Kampagne: Meningokokken-Impfung kann Leben retten

Bei der Meningokokken-Impfung gibt es mehrere Möglichkeiten.
Bei der Meningokokken-Impfung gibt es mehrere Möglichkeiten. ©APA/BARBARA GINDL
Eine neue Kampagne soll das Bewusstsein der Bevölkerung für eine potenziell lebensgefährliche Meningokokken-Infektion erhöhen, die per Impfung verhindert werden kann.

In Österreich werden pro Jahr zwischen 20 und 100 Fälle von schwerer Meningokokken-Erkrankung registriert. Betroffen sind vor allem Babys und Jugendliche. Die Infektion mit Meningitis oder gar Sepsis kann einen extrem schnellen Verlauf nehmen und lebenslang schwere Folgeschäden auslösen.

Mediziner warnen: Erreger sind hochinfektiös

"Die Meningokokken gehören zu den Bakterien, die besonders gefährliche Erkrankungen auslösen können, die 'wahnsinnig' schnell verlaufen. Die Erreger sind sehr infektiös - so infektiös, dass alle Kontaktpersonen eine vorbeugende Gabe von Antibiotika erhalten und danach geimpft werden sollten", sagte der Grazer Kinderarzt Hans Jörg Dornbusch Mittwochvormittag bei einem Online-Hintergrundgespräch, das vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) organisiert worden war.

Einer der Hintergründe: In internationalen Umfragen hat sich gezeigt, dass etwa die Hälfte der Eltern mit der Corona-Pandemie Meningokokken-Impfungen abgesagt oder verschoben haben. Am kommenden Samstag (24. April) ist Welt-Meningitis-Tag, an diesem Tag beginnt auch die Welt-Impf-Woche.

Meningokokken- Erkrankungen können rasch lebensbedrohlich werden

Invasive Meningokokken-Erkrankungen sind selten, können aber rasch lebensbedrohlich werden und innerhalb von wenigen Stunden zum Tod führen. Die Erreger sind in vielen Industrieländern die Hauptursache für eine lebensbedrohliche bakterielle Meningitis (Gehirnhautentzündung). Die Mortalität bei schweren Verlaufsformen beträgt auch bei optimaler medizinischer Behandlung etwa zehn Prozent. Etwa 20 Prozent der Betroffenen tragen körperliche oder neurologische Folgeschäden davon. Gefürchtet sind Epilepsien, Hörschäden etc. sowie im Rahmen der akuten Erkrankung notwendig gewordene Amputationen (Beine, Finger). In den Jahren 2008 bis 2019 sind in Österreich 648 Personen an invasiven Meningokokken-Erkrankungen erkrankt. Es gab 74 Todesfälle. Das höchste Erkrankungsrisiko haben Säuglinge im ersten Lebensjahr und Jugendliche.

"Heftige Kopfschmerzen, Übelkeit, schweres Krankheitsgefühl und hohes Fieber sind bei Jugendlichen die Hauptsymptome. Eigentlich muss man bis zum Auftreten von Durchfall wegen einer Magen-Darminfektion in solchen Fällen auch an die Möglichkeit einer Meningokokken-Ekrankung denken. Je jünger die Kinder aber sind, desto unspezifischer sind die Symptome", sagte der Kinderarzt.

Eine Mutter schilderte bei dem Online-Gespräch, wie sehr ihr mittlerweile 13-jähriger Sohn nach einer Meningokokken-Meningitis im Alter von drei Monaten noch immer an den Spätfolgen leidet: "Die Epilepsie hat sich, Gott sei Dank, 'ausgewachsen'. Aber er hatte extremes ADHS. Er spricht rhetorisch nicht so flüssig wie unsereins und hat Probleme mit der Impulskontrolle." Ein anderer Betroffener, der sein Schicksal schilderte, sitzt nach 20 Jahren noch immer im Rollstuhl, weil ihm die Beine amputiert werden mussten. Außerdem leidet der Patient mit über 40 Jahren noch immer an schweren Hörschäden und ist auf Unterstützung angewiesen.

Kampagne soll Bewusstsein für gefährliche Infektion verbessern

In der "#MeningokokkenJAzumSchutz"-Kampagne soll ab Ende April in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) sowie der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) verstärkt auf die Meningokokken-Erkrankungen aufmerksam gemacht werden (www.meningokokken-erkrankung.at, sowie auf www.facebook.com/MeningokokkenJaZumSchutz).

Ganz wesentlich sind dabei die Impfungen. Hier existieren mehrere Möglichkeiten, weil es Vakzine gegen die verschiedenen Erregertypen gibt. Die aktuellen Informationen des Gesundheitsministeriums: Die Impfung gegen Meningokokken der Gruppe B ist ab dem vollendeten 2. Lebensmonat für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen. Die Impfung ist nicht im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten. Die Immunisierung gegen Meningokokken der Gruppe C wird für Kinder im 13. bis 15. Lebensmonat einmalig empfohlen. Auch sie ist nicht im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten.

Anders ist das bei der Kombinationsimpfung gegen Meningokokken der Gruppen A, C, W135 und Y, die ab dem vollendeten zehnten Lebensjahr für alle Jugendlichen empfohlen wird - speziell vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen und vor Reisen (z.B. Schul-/Gruppenveranstaltungen) in Länder mit erhöhtem Infektionsrisiko. Die Vakzine bzw. Impfung ist in Österreich im kostenfreien Impfprogramm vom vollendeten zehnten bis zum vollendeten 13. Lebensjahr enthalten. Laut dem Grazer Kinderarzt sind 20 bis 30 Prozent der Jugendlichen mit Meningokokken "kolonisiert", tragen also die Keime. Übertragen sie die Bakterien, kann es zur Ansteckung bzw. Erkrankung kommen.

(APA/Red)

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