Jugend im Mittelpunkt: Das sind die Themen der Bischofssynode 2018

Auch Kardinal Christoph Schönborn ist bei der Bischofssynode dabei.
Auch Kardinal Christoph Schönborn ist bei der Bischofssynode dabei. ©APA/Helmut Fohringer
Ab dem 3. Oktober trifft sich die Bischofssynode im Vatikan. Diesmal dreht sich alles um das Thema "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung".

Eine Premiere gibt es in den kommenden drei Wochen in der katholischen Kirche: Erstmals stehen Jugendliche im Mittelpunkt einer Weltbischofssynode im Vatikan. Nach den beiden vorherigen Bischofsversammlungen zu Ehe und Familie 2014/15 lautet das Thema von 3. bis 28. Oktober “Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung”, wie Kathpress berichtet.

Junge Menschen im Zentrum der Synode

Im Zentrum der dreiwöchigen Beratungen steht die Lebenswelt von rund 1,8 Milliarden Menschen zwischen 16 bis 29 Jahren. Schwerpunktmäßig geht es um Lebensentscheidungen junger Menschen sowie ihre Beziehung zu Glaube und Kirche. “Die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik”, hatte sich Papst Franziskus im Zuge der Vorbereitungen an Jugendliche in aller Welt gewandt.

Für die Themen der Synode hat der Vatikan im vergangenen Juni ein umfassendes Arbeitspapier vorgelegt, das die Ergebnisse mehrere Umfragen und Vorbereitungstreffen bündelt – auch unter Beteiligung Jugendlicher. So nahmen mehr als 200.000 junge Menschen an einer im Voraus initiierten Online-Umfrage teil. Das in der Folge erstellte 214 Punkte umfassende Arbeitspapier (“Instrumentum laboris”) soll eine möglichst breite Sicht auf die Lage der Jugend und ihre Glaubens- und Lebensentscheidungen bieten. Es dient als Beratungsgrundlage.

Kein Europäer und kein Amerikaner im Leitungsteam

Der Leitung der Weltbischofssynode gehört dieses Mal kein einziger Europäer oder Amerikaner an. Die vom Papst delegierten Präsidenten der Synodenversammlung sind der irakische Kardinal Louis Raphael I. Sako (70), Oberhaupt der mit Rom unierten chaldäischen Kirche, Kardinal Desire Tsarahazana (64) aus Madagaskar, der myanmarische Kardinal Charles Bo (69) sowie Kardinal John Ribat (61) aus Papua-Neuguinea.

Mit der wichtigen Aufgabe des Generalrelators betraut der Papst den Vorsitzenden der Brasilianischen Bischofskonferenz, Kardinal Sergio da Rocha (58). Er wird Berichterstatter der Bischofsversammlung und hat damit großen Einfluss auf die Formulierung der Synodenergebnisse.

Erst gut drei Wochen vor Beginn gab der Vatikan auch die übrigen der insgesamt rund 360 Bischöfe, Ordensleute, Experten und Auditoren bekannt. Mitte September folgte noch eine neue Synodenordnung, die Apostolische Konstitution “Episcopalis communio”. Mit dem Dekret stärkt Franziskus in Vor- und Nachbereitung vor allem die Mitsprache der Gläubigen. Die Ordnung schreibt viel von dem fest, was bei den Vorbereitungen von Familien- und Jugendsynode de facto schon gemacht worden ist.

Für Österreich ist Stephan Turnovsky dabei

Für die Österreichische Bischofskonferenz nimmt “Jugendbischof” Stephan Turnovszky teil. Zusätzlich berief der Papst Kardinal Christoph Schönborn. Der Wiener Erzbischof gehört seit einigen Jahren dem zwölfköpfigen begleitenden Rat des Generalsekretariats der Bischofssynode an, das als zuständige Kurieneinrichtung die Weltbischofssynoden vorbereitet. Insgesamt stellen die Delegierten aus den weltweiten Bischofskonferenzen zusammen mit den Teilnehmern der römischen Kurie rund 260 Bischöfe.

