Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte

Wie schon in seinen letzten Filmen prangert der streitbare Polemiker wieder die Missstände der Welt an und zeigt diesmal die dunklen Seiten des Kapitalismus.
Szenenbilder
“Ich bin kein Ökonom, ich weiß nur was ich sehe”, sagte Michael Moore vor einer Journalistenrunde am Lido von Venedig. In seinem neuen Werk rechnet der Filmemacher vor: “Alle siebeneinhalb Sekunden werden in den USA Menschen aus ihren Wohnungen delogiert.” Investmentbanker reden den Menschen die obstrusesten Refinanzierungssysteme ein, durch die sie dann ihre Bleibe verlieren. Und das ist erst der Anfang vom Ende.

Besonders gut und schwungvoll ist Moore diesmal der Einstieg in das komplexe Thema gelungen. Direkt wird der Zuseher von einem Sprecher motiviert dranzubleiben, im nächsten Schnitt sieht man Szenen aus einer Überwachungskamera und Bankräuber, die Geld zusammenraffen. Wahrscheinlich weil sie wohl zu jenen 50 Prozent gehören, denen laut Michael Moore bald nichts mehr anderes übrig bleibt in ihrem “täglichen Kampf ums Überleben”, als eine Bank auszurauben.

“Das Gesundheitswesen sollte nicht dem Profit ausgesetzt sein”, sagte Moore beim Pressegespräch. In den USA könnten sich Millionen Menschen keine Medikamente leisten und sterben dann nicht wegen der Schwere der Krankheit, sondern den nicht leistbaren Medikamenten. Ein Menschenleben sei den Firmen in den USA nicht viel wert, wird im Film erläutert. Dubiose Versicherungsspekulationen machen Arbeiter für die Großbanken oder Kaufhausketten wertvoller, wenn sie tot sind.

“Kapitalismus ist ein System des Nehmens und Gebens, meist des Nehmens”, formuliert Moore in seinem provokativen und plakativen Essay, der zu einer Abrechnung mit Banken und Konzernen gerät. Die sanfte Differenzierung ist nicht unbedingt Moores Ding, vielmehr stellt er enteignete Familien und schlecht bezahlte Arbeiter undurchsichtigen Kreditgebern und Wirtschaftsbossen gegenüber.

Am Ende wird Barack Obama als großer Hoffnungsträger präsentiert und die Macht des Volkes propagiert. “Einer meiner glücklichsten Tage war, als Barack Obama den Präsidenten von General Motors rausgeschmissen hat”, freute sich Michael Moore in dem Pressegespräch. Beim Anblick der versammelten Medien verspricht er, auch in den nächsten Tagen am Lido Tageszeitungen möglichst viele Interviews zu geben. “Denn viele wird es schon im nächsten Jahr nicht mehr geben”, setzte er nach.

“Es ist der perfekte Date-Film. Er hat alles – Lust, Leidenschaft, Romantik und 14.000 Jobs, die jeden Tag gestrichen werden”, scherzte Moore. Sein knapp zweistündiger Wettbewerbsbeitrag ist ein pointierter, wenn auch etwas langatmiger Rundumschlag gegen kapitalistische Auswucherungen in den USA. Vom Stil her hat sich nichts geändert, die schnellen Schnittsequenzen – zumeist unterlegt von dramatischer Musik – sind aus den Vorgänger-Filmen bekannt. Und dennoch: In der schonungslosen Kritik steckt auch viel Wahrheit, wie ab 13. November in Österreich im Kino überprüft werden kann.

Der Trailer:

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