Kairo: Mindestens zehn Tote

Mindestens zehn Flüchtlinge aus dem Sudan sind am Freitagmorgen in Kairo getötet worden, als ägyptische Sicherheitskräfte ihr Lager vor einem UNO-Gebäude gewaltsam auflösten.

Mit einem Blutbad endete die gewaltsame Auflösung eines seit drei Monaten anhaltenden Protestes sudanesischer Flüchtlinge durch ägyptische Sicherheitskräfte in Kairo. Dabei sind am Freitag mindestens zehn Personen ums Leben gekommen, darunter ein Kleinkind. 23 Polizisten und 20 Sudanesen wurden nach einer vorläufigen Bilanz verletzt. Es sei eine Massenpanik ausgebrochen, erklärte das ägyptische Innenministerium. Tausende Polizisten waren mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die Flüchtlinge vorgegangen. Die Sudanesen wehrten sich nach Angaben von Augenzeugen mit Knüppeln gegen die Polizisten. Die Beamten transportierten die demonstrierenden Flüchtlinge ab.

Eine Sprecherin des Flüchtlings-Hochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) sagte, man habe die ägyptischen Behörden um eine friedliche Lösung des Problems gebeten. Die Protestaktion hatte Ende September begonnen, nachdem das UNHCR beschlossen hatte, den Sudanesen wegen des Abschlusses eines Friedensvertrages in ihrem Heimatland keinen Flüchtlingsstatus mehr zu gewähren.

Viele Sudanesen sind vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat nach Ägypten geflohen, knapp eine Viertelmillion in den Tschad. Insgesamt sind etwa zwei Millionen Menschen wegen der Verfolgungen in der westsudanesischen Region Darfur (Darfour) auf der Flucht. In dem improvisierten Camp vor dem UNO-Sitz in Kairo befanden sich rund 3500 Sudanesen, darunter Frauen und Kleinkinder. Sie forderten vom UNHCR eine Überprüfung ihrer Asylanträge und eine Bearbeitung ihrer Gesuche, in Drittländer wie die USA, Kanada und Australien ausreisen zu können. Das Hochkommissariat hatte zuletzt erklärt, es könne wegen der Vielzahl der Flüchtlinge nicht für alle einen Transport in ein anderes Land organisieren.

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