Kaufen oder mieten: WU-Wien-Studie zeigt, was billiger ist

Kaufen oder mieten: Was ist günstiger?
Kaufen oder mieten: Was ist günstiger? ©APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER
Es ist die ewige Streitfrage: Immobilie kaufen oder mieten. Eine Studie der WU Wien zeigt, dass Eigenheimbesitzer im Schnitt 448 Euro, Mieter 646 Euro pro Monat zahlen, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Da ist allerdings noch kein Kredit abbezahlt.

Finanziell besonders schwer tun sich laut einer Analyse von Forschern der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien hierzulande junge Menschen sowie Alleinerziehende oder Singles, die zur Miete wohnen. Wer im Eigentum lebt, gibt im Schnitt deutlich weniger seines Einkommens fürs Wohnen aus. Stark belastet durch die Wohnungskosten sieht sich die Gruppe der Eigentumsbesitzer trotzdem, erklärte Ko-Studienautor Emanuel List der APA.

Wohndaten aus dem Jahr 2017

Entstanden ist die Analyse im Auftrag des Sozialministeriums. Als Basis dienten die Daten der Erhebung der Lebensbedingungen der Privathaushalte in der Europäischen Union (SILC) aus dem Jahr 2017. List und Wilfried Altzinger vom Forschungsinstitut "Economics of Inequality" der WU haben die Ergebnisse der Untersuchung nun auch in dem vom sozialliberalen Momentum Institut herausgebrachten Fachmagazin "Momentum Quaterly - Zeitschrift für Sozialen Fortschritt" veröffentlicht.

Demnach liegt das verfügbare Haushaltseinkommen bei Mietern im Schnitt bei rund 2.900 Euro monatlich, während es Eigentümer-Haushalte auf durchschnittlich 4.400 Euro pro Monat bringen. Wenig überraschend macht der Anteil an Mietern im unteren Einkommensdrittel um die 60 Prozent aus. Der repräsentativen Erhebung zufolge lebt unter den Vertretern des einkommensstärksten Drittels der Österreicher nur jeder Fünfte nicht im Eigentum.

Kaufen vs. Miete: Was ist günstiger?

Während die Eigentümer eines Hauptwohnsitzes im Schnitt 448 Euro dafür berappen, gibt der durchschnittliche Mieter 646 Euro monatlich nur für das Wohnen aus. Die Kombination aus im Schnitt weniger Einkommen und höheren Wohnkosten führt zur deutlich höheren Belastung letzterer. Man sehe hier eindeutig "strukturelle Unterschiede" zwischen den Gruppen, sagte List: "Die relativen Wohnkosten sind bei den Eigenheimbesitzern einfach viel niedriger". So sind dies bei den Mietern im Durchschnitt über 22 Prozent, während Eigentümer um die zehn Prozent ihres Haushaltseinkommens aufwenden. Auch wer Eigentum allerdings mit einem Kredit finanziert, musste Stand 2017 im Schnitt etwas mehr als 19 Prozent seiner Einkommens für die Tilgung und Nebenkosten zahlen. Also immer noch ein geringer Vorteil gegenüber der Miete.

Eigentümer sehen sich dennoch im Schnitt stärker durch die Ausgaben belastet. Das gelte auch für Personen, die ihre Wohnung oder Haus bereits abbezahlt haben, sagte List. Die Mieter wiederum geben zwar anteilig deutlich mehr aus, bewerten das aus subjektiver Warte offenbar anders. "Hier sind die Empfindungen sehr unterschiedlich."

Junge, Alleinerziehende und Singles zahlen am meisten

Bei der näheren statistischen Betrachtung der Lebensumstände zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit, relativ viel fürs Wohnen aufzuwenden (über 30 Prozent des Einkommens und mehr) vor allem bei Jungen, Alleinerziehenden und Singles, die in Miete leben, am höchsten waren. Das sei überraschend, da die Gruppe der älteren Menschen, die etwa von Altersarmut betroffen sein könnten, nicht so stark repräsentiert war. "Wir sehen, dass vor allem junge Menschen sehr viel für die Wohnkosten ausgeben, und hier an ihre Grenzen kommen. Die Gruppe, die bei solchen Analysen leider fast immer stark ausschlägt, sind die Alleinerziehenden - also Singe-Haushalte mit Kindern. Da geht der Koeffizient durch die Decke", so List.

Geförderte Wohnbau hilft

Klar hervorheben müsse man, dass die Schere in Österreich - und hier vor allem Wien mit seinem traditionell größeren Anteil sozialen Wohnbau - noch relativ wenig stark auseinandergeht. "Wir sehen auch, dass die Mieterinnen und Mieter, die im geförderten Bereich leben, etwas geringere Wohnkosten haben", so der Forscher. Geförderte Mietmodelle sollten demzufolge auch weiter ausgebaut werden, ebenso hätte die Befreiung von der Mehrwertsteuer für Mieten einen positiven Effekt, zeigen sich die Ökonomen überzeugt. Möchte man also den Anteil der Wohnkosten tatsächlich senken, "muss man bei den Mietern ansetzen und eher nicht bei der Förderung von Eigenheim", betonte List. Trotz all der Unterschiede: Angesichts weiter deutlich stärker steigender Miet- und Immobilienpreise im Vergleich zu den Löhnen wird leistbares Wohnen ohne eine Erbschaft im Hintergrund "für alle immer schwieriger", sagte der Forscher.

(APA/Red)

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