Kampusch: Anwalt von Platter "enttäuscht" - will unabhängige Experten

Als "schrecklich" beurteilte Natascha Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger die neu aufgetauchten Hinweise auf Fehler und Vertuschungsaktionen bei den Ermittlungen rund um die Entführung seiner Mandantin.

Scharfe Kritik übte der Jurist dabei am Freitag im Gespräch mit der APA an Innenminister Günther Platter (V): “Wir sind sehr enttäuscht, dass Minister Platter auf unsere Forderung und Ersuchen ausgewählte externe Personen in die Evaluierungskommission aufzunehmen überhaupt nicht reagiert hat”, kritisierte Ganzger.

“Es geht nicht darum, den von Bundesminister Platter bestellten Beamten von vorneherein Befangenheit zu unterstellen”, erklärte Ganzger. Vielmehr sei es notwendig sicherzustellen, dass die Kommission “tatsächlich unabhängig und weisungsfrei” sei. “Von Tag zu Tag tauchen ja neue Verdachtsmomente auf, dass im großen Stil vertuscht worden ist und im großen Stil Pannen passiert sind”, kritisierte der Anwalt.

Seiner Mandantin gehe es angesichts der ständig auftauchenden Hinweise auf Pannen relativ gut: “Sie will wirklich Aufklärung”, sagte Ganzger. “Natürlich ist sie betroffen, dass jeden Tag Neues herauskommt. Dafür ist sie erstaunlich gefasst.” Wichtig sei daher eine rasche Konstituierung der Kommission und der sofortige Beginn der Arbeit “mit Hochdruck”. Weiters forderte der Anwalt volle Akteneinsicht und Transparenz für Natascha Kampusch.

“Es muss von vorneherein der leiseste Verdacht vermieden werden, dass nicht wirklich alles aufgeklärt wird”, so Ganzger. Daher appelliere man noch einmal an Platter, die Kommission durch die Hereinnahme von externen Fachleuten zu erweitern und seine Beamten völlig weisungsfrei zu stellen. Sichergestellt werden müsse auch, dass die Ermittler das gesamte Material der Causa zur Verfügung gestellt bekommen.

Bereits am Donnerstag habe er Vorschläge für mögliche unabhängige Experten geäußert, die bei der Aufklärung helfen könnten, sagte Ganzger. Zu seinen Empfehlungen zählen unter anderem der frühere Rechnungshofpräsident Franz Fiedler, der nun als Präsident des Beirates von Transparency International Austria tätig ist, Zivilrechts-Professor Bernd Schilcher, Verfassungsexperten Heinz Mayer und der Wiener Strafrechtler Helmut Fuchs. Auch Manfred Nowak, Leiter des Wiener Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte und UNO-Sonderberichterstatter, kommt für den Anwalt als Kandidat infrage. Grundsätzlich sei man diesbezüglich allerdings offen, meinte er.

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