Kampfhunde: Ist Verbieten nötig?

Eine Reihe von Bissattacken von aggressiven Hunden auf Kinder wirft in Wien die Frage auf: Sind bestimmte Hunderassen einfach zu gefährlich? In der Wiener Bezirksblatt-Umfrage gehen die Meinungen darüber auseinander.
Ab 1. Juli: Hundeführ­schein-Pflicht
Immer häufiger "Hundeattacken" in Wien

Fix ist: Nur die wenigsten Hunde beißen zu. Falls aber doch, würden die Wiener lieber von einem Dackel gebissen werden als von einem Rottweiler. Der Fall eines vierjährigen Salzburger Mädchens, das letzte Woche von einem Rottweiler skalpiert worden ist, ist eine traurige Bestätigung dafür. Wegen der Gefährlichkeit von Kampfhunden haben sich ja bei der Volksbefragung im letzten Jahr 89 % der Wiener für einen verpflichtenden Hundeführschein ausgesprochen.

Ab 1. Juli wird in Wien gestraft

Die zuständige Stadträtin Ulli Sima hat daraufhin mit Experten ein Gesetz erarbeiten lassen. Wiener Herrchen und Frauchen von Mastino, Pitbull & Co. müssen jetzt ihre Befähigung zur Haltung dieser Hunderassen beweisen. Der „Hundeführschein“ ist geboren. Er gilt für 12 Hunderassen, die zwar nur fünf Prozent aller Hunde in Wien ausmachen, aber für ein Viertel aller Hundebisse verantwortlich sind. Und das sind – wie oben erwähnt – keine lievollen Schnapper, sondern Zähne, die mit bis zu 500 Kilogramm Beißkraft die Knochen brechen können.

Anfang Juli wird es jedenfalls eng für uneinsichtige Halter von Problemhunderassen. Wird ein Hundehalter nach Inkrafttreten der neuen Regelung mit einem Kampfhund ohne Hundeführschein aufgegriffen, muss er tief in die Tasche greifen. Beißt sein Hund, wird er dem Hundehalter injedem Fall abgenommen. Aber reichen diese Regelungen? Bei der Wiener Bezirksblatt -Umfrage gab es sehr wohl deutliche Stimmen für ein generelles Verbot dieser Hunde. Rechtlich wäre es möglich. Der Verfassungsgerichtshof hat sich ja dem Hundeführschein gewidmet und diesen als verfassungsgemäß beurteilt. Der Gleichheitsgrundsatz gilt also dezidiert nur für Menschen, nicht für Hunde. Stadträtin Ulli Sima setzt aber lieber auf das Miteinander statt auf Verbieten: „Uns geht es um das friedliche Miteinander von Mensch und Hund in der Großstadt. Der vom Höchstgericht nun bestätigte Hundeführschein ist ein aktiver Beitrag dazu.“

Auch der Wiener Tierschutzverein setzt auf Miteinander. Kampagnenleiter Alexander Willer: „Problematisch ist der Zugang vieler Menschen zum Hund. Gerade im Zusammenleben zwischen Kindern und Hunden sind Konflikte programmiert, wenn es an der nötigen respektvollen Einstellung fehlt.“ Da hat der Mann recht. Allerdings wollen viele Eltern nicht einsehen, warum ihre Kleinkinder durch ihre Bewegungen genau in das Beuteverhalten bestimmter Hunde passen und deshalb besonders gefährdet sind. Für sie ist klar: Nicht wir wollen mit unseren Kindern ausweichen, sondern die Hunde dürfen den Lebens und Spielraum der Kinder nicht beschränken. Mit einem Verbot wäre das gegeben.

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