Jede zweite junge Frau kaufsuchtgefährdet

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Einkaufssucht ist weiblich und jung: Jede zweite Frau zwischen 14 und 24 ist deutlich gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Arbeiterkammer Wien (AK) in Zusammenarbeit mit dem Karmasin-Gallup Institut.

Sie wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. Insgesamt lege jeder dritte Österreicher beim Einkauf Suchtpotenzial an den Tag, davon sechs Prozent stark.

1.000 Konsumenten ab 14 Jahren wurden im Oktober und November befragt. Die Studie zeige, dass die Anzahl der Kaufsuchtgefährdeten weiter ansteigt, warnte Karl Kollmann, stellvertretender Leiter der Abteilung Konsumentenschutz der AK Wien. „Und das, obwohl das Konsumbudget in Österreich in den letzten fünf Jahren real um etwa sechseinhalb Prozent zurückgegangen ist.“ Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der jungen Frauen und Männer zwischen 14 und 24 Jahren haben Probleme mit der Sucht Shopping. Österreichweit liege die geschlechterspezifische Verteilung bei 60 Prozent Frauen zu 40 Prozent Männern. Bei älteren Personen sei das Suchtpotenzial aber leicht zurückgegangen, so Kollmann.

Die Ursachen für den Drang zu haltlosem Shopping sind unterschiedlich, berichtete Studienautorin Irene Kautsch: „Es kann eine starke psychische Beeinträchtigung im Hintergrund liegen, die Sucht kann aber auch im Zuge einer Lebenssituation entstehen. Zum Beispiel, wenn man längerer Zeit keine Partnerschaft hat.“ Ein bestimmtes Verhalten gebe es aber nicht – „Jemand muss zum Beispiel täglich einkaufen gehen oder gibt auf einen Schlag große Summen aus“, erklärte Kautsch. Dabei entstehe ein Gefühl der Befriedigung, „das Einkaufen wird so zum Hauptaspekt des Lebens“.

Das Bildungsniveau habe auf das Suchtpotenzial keinen Einfluss, einen Zusammenhang sieht Kautsch aber beim Einkommen: „Man braucht mehr Geld, um in der Kaufsucht zu agieren. Und jemand, der ausreichend Geld hat, bleibt länger unerkannt.“ Schuld an der großen Summe an jugendlichen Süchtigen sei das geringe Wissen, aber auch der selbstverständliche Umgang mit Internet-Shopping und bargeldlosem Zahlungsverkehr. Junge Menschen müssten richtiges Einkaufen erst lernen, „das Problem dabei ist aber, dass es kein Sicherheitsnetz und wenig Spielraum gibt, um Fehler zu machen“, warnte Kautsch. Ein Privatkonkurs sei besonders für diese Gruppe ein „massiver Einschnitt in die Biografie“, aus der sie nur schwer wieder herauskommen.

Als Präventionsmaßnahmen forderte die AK daher unter anderem einen eigenen verpflichtenden Unterrichtsgegenstand „Verbraucherbildung“ im achten Schuljahr sowie ein eigenes Institut für Verbraucherbildung und -forschung. Kollmann kann sich ebenso eine Modernisierung im Insolvenzrecht vorstellen – er schlägt eine Herabsetzung der Entschuldung im Privatkonkurs von sieben auf fünf Jahre vor. In der Prävention sollte vor allen der Spielraum der Schuldnerberatungen auf die Prävention erweitert werden, sagte Kollmann.

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