Journalist und Buchautor Wolfgang Purtscheller ist tot

In den 1990er Jahren stand Purtscheller selbst vor Gericht
In den 1990er Jahren stand Purtscheller selbst vor Gericht
Der Journalist und Buchautor Wolfgang Purtscheller ist tot. Er starb in der Nacht auf Mittwoch in einem Wiener Krankenhaus an den Folgen eines Herzstillstands. Purtscheller wurde 60 Jahre alt, er hinterlässt eine Tochter und einen Sohn. Purtscheller war überzeugter Antifaschist.


Sein politisches Wirken hatte zwei Schwerpunkte: den Kampf gegen den Rechtsextremismus und seine Bemühungen um die radikale Linke in Österreich. In den 1980er-Jahren war er eine der zentralen Personen der österreichischen Hausbesetzer-Szene, unter anderem bei der Besetzung der Häuser in der Ägidi- und Spalowskygasse in Wien-Mariahilf.

Der gebürtige Tiroler Purtscheller kam Mitte der 1970er-Jahre nach Wien und war bereits damals politisch sehr aktiv. Unter einem Pseudonym verfasste er unter anderem politische Analysen. Anfang der 80er-Jahre ging er wieder nach Innsbruck, wo er unter anderem als Taxifahrer arbeitete und dabei Stoff für Krimis sammelte. Purtscheller erzählte auch gerne davon, dass er zumindest für kurze Zeit der bevorzugte Chauffeur von Ernst Happel war, der im Sommer 1987 den FC Tirol zu trainieren begann.

Im Herbst 1987 war Purtscheller wieder in Wien und erlebte den Brandanschlag von Rechtsextremisten auf das besetzte Haus in der Ägidigasse und dessen gewaltsame Räumung im Sommer 1988 durch die Polizei mit. Immer mehr trat in der Folge der Kampf gegen den Rechtsextremismus in den Vordergrund, ebenso die publizistische Tätigkeit. Purtscheller schrieb für den “Standard”, den “Falter”, “profil” und “News”. Für den ZDF drehte er die Dokumentation “Das braune Netzwerk”. Ein zentraler Teil dieser Publikationen war immer das Aufzeigen von Querverbindungen zu im Parlament vertretenen politischen Parteien, insbesondere zur FPÖ. Und das bis zuletzt: Vor knapp einem Jahr saß Purtscheller bei einer Pressekonferenz auf dem Podium, bei der es um angeblich existenzbedrohende FPÖ-Klagen gegen Linksaktivisten ging.

In den meisten Fällen nutzte er für seine Publikationen Originaldokumente rechtsextremer Organisationen und versorgte in diesem Zusammenhang auch das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) mit Material. Mit seinen Recherchen war er maßgeblich an der Aufdeckung und Zerschlagung der Strukturen der “Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO)” und der Inhaftierung ihrer Führungskader beteiligt.

Umso mehr geriet er ins Visier von Rechtsextremisten, zumal er ab 1993 mehrere Bücher – “Aufbruch der Völkischen”, “Die Ordnung, die sie meinen”, “Die Rechte in Bewegung”, “Delikt: Antifaschismus” (über den Briefbombenterror der Bajuwarischen Befreiungsarmee) und “10 Briefe für 10 Jahre” (ebenfalls über den BBA-Terror) – veröffentlichte. 1995 zeichnete ihn das DÖW mit dem Willy und Helga Verkauf-Verlon Preis aus.

Im September 1994 geriet Purtscheller selbst in das Visier der Justiz, als er bei der Festnahme eines afrikanischen Asylwerbers zu intervenieren versuchte. Bei der Auseinandersetzung mit der Polizei wurde er schwer verletzt, bekam aber eine Anzeige wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und stand deshalb auch vor Gericht.

Versuche, Purtscheller selbst in die Nähe des rechtsextremen BBA-Anschlages von Oberwart mit vier Toten und des linksradikalen Anschlages von Ebergassing, bei dem zwei Urheber bei der versuchten Sprengung eines Strommasten ums Leben kamen, zu rücken, blieben letztlich erfolglos. Dennoch zog sich Purtscheller vorübergehend nach Mexiko zurück. Nach seiner Rückkehr nach Wien hielt sich der Autor weitgehend von der Öffentlichkeit fern, blieb aber aktiv und sammelte Informationen über rechtsextreme Bestrebungen, im besonderen, seit die alten VAPO-Kader wieder aus dem Gefängnis waren und erneut versuchten, ein rechtsextremes Netzwerk aufzubauen.

Der Journalist stritt nicht nur mit Vertretern des Rechtsextremismus, auch im Lager der radikalen Linken hatte er zahlreiche Gegner. Purtscheller war unter anderem daran beteiligt, dass der Verkauf des besetzten Ernst Kirchweger-Hauses durch die KPÖ an einen Käufer mit rechtsextremer Vergangenheit verhindert wurde.

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