Karsai reist zu Massengräbern

Der afghanische Übergangspräsident Hamid Karsai ist nach Zentralafghanistan geflogen, wo er drei Massengräber nahe der Provinzhauptstadt Bamiyan besichtigen will.

Vertreter der Vereinten Nationen (UNO) haben die Gräber nahe der Provinzhauptstadt Bamiyan bereits in Augenschein genommen, aber noch keine Einzelheiten bekannt gegeben. Die Toten in den Gräbern wurden Anwohnern zufolge etwa einem Monat vor der Entmachtung der Taliban im Dezember 2001 getötet. Die Massengräber waren am Freitag nahe des Flughafens von Bamiyan entdeckt worden.

Nach UNO-Angaben werden ausländische Gerichtsmediziner hinzu gezogen, wenn sich der Verdacht auf Kriegsverbrechen ergibt. Die Gräber liegen in der Nähe des alten buddhistischen Wallfahrtsort, dessen in Stein gehauene Buddha-Statuen die Taliban trotz weltweiter Proteste zerstörten.

Bamiyan ist die Heimat des Hasara-Volkes, das sich mehrheitlich zur schiitischen Glaubensrichtung des Islam bekennt und die Taliban im Bürgerkrieg erbittert bekämpft hatte. Diese rekrutieren sich aus dem Mehrheitsvolk der Paschtunen und vertreten die konkurrierende sunnitische Version des Islam.

Die Taliban konnten das Hasara-Gebiet erst 1998 und nur unter hohen Verlusten besetzen, zwei Jahre nach ihrer Machtübernahme in Kabul. Die Taliban sind mehrfach beschuldigt worden, in Bamiyan Blutbäder angerichtet zu haben, um sich an den Schiiten zu rächen.

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