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Julia Kührer war am Donauinselfest

Im Fall der seit 2006 abgängigen Niederösterreicherin Julia Kührer versucht das Bundeskriminalamt (BK) nun, die letzten Tage vor dem Verschwinden der damals 16-Jährigen zu rekonstruieren. Das Mädchen ist seit 27. Juni 2006 - einem Dienstag - abgängig. Vor allem zum Samstag davor, dem 24. Juni, haben die Ermittler noch einige Fragen. Bisher wissen sie, dass Kührer an diesem Tag zunächst das Donauinselfest in Wien und am Abend eine Motocross-Veranstaltung in Schrattenthal, einem Nachbarort ihrer Heimatgemeinde Pulkau (Bezirk Hollabrunn), besucht hat.

Vor allem diese Aktion bereitet den Ermittlern Kopfzerbrechen: “Denn Julia Kührer war eigentlich kein großer Motorradfan”, sagte Alexander Marakovits, Sprecher des BK, am Dienstag zur APA. Die 16-Jährige war von 21.00 bis zumindest 23.11 Uhr dort. Unklar ist allerdings, wer sie mit welchem Verkehrsmittel – Auto, Motorrad, Moped, Traktor oder Ähnliches – hingebracht hat. Die Fahnder suchen zu diesem Punkt Zeugen, ebenso zur Veranstaltung selbst. Sie wollen wissen, wer das Mädchen dort gesehen hat, ob sie in Begleitung war, oder ob jemand mit ihr vielleicht gesprochen hat.

Julia Kührer besuchte das Donauinselfest

Etwas klarer sehen die Polizisten mittlerweile, was den Nachmittag des 24. Juni 2006 betrifft. Mit zwei Freundinnen fuhr Kührer mit dem Zug aus Retz – Abfahrt um 12.18 Uhr – nach Wien-Handelskai, wo sie um 13.22 Uhr ankamen. Die drei Mädchen besuchten das Donauinselfest, konkret den Bereich Planet-Rock&Fun-Insel. Dort blieben sie bis etwa 17.00 Uhr und fuhren danach wieder zurück. Dabei sammelte sie der Vater einer ihrer Freundinnen auf und brachte sie mit seinem Auto nach Hause. Nach wie vor hält es das BK für möglich, dass Kührer am Donauinselfest jemanden kennengelernt hat.

Relativ klar sind für die Kriminalisten der Sonntag, der 25. Juni, und Montag, der 26. Juni 2006. Julia ging am Montag in die Schule in Horn, blieb ansonsten aber zu Hause und telefonierte nur einige Male.

Hat sie jemanden kennengelernt?

Die Frage, ob Kührer in den Tagen unmittelbar vor ihrem Verschwinden jemanden kennengelernt hat, könnte für die Ereignisse am 27. Juni selbst von entscheidender Bedeutung sein. Denn die Ermittler gehen davon aus, dass sie es bereits erfahren hätten, wenn die 16-Jährige schon früher jemanden kennengelernt hätte. Denn Kührer war nicht so verschlossen, dass sie es nicht erzählt hätte.

Julia Kührer kam an jenem Tag gegen 13.25 Uhr mit dem Bus aus Horn nach der Schule in Pulkau an. Ein Zeuge beobachtete, wie sie sich nach dem Aussteigen mit drei bis dato nicht bekannten Jugendlichen unterhielt. Die Polizei sucht nun Zeugen, welche dies bestätigen können. Fraglich ist hier der Zeitraum bis etwa 13.45 Uhr. Außerdem sind Personen gefragt, welche die Jugendliche mit oder ohne Begleitung zu dieser Zeit allenfalls in Pulkau im Bereich Pöltingerhof gesehen haben.

Bisher keine Hinweise von Freunden und Verwandten

Aus den Einvernahmen der Verwandten, Freunde und Bekannten von Julia Kührer gab es bisher keine Hinweise auf die Jugendlichen. Die Exekutive nimmt nicht an, dass die 16-Jährige gewaltsam in ein Auto gezerrt und entführt wurde.

Zahlreiche Hinweise gingen auf die Veröffentlichung eines Fotos ein, das Kührer so zeigt, wie sie heute, im Alter von 20, aussehen könnte. “Das betrifft fast alles den Bereich Wien“, sagte Marakovits. Nicht selten fotografieren Passanten Frauen mit dem Handy, von denen sie glauben, dass es sich um die Vermisste handeln könnte, und schicken diese Aufnahmen an das Bundeskriminalamt. Die Beamten rücken dann jeweils sofort zum Ort des Fotos aus. Treffer gab es dabei bisher nicht.

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