestellten, teilweise über 50-jährigen Mitarbeiter in Aussicht gestellt worden sei. Von diesen Versprechungen sei aber nichts eingehalten worden.

„Bei den geschützten Werkstätten geht es um die Unfähigkeit der Verantwortlichen“, so Korosec. Was jetzt passiere, gehe aber zu Lasten der insgesamt 200 Mitarbeiter und Behinderten. Ähnlich Schmalenberg: „Wenn WGW neu, dann mit neuer Führung und nicht mit neuen Mitarbeitern.“

“Eiterbeulen” in der Gemeinde Wien
Für Korosec sind diese Vorgänge typisch für die SPÖ-regierte Bundeshauptstadt: „Es ist interessant: Egal wo man hinzupft in den Reihen der Gemeinde Wien, bricht eine Eiterbeule auf.“ Die Verantwortung dafür ortet die ÖVP-Mandatarin bei Bürgermeister Michael Häupl (S), denn der sei „der Weltmeister im Wegschauen“.

Pilz ärgerte sich vor allem darüber, dass ein Sozialplan um 300.000 Euro dem neuen WGW-Geschäftsführer Stefan Brinskele zu teuer gewesen sei. Andererseits hätten PSD-Chefarzt Stephan Rudas und der frühere WGW-Geschäftsführer Gerhard Höhle Pensionsabfindungen um insgesamt 1,4 Mio. Euro erhalten. Pilz forderte daher gemeinsam mit Korosec und Schmalenberg die Rücknahme der Kündigungen und die Einberufung einer Vorstandssitzung. Dort werde sie den Rücktritt von Rudas aus seinen WGW-Funktionen fordern, so Pilz.

Stubenvoll: “Scheinheilige” Aufregung
Seitens der SPÖ wurde die Kritik zurückgewiesen. Erika Stubenvoll, Vorsitzende der Behindertenkommission des Wiener Gemeinderates, bezeichnete die Aufregung als „scheinheilig“, weil ja alle Parteien dem neuen Konzept zugestimmt hätten. Dieses beinhalte Verbesserungen, die das Kontrollamt vorgeschlagen habe, betonte sie. Außerdem beträfen die angesprochenen Kündigungen keinen einzigen Behinderten-Arbeitsplatz.

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