Jedem Kind seinen Laptop

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Startschuss in Wien: „Jedem Kind seinen Laptop“. Das Motto des ambitionierten IT-Entwicklungshilfeprojekts, das Kinder in Entwicklungsländern mit eigens angefertigten Laptops versorgen möchte.

Der „XO“ – wie der als “100-Dollar-Laptop“ bekannt gewordene Rechner heißt – wird gerade in Version 3.0 hergestellt. Im Herbst soll die Auslieferung beginnen. Heute, Samstag, bei der Linuxmesse in der Wiener Urania, wurde das handliche Gerät präsentiert.

Nicht einmal 30 Zentimeter ist er groß und besticht schon auf den ersten Blick durch Variabilität. Das Display kann gedreht und in beide Richtungen umgeklappt werden, der grün-weiße Laptop sieht dann fast aus wie eine kleine Tasche. Und so ist das Ganze auch gedacht. Denn der Ansatz lautet nicht, Schulen in den teilnehmenden Ländern damit auszurüsten, sondern explizit jedes einzelne Kind zwischen sechs und zwölf. „Jedes Kind soll einen haben und den auch besitzen“, erklärte Leon Aaron Kaplan, einer der Entwickler. Auch ohne funktionierendes Schulsystem will die Initiative den Kindern damit Weiterbildung und ein Spielzeug bieten – im Idealfall beides gleichzeitig.

Mit „Etoys“, einer Software, durch die Kinder selbst ihre Spiele programmieren, wird Verständnis für Mathematik und Physik, für Computersprache und logische Zusammenhänge durch „learning-by-doing“, oder eigentlich durch „learing-by-playing“ vertieft. Programme für Lesen, Schreiben und Musizieren sind bereits vorinstalliert und auch Bücher sollen auf elektronischem Wege zugänglich werden.

Neben der Herstellung leicht bedienbarer und pädagogisch wertvoller Software, standen die Entwickler vor allem vor ganz praktischen Realisierungsproblemen. Größte Herausforderung war die oft mangelnde Stromversorgung in Entwicklungsländern. Die ursprüngliche Idee einer stromerzeugenden Kurbel wurde fallen gelassen, andere kreative Lösungen sind immer noch Arbeit. Jedenfalls möglich wird der Betrieb mit einer kleinen Solarzelle sein, die schon bei normalem Sonnenschein ausreichend Energie liefern würde. Eine andere Option ist eine Art Jojo, an dem man für zehn Minuten Betrieb eine Minute lang ziehen müsste.

Technologisches Kernstück ist das autonome Netzwerk, das die Computer herstellen. Über mesh-repeater wird das kabellose Signal von einem Laptop zum nächsten weitergegeben – auch im Ruhezustand. Befinden sich die Rechner in einem Abstand von bis zu 1,4 Kilometern treten sie automatisch miteinander in Verbindung – Telefongespräche, gemeinsame Spiele, sogar Videokonferenzen könnten so fernab jeder Anbieter-Technologie stattfinden.

Viele Möglichkeiten, einfache Technik – ein Schraubenzieher genügt, um das ganze auseinander zu nehmen und zusammen zu bauen – das hätte wohl jeder gern. In Ländern, deren Regierungen sich an dem Projekt nicht beteiligen, sind die kleinen Geniestreiche allerdings nicht zu bekommen. Und wie gut Verteilung und Verwendung funktionieren werden, kann im Moment niemand auch nur ahnen. „Es ist ein riesiges Experiment“, so Kaplan. Doch immerhin, der 100-Dollar-Laptop ist da. Das hätte vor ein paar Jahren wohl auch noch keiner geglaubt.

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