Kaprun-Katastrophe: Gletscherbahnen bitten um Verzeihung

Deutlich spürbar war die Betroffenheit auch bei den Vertretern der Gletscherbahnen Kaprun. Betriebsleiter Günther Brennsteiner suchte selbst die Gedenkstätte auf und ging den Hinterbliebenen nicht aus dem Weg, sondern stellte sich dem persönlichen Gespräch.

Auch im Interview mit der APA war seine Betroffenheit greifbar, mit erstickter Stimme sagte er: “Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, ich möchte aufrichtig um Verzeihung bitten.”

Das tragische Ereignis gehöre nun zu seinem Leben, aber er möchte mit seinem Tun und Wirken und gemeinsam mit dem Unternehmen alles tun, “dass nie mehr etwas so Schreckliches passiert”. Auch Geschäftsführer Peter Präauer nahm an der Gedenkveranstaltung teil.

Tenor der Aussagen der Angehörigen, mit denen die APA heute sprach, war die Kritik am Strafverfahren. Man hätte die Tragödie besser verarbeiten können, wenn die “Wahrheit” ans Tageslicht gekommen wäre. Sie sagen zwar, dass Schuldsprüche selbst nicht so wichtig seien, anderseits verlangen sie aber doch, dass jeder zur Verantwortung stehen solle. So sieht es etwa auch Maria Reiser aus Bayern, deren 13-jähriger Sohn Matthias verbrannt ist: “Ich hoffe, dass es irgendwann Gerechtigkeit gibt. Wenn jemand Fehler gemacht hat, muss er dafür auch gerade stehen.” Für sie ist der Jahrestag schon “Teil meines Lebens” geworden. Sie besuche an jedem 11. November die Gedenkstätte.

Mit einem “Gefühl der Ohnmacht” verließ der frühere Landesrettungskommandant Gerhard Huber – er leitete damals den Rot-Kreuz-Einsatz – heute die Gedenkstätte. Er stellte sich drinnen die Frage, “hat das alles so sein müssen”. Den Hinterbliebenen könne man nur sagen, dass bei dem Unglück niemand habe leiden müssen, weil der Tod blitzartig eingetreten sei. “Aber Trost gibt es keinen.”

Und Bürgermeister Norbert Karlsböck schilderte, dass für die Bevölkerung des Ortes die Situation immer noch sehr schwierig sei. “Wir fühlen alle mit den Angehörigen mit.”

Der Leiter des heute eingesetzten Kriseninterventionsteams, Robert Jonischkeit, sagte, heute habe niemand um psychische Betreuung gebeten. Mehrere Hinterbliebene hätten aber ersucht, dafür zu sorgen, dass sie in der Gedenkstätte nicht von Medienvertretern bedrängt würden.

Nicht ganz verstanden haben etliche Teilnehmer, dass die Gletscherbahnen eine der beiden Zubringer-Seilbahnen aufs Kitzsteinhorn auch während der Veranstaltung fahren ließen. Brennsteiner sagte dazu, eine Bahn habe man ohnedies gestoppt, aber man hätte auch die Wünsche der Skiläufer und Sportler, die zum Training hier seien, berücksichtigen müssen.

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