Kampusch - Haidinger schlug bereits 2006 Evaluierung der Causa vor

Der ehemalige Direktor des Bundeskriminalamts (BK), Herwig Haidinger, hat bereits im Herbst eine Evaluierungskommission zum Fall Natascha Kampusch vorgeschlagen.

Das berichtete der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz am Freitag auf seiner Homepage. Laut Pilz ist Haidinger dabei aber vom Büro der damaligen Innenministerin Liese Prokop blockiert worden. Demgegenüber liegen der APA Informationen vor, dass Haidinger beschieden wurde, eine Kommission sei prinzipiell zwar eine gute Idee, aber nicht unter der Ägide des BK und damit Haidingers selbst.

Die Evaluierung der Kampusch-Ermittlungen sollte laut informierten Kreisen des Ministeriums das Institut für Wissenschaft und Forschung der Sicherheitsakademie übernehmen. An dem Institut war demnach zu diesem Zeitpunkt der Kriminalpsychologe Thomas Müller tätig, der auch Mitglied der nun von Innenminister Günther Platter eingesetzten Kommission ist. Müller und das weitere Kommissionsmitglied Rudolf Keplinger seien zuvor nicht direkt in den Fall involviert gewesen, hatte das Ministerbüro am Mittwoch bei der Einsetzung der Kommission betont. Fakt ist jedenfalls, dass eine Untersuchung des Falles zunächst nicht stattfand.

Pilz erklärte, dass Haidinger die Evaluierung verlangt habe. Auf der Homepage des Abgeordneten ist zu lesen: “Schon am 26. September schrieb er (Haidinger, Anm.) an Kabinetts-Mitarbeiter Treibenreif (Cobra-Chef Bernhard): ‘Inhalt dieser Weisung war auch eine zeitliche Komponente: Nämlich bis zu dem Nationalratswahlen damit zuzuwarten. Dieser Termin ist mit kommendem Sonntag erreicht. Danach beabsichtige ich eine Evaluierung des Falles zu beauftragen. Ich hoffe, die Ressortleitung ist damit einverstanden (hebt also die derzeit noch bestehende Weisung auf).'”

Obwohl sich die Ministerin laut Pilz weigerte, den Fall untersuchen zu lassen, habe Haidinger am 21. November 2006 ein Konzept für die Evaluierung vorgelegt. Laut Pilz wurde die Weisung der Ministerin, den Fall nicht untersuchen zu lassen, nicht aufgehoben. “Die Ministerin ließ weiter vertuschen”, schrieb der Grüne Mandatar. Auch unter Günther Platter (V) habe es Haidinger erneut versucht. Der aktuelle Innenminister habe sich aber ebenfalls geweigert, die Weisung aufzuheben.

Nach der APA vorliegenden Informationen aus Behördenkreisen hatte Haidinger bereits 2002 Schwachstellen in den Ermittlungen zum Fall Kampusch erkannt und deshalb die Sonderkommission gegründet, die der Burgenländer Nikolaus Koch leitete. Aber keiner der Verantwortlichen sei bereit gewesen, dem Fall wirklich auf den Grund zu gehen, wie zu hören ist. Koch soll etwa Anweisungen aus dem Ministerium befolgt, jene seines Vorgesetzten Haidinger aber ignoriert haben. Der BK-Chef wollte den Soko-Leiter deshalb bereits im September 2006 los werden. Was offenbar wegen anderer Vorstellungen im Ministerium nicht möglich war.

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