Jugendkriminalität: Grenzerfahrung in der Entwicklung

Häufige Delikte: Vandalismus und Sachbeschädigung
Häufige Delikte: Vandalismus und Sachbeschädigung ©Bilderbox
Bei den meisten Jugendlichen, die straffällig werden, endet die kriminelle Karriere mit dem Erwachsenwerden. KfV-Präventionstagung stellt Jugendkriminalität in den Mittelpunkt.

Insgesamt wurden im Jahr 2008 laut Kriminalstatistik 240.554 Personen aufgrund gerichtlich strafbarer Handlungen angezeigt – mehr als ein Viertel der Tatverdächtigen waren Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren. Umgelegt auf die Bevölkerungszahl bedeutet dies, dass im vergangenen Jahr in Österreich etwa jeder zehnte Jugendliche mindestens einmal angezeigt wurde. „Die Zahlen zeigen: Jugendkriminalität ist kein Problem einzelner, auffälliger Jugendlicher. Vielmehr kann man von einem weitverbreiteten entwicklungsbedingten Phänomen sprechen“, sagt Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter der Landesstelle Wien im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Das Jugendalter ist eine sensible Phase, geprägt von Unsicherheit, Ängsten und Einflüssen durch Gleichaltrige. „Jugendliche sind nicht generell kriminell, sondern auf der Suche nach Orientierung. Mehrere Risikofaktoren wie z.B. eine problematische familiäre Situation oder schulische oder materielle Probleme, tragen dazu bei, dass Jugendliche beim Austesten von Grenzen straffällig werden“, erklärt Robatsch.

Häufige Delikte Jugendlicher: Vandalismus, Einbruchs- und Handydiebstahl

Delikte, bei denen häufig Jugendliche angezeigt werden, sind Sachbeschädigung durch Vandalismus: 61 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen bei diesen Delikten waren im Jahr 2008 14- bis 20-Jährige. Bei Einbruchsdiebstahl sowie Handydiebstahl war jeder Zweite, der angezeigt wurde, 14 bis 20 Jahre alt. „Bei den meisten Jugendlichen, die kriminelle Handlungen begehen, ist die Straffälligkeit entwicklungsbedingt und daher auf den Prozess des Erwachsenwerdens beschränkt. Nur selten folgen auf Straftaten im Jugendalter langfristige kriminelle Karrieren“, weiß Robatsch. Aus einer KfV-Studie, bei der biographische Interviews mit Straftätern geführt wurden, geht hervor, dass vor allem das soziale Netz, ein Arbeitsplatz oder eine Partnerschaft Abbruchkriterien für delinquentes Verhalten sind. „Jugendliche brauchen andere Angebote als kriminelles Handeln, um Grenzerfahrungen machen zu können. Nicht immer können Familie, Arbeitsmarkt oder die Wohnumgebung das bieten. Nicht Jugendliche sind das Problem, sondern ein Mangel an Perspektiven und Orientierungsmöglichkeiten“, betont Robatsch.

KfV-Präventionsfachtagung: Jugendkriminalität – Jugend im Fokus des öffentlichen Blicks

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit veranstaltet diese Woche bereits die zweite Präventionsfachtagung, bei der das Thema Jugendkriminalität von Referenten aus den Bereichen Justiz, Strafvollzug, Polizei, Wissenschaft, sowie Sozial- und Jugendarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Im Mittelpunkt steht nicht nur der Status quo von Jugendkriminalität in Österreich, sondern auch die Möglichkeiten und Grenzen von Jugendarbeit, Polizei und Justiz. Auch die Bedeutung und Verantwortung von Politik, Gesellschaft und Medien wird diskutiert. 

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