Kein Zurück zum Schulsystem "von gestern"

Corona-Masken und regelmäßige Tests sind nicht die einzigen Veränderungen mit denen Österreichs Schüler seit Beginn der Pandemie konfrontiert sind.
Corona-Masken und regelmäßige Tests sind nicht die einzigen Veränderungen mit denen Österreichs Schüler seit Beginn der Pandemie konfrontiert sind. ©APA/HANS PUNZ
Am Donnerstag warnten Elternvertreter vor einer Rückkehr zu einem Schulsystem, wie es vor Corona ausgesehen hat. Es brauche einen Fokus etwa auf mentale und körperliche Gesundheit der Schüler.
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"Die Welt ist eine andere geworden, es gibt kein Zurück", betonte Christoph Drexler vom Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV). Statt "Strukturen von gestern" brauche es einen Fokus etwa auf mentale und körperliche Gesundheit der Schüler, Problemlösungskompetenz, Möglichkeiten zur Entfaltung und Freude am Lernen.

Corona-Pandemie war "positiver Funke" für das Schulsystem

Der Beginn der Pandemie sei ein "positiver Funke" für das österreichische Schulsystem gewesen, konstatierte der Vorarlberger Landesverbandsvorsitzende Martin Wolf bei der Pressekonferenz in Wien. Plötzlich sei es um Zukunftskompetenzen wie Eigenverantwortung, Selbstorganisation, Empathie und Eintreten für andere gegangen. Eineinhalb Jahre später seien diese allerdings von Resignation, Dienst nach Vorschrift, Druck und Frust abgelöst worden. Viele zukunftsrelevante Unterrichtselemente wie Kreativität, Praxistage, Kreativität oder Einbindung externer Experten seien in der Pandemie reduziert oder gestrichen worden. Gleichzeitig hätten psychische Erkrankungen, Bewegungsmangel und Motivationsverlust zugenommen.

Elternverband fordert mehr Energie in Umbau des Unterrichtsystems

Der Bundeselternverband fordert angesichts dieser Befunde, mehr Energie in einen Umbau des Schulsystems zu stecken, das den wahren Interessen der Schülerinnen und Schüler entgegenkomme. Derzeit versuche das Bildungsministerium, die Interessen der Kinder in das bestehende System hineinzupressen statt dieses zu verändern, beklagte Wolf. Der Salzburger Landesverbandsvorsitzende Helmuth Schütz betonte auch die Vorbildwirkung der Erwachsenen im weiteren Umgang mit der Pandemie, denn es sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, wenn Kinder und Jugendliche mit einem Gefühl der Angst und Unsicherheit ins Leben entlassen werden.

Kinder sollen Selbstorganisation und Eigenverantwortung lernen

In der Schule müssten die Kinder und Jugendlichen künftig stärker die Möglichkeit bekommen, Zukunftsperspektiven zu entwickeln, Problemlösung, Selbstorganisation und Eigenverantwortung zu erlernen und mit Neugier und Freude zu lernen, so die Forderung des BEV. Als notwendige Rahmenbedingung dafür müssten Lehrer stärker miteinander kooperieren als bisher. Außerdem brauche es mehr projektbezogenen und fächerübergreifenden Unterricht, der vor allem für Themen wie Umweltschutz geeignet ist, die den Schülern ein besonderes Anliegen seien. Außerdem im Forderungskatalog: Stärkere Einbindung von außerschulischen Experten (Unternehmen, NGOs etc.) und eine "Öffnung zu den echten Themen des Lebens", Gesundheitsvorsorge an den Schulen (School Nurses), flächendeckender Ausbau von Schulsozialarbeit und -psychologie und eine Entlastung der Lehrer von Verwaltung. Der Appell des BEV richte sich dabei nicht allein an das Bildungsministerium, betonte der Wiener Landesverbandssprecher Marcus Dekan. Auch Familien- und Gesundheitsministerium seien hier gefordert.

Baldige Änderungen beim Schulsystem nicht zu erwarten

Mit dem Bildungsministerium sei man in ständigem Austausch zu diesen Fragen, betonte Drexler auf Nachfrage. Baldige Änderungen im Sinne des BEV erwartet er allerdings nicht. So sieht er die Verschiebung der Schulentwicklungspläne, die jüngst im Rahmen der Entlastung der Lehrer von Verwaltungsausgaben verkündet wurde, skeptisch. Bei der angekündigten Lehrplanreform wiederum würden Mitarbeiter des Bildungsministeriums zwar das Schulsystem weiterentwickeln wollen, gleichzeitig gebe es aber gegenteilige Signale, indem ein Rütteln an den Stundentafeln quasi ausgeschlossen wird. Dabei sollte gerade der Pädagogenmangel als Möglichkeit gesehen werden, hier offener zu denken als bisher.

(APA/Red)

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