Außerdem finden sich auf der Teilnehmerliste zehn Ordensleute aus der “Union der Generaloberen”, fünf Vertreter der Ökumene sowie rund 30 weitere vom Papst zusätzlich benannte Geistliche, Theologen und andere Experten. “Spezieller Gast” ist der Prior der Ökumenischen Gemeinschaft von Taize, Frere Alois.

Um für die Jugend zu sprechen, sitzen in den Reihen der vatikanischen Synodenaula zudem 50 Frauen und Männer unterschiedlichen Alters. Diese Auditoren können sich mit eigenen Beiträgen bei den Beratungen einbringen, haben aber kein Stimmrecht, wenn die Bischöfe ihr Abschlussdokument verabschieden. Als einziger junger Katholik aus dem deutschsprachigen Raum findet sich der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Thomas Andonie, auf der Liste der Auditoren. Als ökumenischer Gast für den Lutherischen Weltbund (LWB) nimmt zudem Julia Braband vom Jugendkomitee der deutschen Abteilung des LWB teil.

Kritik an der Synode

Kritiker meinen, die Jugend habe am Ende doch zu wenig Gewicht. Andererseits nimmt das Arbeitspapier an vielen Stellen Bezug auf Aussagen junger Leute. Vorherrschend ist der Wunsch Jugendlicher nach einer “authentischen Kirche”. Dazu, dass sich viele junge Leute von der Kirche entfernen, heißt es im Arbeitsdokument selbstkritisch, dies habe auch “ernsthafte und ernstzunehmende Gründe”. Angeführt werden auch “die Skandale sexueller und finanzieller Art”, deretwegen die Jugendlichen die Kirche nachdrücklich auffordern, “ihre Null-Toleranz-Haltung gegenüber ihren Institutionen zu verstärken”.

Dies ist nur ein Aspekt des 80-Seiten-Papiers, das auch auf Familie und Single-Dasein, Generationenunterschiede, digitalen Wandel, Drogen, Migration, Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Gesellschaft, Gerechtigkeit, Glaube, Kirche, Verweltlichung sowie Sport und Musik eingeht. “Das Dokument ist sehr breit gefasst – fast zu breit”, sagte der Schweizer Jugendbischof Alain de Raemy im Vorfeld der Synodenberatungen: “Man versucht, alle Themen zu behandeln, und behandelt dann kein Thema richtig. Aber das ist normal. Wir müssen nachher schauen – mit der Dynamik der Synode -, in welche Richtung wir uns begeben. Was werden die Akzente sein? Das lässt sich bisher noch nicht erkennen.”

Treffen von Glaubwürdigkeitskrise überschattet

Überschattet wird das Treffen vom Missbrauchsskandal in der Kirche und der damit einhergehenden Glaubwürdigkeitskrise. Zuletzt gab es sogar Forderungen nach einer Absage der Synode. Stattdessen soll ausdrücklich auch über diese Themen beraten werden; in den Themenwünschen der jugendlichen Vorsynode vom März kamen sie ohnehin vor.

Darauf verwies zuletzt im Interview mit österreichischen Kirchenzeitung auch der heimische Jugendbischof Turnovszky. Eine Absage “wäre kein gutes Signal an die Jugend der Welt”, meinte er: “Die jungen Menschen wollen ohnehin Themen wie Transparenz in der Kirche diskutieren. Wenn man sich von aktuellen Ereignissen vom Thema abbringen lässt, wäre wohl nie Zeit, über die Jugend zu sprechen.”

“Ich erwarte mir, dass die Bischöfe in der Synode einen offenen Umgang pflegen und alle Themen ansprechen”, sagte die Theologiestudentin und frühere Vorsitzende der Katholischen Jugend in Oberösterreich, Eva Wimmer – sie hat als österreichische Delegierte unter rund 300 jungen Leuten aus aller Welt im Frühjahr an einer vom Vatikan organisierten vorbereitenden “Vorsynode” teilgenommen – kurz vor dem Synodenstart in der vergangenen Woche bei einem Pressetermin in Linz. In der Vorsynode habe “dies gut funktioniert, da sich alle gegenseitig wertgeschätzt und wahrgenommen haben”.

