"Kaiser" Robert Palfrader: "Jetzt ist Schluss!"

Komödiant, Schauspieler und Autor Robert Palfrader
Komödiant, Schauspieler und Autor Robert Palfrader ©APA
Robert Palfrader, bekannt aus den ORF-Comedy-Sendungen "Wir sind Kaiser" und "Echt Fett", steht ab 5. März als "Liliom" unter der Regie von Michael Schottenberg im Volkstheater auf der Bühne. Mit seiner Rolle als "Kaiser" macht er Schluss. Palfrader im Interview über den Wechsel ans Theater, und die Gründe, warum es mit "Wir sind Kaiser" vorerst ein Ende hat.
TV- Star Robert Palfrader
Strache bei Robert Heinrich

APA: Stammt die Entscheidung, “Wir sind Kaiser” vorerst auf Eis zu legen, von Ihnen oder vom ORF?

Palfrader: Das war ganz allein meine Entscheidung, gemeinsam mit Rudi Roubinek, wir beide haben diese Figuren kreiert. Wir haben gemeinsam gesagt: Jetzt ist Schluss. Wir haben über 50 Sendungen gemacht. Nur damit man weiß, wieviel Aufwand das ist: Allein die kleinen Filmchen, die zwischen den Gästen ausgestrahlt werden. Wenn man die zusammenhängen würde, kommen zwei abendfüllende Spielfilme heraus. Die habe alle ich geschrieben, das ist schon viel Arbeit, es ist schon sehr anstrengend. Die Figuren müssen sich auch aufladen, die Sendung hat 45 Minuten gedauert: Das ist viel Holz, das man da machen muss.

APA: Die “Donnerstag Nacht” hat gerade in den vergangenen Monaten viel Staub aufgewirbelt: Der Auftritt von H.C. Strache bei Ihnen, der Alfons-Haider-Sager über das “verlogene, verschissene Land” bei Stermann & Grissemann. Hat es Sie persönlich gefreut, dass diese Formate dann auch von einem noch breiteren Publikum diskutiert werden?

Palfrader: Das hat’s vorher auch schon gegeben, etwa als “Die vier da” gelaufen ist oder “Dorfers Donnerstalk” noch wöchentlich war. Da hat es auch immer eine recht dichte mediale Berichterstattung gegeben, kommt mir vor. Vielleicht war es in letzter Zeit geballt, aber das würde ich auf den Zufall schieben.

APA: Wie ist es Ihnen nach der Sendung mit Herrn Strache gegangen?

Palfrader: Ausgezeichnet. Ein berühmter österreichischer Journalist hat gemeint, ich wäre zu weit gegangen, weil ich ihm durch den “Ungustl” einen besondern Status verliehen hätte, ich hätte ihn geadelt. Ich finde: Wenn ich es weggelassen hätte, hätte ich noch mehr gezeigt, was für ein Würstchen er ist.

APA: Wie gehen Sie mit dem Erkannt-Werden auf der Straße um?

Palfrader: Es ist furchtbar, wirklich, ich hasse es. Das klingt kokett, ist es aber nicht.

APA: Was glauben Sie, wie lange das nach dem Ende der Serie anhalten wird?

Palfrader: Ich fürchte lange. Wobei: Ich habe so etwas schon in homöopathischen Dosen bei “Echt Fett” erlebt. Als die Sendung nicht mehr on Air war, hat es rapide abgenommen. Ich konnte wieder U-Bahnfahren, ohne dass mir “Beauty!” nachgeschrien worden ist, ich habe im Lokal auch wieder Bier bekommen und nicht Tomatensaft, weil der Kellner lustig sein wollte. Ich hoffe, dass das jetzt auch so sein wird. Ich fürchte aber, dass die Kunstfigur sich so stark in den Köpfen der Menschen verankert hat… Es ist nicht grundsätzlich furchtbar, es sind nur ein paar Leute, ein bis zwei pro Tag, die nicht wissen, wann genug ist.

APA: “Liliom” wurde vor hundert Jahren uraufgeführt. Michael Schottenberg schafft für das Volkstheater nun eine eigene Fassung: Ist Ihr Liliom in der Gegenwart angekommen?

Palfrader: Die Fassung ist ziemlich heutig. “Liliom” ist auf eine gewisse Art und Weise zeitlos, es könnte sowohl damals auch heute gespielt haben, wobei es nun Elemente gibt, die vor 50 Jahren noch nicht möglich gewesen wären. An der Rolle selbst ist nichts geändert worden, es gab nur ein paar Striche, wir haben ein paar Sachen rausgeräumt. Ich tu mir sehr schwer, das selbst zu sagen. Die Bearbeitung ist sehr gültig.

