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Jugend besonders in Spielsucht-Gefahr

Frustration, innere Leere, Sucht - vor allem Jugendliche sind laut Experten gefährdet, in diesen Teufelskreis abzurutschen. Etwa 44% der Wiener Anonymen Spieler hatten bereits vor ihrem 18. Lebensjahr erste Probleme mit Glücksspiel.

Spielsucht drohe Jugendlichen vermehrt, weil sie heutzutage „besonders frustriert“ seien, sagte Michael Lehofer von der steirischen Landesnervenklinik Sigmund Freud anlässlich eines Spielsucht-Seminars der Österreichischen Lotterien am Mittwoch in Wien zur APA.

Materielle Werte statt Selbstwert

„Die Gesellschaft bietet Jugendlichen Werte an, die sie eigentlich nicht brauchen“, erklärte Lehofer. An materiellem Wohlstand mangle es meist nicht, wesentliche Bedürfnisse wie Bestätigung des Selbstwertes und sichere Bindungen bleiben aber auf der Strecke. Statt ihren Kindern Zeit zu widmen, „speisen viele Eltern sie mit materiellen Werten ab“, kritisierte der ärztliche Leiter der Drogenberatungsstelle des Landes Steiermark. Die Armut, die sich breit macht, sei eine psychische.

„Obwohl die Befriedigungsmöglichkeiten in der Spaßgesellschaft riesengroß sind, müssen Menschen immer mehr innere Leere aushalten“, sagte Lehofer. Denn: „Diese Möglichkeiten machen nicht satt.“

Suchtverhalten scheint für viele ein Ausweg zu sein, weil es die Möglichkeit bietet, nicht an Probleme zu denken. Das Spielen beispielsweise fessle die gesamte Aufmerksamkeit. „Noch dazu kommt die Verheißung auf den großen Gewinn“, meinte der Psychiater. Süchtige verlieren in der Folge die Kontrolle, gamblen immer häufiger und „pokern“ immer höher. Betroffene vernachlässigen ihre sozialen Kontakte – das ganze Leben drehe sich nur noch ums Spielen.

Laut dem Mediziner sind etwa 20.000 Österreicher spielsüchtig. Casinos besuche der Großteil der Abhängigen jedoch nicht, meinte Lehofer. Spielsüchtige frequentieren eher „niederschwellige Einrichtungen“ wie Wettcafes mit Automaten. Die strengen Rituale der Casinos – Bekleidungsvorschriften und Ausweispflicht – hemmen das Suchtverhalten, erklärte er.

Damit der Nervenkitzel beim Roulette oder Poker nicht zur pathologischen Sucht wird, solle man Glücksspiel auf alle Fälle als Unterhaltung betrachten und nicht dorthin gehen, um Sorgen zu vergessen, rät Herbert Beck, Leiter der Abteilung „Responsible Gaming“ der Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien. Zudem solle man sich von vorne herein ein finanzielles und auch zeitliches Limit setzen.

Weil junge Zocker besonders gefährdet seien, begegne man 18- bis 25-jährigen Casinobesuchern gezielt mit mehr Strenge, so Beck. Wer besonders oft kommt und hohe Beträge setzt, wird zu einem persönlichen Gespräch geladen. Kann der Betroffene kein regelmäßiges Einkommen nachweisen, darf er nicht mehr kommen.

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