Kanzler traf in Steiermark ukrainische Kinder

Faymann beliebtes Fotomotiv für ukrainische Kinder
Faymann beliebtes Fotomotiv für ukrainische Kinder
Schöne Eindrücke, Freundschaften, vor allem aber Ruhe: Das erwarten sich jene 200 Kinder aus den ostukrainischen Konfliktgebieten Donezk und Luhansk (Lugansk), die derzeit ihren Urlaub im steirischen Bundessportszentrum Schielleiten verbringen. "In Kiew spürt man den Druck, die psychologische Belastung", berichtet die aus Donezk in die Hauptstadt geflüchtete Mariana. "Hier kann man loslassen."


Die Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren sind erst am gestrigen Donnerstag nach einer 20-stündigen Busfahrt in der Oststeiermark eingetroffen. Am Freitag durften sie sich über hohen Besuch aus Wien freuen, und die Freude war durchaus gegenseitig. Für Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) war es wohl auch wie Weihnachten, als ihn die ukrainischen Jugendlichen mit Autogrammkarten belagerten und ein Selfie nach dem anderen schossen. Beim Gruppenfoto wurden “Dankeschon”-Sprechchöre angestimmt. Eine kleine Auszeit von der Kanzlerdebatte, die der SPÖ-Chef zuvor vor Journalisten etwas bitter kommentiert hatte. “Wenn man in so einer Funktion ist, muss man immer mit allem rechnen, aber man hat einen Vorteil: Man braucht sich daran nicht beteiligen.”

Die ukrainischen Jugendlichen zeigten sich begeistert vom warmen Empfang, der ihnen in Österreich bereitet wurde. Dabei habe schon die Einladung sie durchaus überrascht. “Ja, es kam unerwartet, dass sich andere Leute für uns interessieren, und ihnen nicht egal ist, was bei uns passiert”, sagte die 13-jährige Valentina. Österreich ist für die Mädchen dennoch kein unbeschriebenes Blatt. “Berge, und dass man hier das Wasser aus der Leitung trinken kann”, berichtete die 14-jährige Mariana auf die Frage nach ihren Vorkenntnissen über die Alpenrepublik.

Etwas Ruhe und Erholung sollten die Jugendlichen in Schielleiten genießen, sagte Sportminister Gerald Klug (SPÖ). Die Initiative sei durchaus auch als Ausdruck der österreichischen Sicherheitspolitik zu sehen, bei der es darum gehe, Brücken zu schlagen. Bundeskanzler Faymann sieht den 135.000 Euro teuren Besuch, der von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mitfinanziert wurde, auch und gerade als Investition in die Zukunft.

“Die ukrainischen Kinder werden Österreich in Erinnerung behalten als Land von Freunden”, betonte Faymann. Die Initiative sei eine “begleitende Maßnahme” bei den internationalen Bemühungen, die Kampfhandlungen in der Ostukraine zu beenden. Dort müssten die Waffen sofort schweigen. “Das ist die einzige Chance, dass diese Kinder wieder einmal nach Österreich kommen können, aber auf Urlaub.”

Unverbindlich blieben Kanzler und Verteidigungsminister, was mögliche weitere Aktivitäten Österreichs zur Beilegung des Konflikts betrifft. Faymann sagte, dass die Einladung an die Kinder nur “eines von vielen Beispielen” dafür sei, dass Österreich das Schicksal der Ukraine “nicht egal” sei. Zugleich betonte er, dass die Lösung des Konflikts “gemeinsam mit Russland” erfolgen muss. Klug verwies auf jene sieben Bundesheersoldaten, die derzeit OSZE-Militärbeobachter in der Ukraine ausbilden. Er gehe davon aus, dass diese Mission verlängert und aufgestockt werde.

Offen zeigten sich Faymann und Klug auch für ein da capo des Kinderurlaubs in der Steiermark. Der Kanzler machte weitere Einladungen an ukrainische Kinder davon abhängig, wie dieses Angebot “angenommen” wird. Das war vor den “Dankeschon”-Rufen.

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