APA: Liliom ist jemand, der sich nur durch Gewalt artikulieren kann. Wie schafft man es, ihn nicht nur einseitig darzustellen?

Palfrader: Das ist eine sehr, sehr intime Frage. Es fällt mir schwer, das zu beantworten. Eigentlich erlaubt der Text – das ist die einzige Quelle, die wir haben, um uns ein Urteil über den Herrn anzumaßen – nur Unsicherheit als weitere emotionelle Interpretation, finde ich. Vielleicht ist er auch gefangen in dem sozialen Umfeld, vielleicht hat ihm das Leben keine andere Chance gelassen. Vielleicht ist Gewalt nicht nur ein Ausdruck seiner Unfähigkeit zu kommunizieren, vielleicht fehlt ihm auch nur die Vorstellung davon, was sein könnte.

APA: Es ist fast auf den Tag genau zwei Jahre her, dass Sie in “Geschichten aus dem Wiener Wald” am Volkstheater Premiere gefeiert haben. Wie ist es Ihnen damals gegangen? Und waren Sie diesmal entspannter oder aufgeregter?

Palfrader: Zum einen weiß ich, dass ich viel mehr falsch machen kann, dass die Verantwortung größer ist. Liliom ist ja eine Titelrolle, der Oskar war nur eine Nebenrolle, wurde in der Rezeptionsgeschichte aber anders aufgenommen. Der große Helmut Qualtinger hat ihn gespielt. Natürlich war es auch ein Risiko, den Oskar zu spielen, aber beim Liliom habe ich auch die Erfahrung aus den “Geschichten aus dem Wienerwald”, was mir sehr geholfen hat, diesmal Ja zu sagen. Außerdem hab ich mit dem Florian Scheuba 110 Mal “Männer fürs Grobe” auf die Bühne des Rabenhof Theaters gebracht. Diese Bühnenerfahrung hat mich ein bisschen selbstsicherer gemacht und mir die Angst genommen.

APA: Bei Ihren kabarettistischen Auftritten und im Fernsehen hat man das Gefühl, dass Sie im Großen und Ganzen Ihr eigener Chef sind. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Michael Schottenberg?

Palfrader: Regisseure habe ich ja öfter. Es ist ja nicht so, dass wir “Wir sind Kaiser” ohne Regie machen oder “Männer fürs Grobe” ohne Regie passiert wäre. Ich bin sehr dankbar für Regisseure. Der sieht ja etwas, das ich nie sehen werde, der sieht eine Gesamtheit. Wenn ich kein Vertrauen hätte, dann bräuchte ich die Rollen gar nicht annehmen. Ich bin jemand, der Regisseuren fast bedingungslos vertraut. Ich diskutiere aber schon viel. So blöd bin ich schon, dass ich den Mund aufmache und glaube, dass ich was Gescheites sage. Aber dann stellt sich eh heraus, dass es ein Blödsinn ist und dann halte ich den Mund, dann funktioniert es auch wieder.

APA: Wie reagieren Ihre Kollegen am Theater eigentlich auf Sie, der da mit einem gehörigen Öffentlichkeits-Schub zu ihnen stößt? Haben Sie negative Erfahrungen gemacht?

Palfrader: Nein, das sind großartige Kollegen, ich empfinde es als Ehre und Auszeichnung, dass ich mit diesen Menschen arbeiten darf. Ich gehe demütig ans Werk und sage oft genug, wie sehr ich ihre Arbeit bewundere. Und gerade am Volkstheater werde ich sehr liebevoll aufgenommen. Es ist ein Wahnsinn, mir geht das Herz über, ich liebe das Volkstheater.

APA: Das klingt so, als würden wir Sie demnächst öfter hier sehen?

Palfrader: Es gibt zwei Theater, wo ich schon spielen durfte und wo ich die Atmosphäre wunderbar finde: Im Rabenhof und am Volkstheater. Ich wüsste wirklich nicht, was man mir noch anbieten könnte aufgrund meiner beschränkten Fähigkeiten, ich habe ja keine Schauspiel- oder Sprechausbildung. Insofern ist das Repertoire, das ich spielen könnte, beschränkt. Mir fällt nichts ein. Vielleicht fällt Schotti oder Thomas Gratzer was ein. Wenn sie blöd genug sind, mir zu sagen, was ihnen einfällt, dann bitte.

(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)

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