Kampagne gegen Ausbeutung billiger Arbeitskräfte

Was steckt hinter den Einkäufen?
Was steckt hinter den Einkäufen? ©Bilderbox
Unter welchen Bedingungen werden Billigprodukte hergestellt? Dafür soll in den Köpfen der Verbraucher ein Bewusstsein geschaffen werden. So soll verantwortungsbewusster eingekauft werden.

Europas Verbraucher sollen sich nach dem Willen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) künftig mehr Gedanken darüber machen, unter welchen Bedingungen Billig-Produkte hergestellt wurden. Zum Start ihrer “Verantwortlich einkaufen”-Kampagne am Montag in Genf forderte die IOM die Verbraucher auf, sich zu fragen, “was hinter unseren Einkäufen steckt” und ein bewussteres Einkaufsverhalten an den Tag zu legen. Oft gehe die Herstellung billiger Produkte mit Menschenhandel einher, erklärte die IOM.

“Viele Menschen in Europa sind Opfer von Menschenhandel, und wir sind überzeugt, dass dem weder Armut noch die Ungleichbehandlung der Geschlechter oder Konflikte zugrundeliegen”, erkärte Richard Danziger von der IOM: “Der Menschenhandel wird ganz einfach angetrieben vom Bedarf an Arbeitskräften und exzessiv billigen Produkten”, fügte IOM-Generaldirektor William Lacy Swing hinzu.

Vor allem Jungen und Männer betroffen

Der Zuwachs des Handels mit und der Ausbeutung von Migranten hat im vergangenen Jahrzehnt nach IOM-Angaben nicht nachgelassen, in den vergangenen fünf Jahren waren demnach vor allem Jungen und Männer betroffen. “In bestimmten Wirtschaftszweigen wie dem Bau oder der Landwirtschaft fußen Wachstum und Profite auf illegaler billiger Arbeitskraft”, erklärte Swing. Ausbeutung aber dürfe nicht der Wachstumsmotor der Wirtschaft sein.

Unter anderem schaltet die IOM einen Fernseh – und Internetspot, der Menschen zeigt, die in einem umgekippten Einkaufswagen gefangen sind. Die Organisation präsentiert Fallbeispiele von Menschen, die unter falschen Versprechungen aus ihrem Heimatland in die Fremde gelockt und dort für wenig oder gar kein Geld unter teils menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten mussten.

Leere Versprechungen

Wie die IOM berichtet, verließ beispielsweise die junge Chinesin Ling mit 19 Jahren ihre Heimat, weil ihr im Ausland ein gutes Einkommen versprochen wurde. Statt dessen musste sie dort jedoch 16 Stunden am Tag in einer Textilfabrik arbeiten. Nach der Arbeit war es ihr verboten, anderswohin zu gehen als in ihre kleine Unterkunft, die sie mit sechs weiteren Leuten teilte. Das monatliche Gehalt von 800 Euro erhielt sie nie – in manchen Monaten wurde sie gar nicht bezahlt.

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