Karel Gott als Havel Nachfolger?

Der Himmel, scheint es, ist in osteuropäischer Hand: Denn der Papst ist Pole und „Gott“ ein Tscheche. Jetzt soll dieser „Gott“ Präsident seines Landes werden.

Dies fordert jedenfalls eine Prager Künstlerinitiative, die am Mittwoch noch einmal betonte: „Wir meinen es ernst – Karel for president!“ Doch kann Tschechien tatsächlich „Gottes-Staat“ werden? – bei seinen Landsleuten ist der Sänger jedenfalls ausgesprochen populär.

„Herr Gott ist bei Deutschen beliebt und würde zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen beitragen“, meint Ales Brichta, Sprecher der Initiative. Tatsächlich besitzt der Sänger mehrere Goldene Schallplatten der Deutschen Grammophongesellschaft, Preise der ZDF-Hitparade und ist Ehrenmitglied der Nürnberger Karnevalsgesellschaft. Brichta, Sänger der Rock-Gruppe „Grizzly“, sieht in seinem Pop- Kollegen den „logischen Nachfolger“ des bisherigen Präsidenten Vaclav Havel – was viele Tschechen jedoch anders sehen.

Denn während Havel während der sozialistischen Ära fast fünf Jahre inhaftiert war, scheute Gott die Nähe zum Regime nicht. Für Brichta ist das kein Argument: „Der war nie in der Kommunistischen Partei und hat nur gesungen.“ Havel war am Montag nach 13 Jahren ausgeschieden, seitdem ist das Amt verwaist. Gott unterstreicht, dass die Initiative vor allem eine Reaktion auf das Versagen des Prager Parlaments sei, einen Nachfolger zu wählen. Doch aus der humorvollen Politikerkritik könnte schneller ernst werden, als dem 63-Jährigen lieb ist.

Denn auch am Mittwoch fanden Tschechiens Parteien in ihren Reihen keinen geeigneten Bewerber, und so steuert das Land auf eine Volkswahl zu. Hier hätte die „Goldene Stimme aus Prag“ gute Chancen, meint der Politologe Zdenek Zboril. Karel Gott selbst dagegen hofft, dass ihm die Abgeordneten „das schwere Dilemma einer Kandidatur“ ersparen. Bei dem „unrealistischen Fall“ eines Wahlsieges würde er zwar einiges ändern, das Staatswappen aber nicht, betont der Sänger:
„Wer glaubt, da kommt die Biene Maja rein, irrt.“

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