Journalist und Janukowitsch-Unterstützer in Kiew ermordet

In Kiew sind binnen 24 Stunden ein prorussischer Journalist sowie ein Unterstützer des gestürzten Moskau-treuen Präsidenten Viktor Janukowitsch getötet worden. Oleg Kalaschnikow, Abgeordneter von Janukowitschs Partei der Regionen, wurde am Mittwochabend tot in seinem Haus gefunden. Am Donnerstag wurde der Journalist Oles Buzina, Chefredakteur einer Kiew-kritischen Zeitung, erschossen.


Nach Angaben aus dem Innenministerium nahm die Polizei wegen des Todes Kalaschnikows Mordermittlungen auf, auch er wurde offenbar erschossen. Es werde in Richtung einer politisch motivierten Tat als auch eines Raubmordes aus wirtschaftlichen Gründen ermittelt. Kalaschnikow soll während der Proteste der proeuropäischen Opposition gegen Janukowitsch seit dem Herbst 2013 Gegenkundgebungen organisiert haben.

Buzina war Chefredakteur der Zeitung “Segodnia” von Rinat Achmetow, dem reichsten Mann der Ukraine und Hauptfinanzier der Partei der Regionen. Auf seiner eigenen Website hatte Buzina der neuen Regierung in Kiew vorgeworfen, sie wolle “die russische Kultur zerstören”. Das Innenministerium bestätigte seinen Tod. Fernsehbilder zeigten eine blutüberströmte Leiche vor einem Haus in der Innenstadt.

Präsident Petro Poroschenko verurteilte die offenkundigen Morde als “absichtliche Provokation”, die “Öl auf die Mühlen unserer Feinde gießen und die Lage in der Ukraine destabilisieren”. Er forderte seine eigenen Behörden zu einer “transparenten Untersuchung” auf.

Die Zahl der Fälle, in denen Unterstützer von Ex-Präsident Janukowitsch unter verdächtigen Umständen ums Leben gekommen sind, erhöhte sich mit den beiden neuen Opfern auf fünf. Der ehemalige Gouverneur Olexandre Peluschenko sowie der frühere Abgeordnete Stanislaw Melnik wurden beide tot in ihrem Haus gefunden. Beide Politiker sollen sich das Leben genommen haben. Michailo Tschetschetow, ein hoher Parlamentsmitarbeiter der Partei der Regionen, war Ende Februar aus einem Fenster im 17. Stock gestürzt.

Überdies war Ende März der jüngste Sohn Janukowitschs mit einem Kleinbus auf dem zugefrorenen Baikal-See in Sibirien eingebrochen und ertrunken. Auch wenn Vertraute des Ex-Präsidenten von einem Unfall sprachen, wurde der Vorfall von manchen Beobachtern als verdächtig bewertet.

Janukowitsch war im Februar 2014 nach monatelangen Protesten ins russische Exil geflohen. Zwei Monate später begannen die Gefechte zwischen ukrainischen Streitkräften und prorussischen Rebellen im Osten des Landes, durch die nach Angaben der Vereinten Nationen bisher mehr als 6000 Menschen getötet wurden.

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