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Jesus-Schwerpunkt im Fernsehen

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Pier Paolo Pasolini, Martin Scorsese, Roger Young, Mel Gibson - ganz unterschiedliche Zugänge zu Jesus und christlicher Religion bieten die Filme dieser vier Regisseure, die im Mittelpunkt eines umfangreichen Oster-Schwerpunkts im ORF stehen.

Dementsprechend kontrovers soll die Reihe „Jesus im Film“ diskutiert werden, die die Karwoche bis Ostermontag mit Diskussionen, Dokumentationen, Sendungen und Spielfilmen füllt, hieß es heute, Dienstag, bei einem ORF-Pressefrühstück. Abseits des 20-teiligen Religionsschwerpunkts lockt das Oster-Programm traditionell mit Hollywood-Blockbustern.

„Das 1. Evangelium – Matthäus“ (1964) von Pasolini und Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ (1988) riefen bei ihren Kinostarts fundamentale Kirchenvertreter auf den Plan, die die menschliche Darstellung des Heilands heftig kritisierten und als gotteslästerlich betrachteten. Bei Scorsese waren Stürme der Entrüstung von Seiten der Kirche und des Publikums die Folge, es gab Protestmärsche, vereinzelte Vorführungen mussten damals wegen Bombendrohungen abgesagt werden. Im ORF werden die Filme nun – knapp 42 bzw. 19 Jahre später – am 2. und 3. April erst um 0.20 Uhr ausgestrahlt.

Während Roger Youngs zweiteiliger Film „Die Bibel – Jesus“ 1999 nur wenig Aufregung verursachte und am Karfreitag bedenkenlos um 10.35 Uhr und 12.10 Uhr gezeigt werden kann, sorgt die erstmalige TV-Ausstrahlung von Mel Gibsons „Die Passion Christi“ (2004) bereits im Vorfeld für Aufregung. Gibson schüre mit seinem effektvollen Splatter-Film über die letzten Stunden Jesu vor der Kreuzigung Angst und Schrecken und „wolle die Leute förmlich in den schützenden Schoß Gottes treiben“, lautete einer der Vorwürfe an den konservativen Regisseur, der zuletzt auch mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen war.

Andrea Bogad-Radatz von der ORF-Hauptabteilung „Film und Serien“ hält es jedoch für eine „Pflicht des öffentlich-rechtlichen Fernsehens“, den Film zu zeigen, gerade weil er so polarisiere. „Ich würde es nicht richtig finden, ihn nicht zu zeigen“, meinte sie im Einklang mit ORF-Religionschef Gerhard Klein. Eingeschlossen in einen Programmblock mit einer Einführung am Karfreitag ab 21.55 Uhr, einer Vorab-Diskussion sowie einer anschließenden Diskussion soll Kritikern begegnet werden. Die Israelitische Kultusgemeinde verurteilte die geplante Ausstrahlung des Films dennoch, weil „den Juden die Schuld an der Kreuzigung zugesprochen“ werde. Gleichzeitig forderte die IKG „die Absetzung des Machwerkes“.

Das Programm im ORF sieht neben den zentralen Spielfilmen und den Dokus und Gesprächen rundherum zudem einige „kreuz&quer spezial“-Sendungen vor, unter anderem Berichte am Ostersonntag live vom Petersplatz und die umstrittene Doku „Das Jesus-Grab“ von James Cameron am Karfreitag vor. Wem der religiös-philosphische Schwerpunkt – der „Konsumentenschutz im Supermarkt der Religionen“, wie es Gerhard Klein formulierte – zu viel wird, kann sich unterdessen mit einigen Blockbustern ablenken: Am Palmsonntag läuft „Troja“ mit Brad Pitt und Orlando Bloom sowie anschließend „Lost in Translation“ mit Bill Murray und Scarlett Johansson, am Karfreitag „I, Robot“ mit Will Smith und am Ostersonntag der elffach Oscar-gekrönte Fantasyfilm „Herr der Ringe 3 – Die Rückkehr des Königs“.

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