John Carter

Ein Spektakel in 3D auf einem fremden Planeten - und doch kommt der 250-Millionen-Dollar-Blockbuster "John Carter" ziemlich altmodisch daher. Das mag zum einen daran liegen, dass die fast 100 Jahre alte Vorlage über den ersten Science-Fiction-Helden im All schon von ihrem Autor Edgar Rice Burroughs, dem späteren "Tarzan"-Erfinder, nicht besonders modern angelegt war. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Zum anderen legten Regisseur Andrew Stanton und sein Team ganz offensichtlich aber auch nicht viel Wert darauf, die berühmte “Mars-Saga” ins 21. Jahrhundert zu übersetzen. Am Donnerstag startet das recht eigenwillige Disney-Epos in den heimischen Kinos.

Die Geschichte John Carters begann in den 1910er Jahren als monatlicher Fortsetzungsroman in einem Magazin und schließlich 1917 mit dem Roman “Prinzessin vom Mars” als klassische “Pulp Fiction”, also Trivialliteratur. Es folgte eine Buchreihe, die mit wissenschaftlichem Futurismus ebenso wenig am Hut hatte wie mit Konsistenz oder Logik. Wenn der kampferprobte Bürgerkriegsveteran Carter auf der Flucht vor Indianern zufällig das Tor in eine andere Welt betritt und auf dem Mars landet, braucht er dafür keine Rakete oder Zeitmaschine. Und statt überlegenen Technologien entspricht die Gesellschaftsordnung am Mars eher jener der Erde im 19. Jahrhundert.

Auch wenn Burroughs also kein Jules Verne oder H.G. Wells war, so zeitigten seine Geschichten über die riesigen vierarmigen Tharks, die echsenartigen Calots und die menschenähnlichen Bewohner der Stadt Helium doch eine gewaltige Fangemeinde, nicht zuletzt verstärkt durch die späteren Marvel-Comics. Dass die Geschichten irgendwann auch ihren Weg ins Kino finden würde, war wohl nur eine Frage der Zeit – und nachdem ohnehin beinahe jede Marvel-Figur bereits auf der Leinwand verewigt wurde, war nun auch John Carter an der Reihe. In die Hauptrolle schlüpfte Taylor Kitsch, in weiteren Rollen sind (zum Teil jedoch völlig unkenntlich) Willem Dafoe, Mark Strong und Lynn Collins zu sehen.

Der Film beginnt mit dem jungen Burroughs selbst. Er kommt in das Haus seines wohlhabenden Onkels (Carter), dessen plötzlicher Tod dem Hauspersonal Rätsel aufgibt. Edgar, der einzige Erbe Carters, arbeitet sich durch die geheimnisvollen Dokumente und Schriftstücke, die dieser hinterlassen hat – und taucht ein in die fantastische Welt von “Barsoom”, wie der Mars in der Sprache der Marsianer heißt. Auf deren Seite hat sich Carter geschlagen, als diese von Menschen angegriffen wurden, und damit das Herz der schönen Prinzessin Dejah erobert. Diese hat ihre kämpferische Unabhängigkeit dem großen Helden schnurstracks auf dem Altar der Geschlechterkonventionen geopfert.

Was mit guten Spezialeffekten und beeindruckenden Bildern immer wieder staunen macht, bleibt auf erzählerischer Ebene leider vor allem auf dem Mars verblüffend flach. Da hätte man sich fast ein bisschen mehr von der Rahmenhandlung in der Carter’schen Villa gewünscht, die nicht zuletzt am Ende für Überraschungen sorgt. So ist der Film über weite Strecken recht unterhaltsam, aber für einen Regisseur wie Andrew Stanton – der mit den Animationsfilmen “Findet Nemo” oder “Wall-E” begeisterte und hier seinen ersten Film mit echten Menschen realisierte – letztendlich doch hinter den Erwartungen. Eine Mischung aus “Star Gate” und “Avatar” macht noch keinen großen Fantasy-Hit.

(APA)
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