Österreicher in Rom informieren über Youtube

Wimmer wird gemeinsam mit Matthias Zauner von der Katholischen Jugend Österreich/Netzwerk Jugendpastoral den ganzen Oktober lang in Rom sein und Jugendbischof Turnovszky während der Synodenzeit unterstützen. Unter dem Titel “Eva und …” wird es auf einem eigenen Youtube-Kanal Videos mit dem Jugendbischof, Synoden-Auditor Andonie aber auch anderen Gesprächspartnern, die sich in diesen Tagen zur Synode in Rom aufhalten, geben.

Gerade in den ersten Tagen kommen zudem weitere junge österreichische Katholiken nach Rom, die dort auch jede sich bietende Möglichkeit nutzen wollen, um mit den vor Ort tagenden Synodenteilnehmern ins Gespräch zu kommen, darunter eine Gruppe aus Wien und aus der Steiermark. Für den 7. Oktober ist etwa ein gemeinsamer Gottesdienst mit Jugendbischof Turnovszky in der deutschsprachigen katholischen Gemeinde von Rom, Santa Maria dell’Anima, geplant.

Stimmenabgabe bei Begegnung mit Papst

Fix ist auch, dass Wimmer, Zauner und Thomas Gaber, der Leiter der Jugendkoordinierungsstelle “Jakob”, am 6. Oktober an der Begegnung mit den zur Synode versammelten Bischöfen teilnehmen werden, zu der Papst Franziskus in die vatikanische Audienzhalle eingeladen hat. Bei dem Treffen sollen einige Jugendliche und junge Erwachsene Statements abgeben zu Themen, die sie bewegen, teilte der Vatikan im Vorfeld mit. Der Papst wolle gemeinsam mit den Synodenvätern die Jugendlichen anhören und ihre Vorschläge aufnehmen, um sie in das Abschlussdokument der Synode einfließen zu lassen, hieß es.

Er wolle sich die Gedanken, Kritik und Träume von Jugendlichen zu eigen machen, sagte Franziskus vor wenigen Tagen im Vatikan bei der Vorstellung eines Buches mit Fragen junger Menschen an Bischöfe und deren Antworten. “Eine der dringendsten Aufgaben heute besteht darin, in direktem Kontakt den Stimmen junger Menschen zuzuhören: oft kritisch und besorgt, andere schlicht erleuchtend.

Jugendbischof Turnovsk lobt die die Jugend

“Jugendbischof” Stephan Turnovszky, offizieller Vertreter der Kirche Österreichs bei der am 3. Oktober in Rom beginnenden 15. Generalversammlung der Bischofssynode – heuer ist Jugend das Thema -, hat im Interview mit der Gemeinschaftsredaktion österreichischer Kirchenzeitungen zwar einen generellen gesellschaftlichen Individualismus konstatiert, jedoch vor einem Fingerzeig auf die Jugend gewarnt.Wenn es heiße, Jugendliche seien “wenig an der Gesellschaft interessierte Individualisten”, könne er dem nur bedingt zustimmen. “Ich finde, die gesamte Gesellschaft und nicht nur die Jugend zieht sich individualisiert zurück. Viele Menschen wollen in erster Linie ein gemütliches, ungestörtes Leben führen”, so der Wiener Weihbischof.

Beim Weltjugendtag 2016 habe Papst Franziskus dazu aufgefordert, “vom Sofa aufzustehen, sich einzubringen”, so Turnovszky. Dies geschehe tatsächlich, und “gerade unter gläubigen Jugendlichen gibt es sehr viele Engagierte, und zwar in verschiedenen Bereichen: Ökologie, soziale Gerechtigkeit, für das ungeborene Leben oder für benachteiligte Menschen”.

Fragen und Antworten zur Jugendsynode

Worum geht es bei der Bischofssynode zur Jugend?

Die Bischöfe wollen sich ein möglichst umfassendes und realistisches Bild vom Leben und Glauben “der Jugend” auf der Welt machen. Gemeint sind “alle Jugendlichen, ohne Ausnahme”. Es geht darum, Antworten auf die Fragen junger Menschen zu finden. Die Kirche möchte Jugendliche begleiten, ihnen bei wichtigen Entscheidungen helfen und sie ermutigen, sich in Gesellschaft und Kirche zu engagieren. Ziel der Beratungen ist ein Schlussdokument, über das die Synodenmitglieder auch abstimmen.

Wie werden Jugendliche selbst einbezogen?

Zur Vorbereitung lief bis Ende 2017 eine weltweite Internetumfrage des Vatikan. Bei einem internationalen Vorbereitungsseminar mit Jugendlichen in Rom im Herbst 2017 wurden Themenvorschläge gesammelt. Im vergangenen März fand in Rom eine sogenannte Vorsynode statt mit 300 jungen Leuten aus aller Welt inklusive Angehöriger anderer Religionen und Nichtgläubigen. Zum Abschluss übergaben die Teilnehmer – unter ihnen war auch die Theologiestudentin Eva Wimmer als Vertreterin aus Österreich – dem Papst eine Zusammenfassung ihrer Überlegungen. Über die Internetseite der Synode (www.synod2018.va) konnten auch andere diese “Präsynode” verfolgen und kommentieren.

An der Synode selbst nehmen nun 50 ausgewählte Hörer (“Auditores”) teil, darunter viele junge Menschen. Sie werden mitdiskutieren, haben laut Synodensatzung jedoch kein Stimmrecht. Einziger Auditor aus dem deutschsprachigen Raum ist der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Thomas Andonie.

Wie liefen die Vorbereitungen?

Diese Synode ist die erste nach der neuen Synodenordnung, die Papst Franziskus Mitte September erlassen hat. Deren Regelungen wurden in den Vorbereitungen zur Jugendsynode de facto vorweggenommen. Wie üblich bekamen alle Bischofskonferenzen ein erstes Vorbereitungsdokument mit einem Fragebogen. An der Internetumfrage nahmen laut Vatikan 221.000 Jugendliche und junge Erwachsene teil. Im Juni wurde ein 80 Seiten starkes Arbeitsdokument (Instrumentum laboris) veröffentlicht. In 214 Punkten bietet es eine Sicht auf die Lage der Jugend und ihre Glaubens- und Lebensentscheidungen. Den rund 360 Synodenteilnehmern – Bischöfe, Ordensvertreter, Kurienmitarbeiter, externe Fachleute, ökumenische Vertreter und Auditoren – dient es als Beratungsgrundlage.

Wer nimmt aus Österreich teil?

Die heimischen Bischöfe entsenden den 54-jährigen Wiener Weihbischof und österreichischen “Jugendbischof” Stephan Turnovszky als offiziellen Vertreter zur Synode. Den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, hat der Papst zusätzlich als Mitglied der Synode berufen. Jugendbischof Turnovszky wird von einer Gruppe junger österreichischer Katholiken nach Rom begleitet. Sie wollen dort jede sich bietende Möglichkeit nutzen, um mit den vor Ort tagenden Synodenteilnehmern ins Gespräch zu kommen, sind aber keine offiziellen Mitglieder der Synodenversammlung.

Welche besonderen Herausforderungen der Synode zeichnen sich ab?

Überschattet wird die Synode vom Missbrauchsskandal in der Kirche. Es gab Forderungen, die Jugendsynode deswegen abzusagen; auf jeden Fall wird über das Thema gesprochen. Offen ist, wie andere “heiße Eisen” zur Sprache kommen, etwa kirchlicher Vertrauensverlust, Sexualität und Körperlichkeit. Zudem gibt es, je nach Herkunft der Teilnehmer, große Unterschiede bei den Erwartungen. Durch die Vielzahl der angerissenen Themen, von Migration und Arbeitslosigkeit über Drogengewalt und digitale Medien hin zu Partnerschaft und Frömmigkeit, droht die Synode zu zerfasern.

(APA/Red)

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